Kluge und nützliche Staatskunst,44chen imaginarischen Phantasten muß man alles zugeben; dann esgibt Leute, die über allerhand Sachen nur bloß aus Phantasey undeigensinnlichem Vorurtheil oder Parteylichkeit discurriren, daß wannsie schon mit den besten Gründen überwiesen seynd, dannoch ihre Ir-thümer und Meynung sustiniren, weilen sie eines Theils auch keinebessere Begriffe davon haben, und also meynen, daß solches so undnicht anders seyn könne; wie sie es fassen und begreifen. Darum washilft es die gewissesten Zeugnissen und Beweisthümer zu allegiren,wann das Gehirn mit Eigensinn und Irrthum überfüllet ist? sonder-lich aber soll man nicht streitten noch contradiciren uber Sachen, dieman nicht vor gewiß und sicher weiß. Will man sich um einenFreund bewerben, so sehe man zu, ob er gelehrt, vornehm,gütig, from, sittlich, mäßig, beständig, getreu, (§. 20.)aufrichtig, vernünftig, mächtig, vermögend (§. 16.), ange-sehen, dienstwillig, behülflich, redlich, wohl geartet und mitanderen löblichen Qualitäten begabet. Doch wolle man darumdie Armuth und Einfalt durchaus nicht verachten. Hat man einenHandel, ein Geschäft oder sonsten eine Verrichtung, so nehme manniemalen einen Mitgesell, der in selber Handlung, oder Affairen mehrerfahren ist, als du selbsten. Von unnützlichen geringen Commißio-nen und schadschaft=verächtlichen auch etwa bösen Geschäften (welchedir von anderen zu verrichten begehret seynd und denen du im gering-sten nicht verbunden bist) kanst du dich kühnlich abhalten und excusi-ren, nicht leichtlich soll man etwas, (sonderlich daß da wichtig, be-denklich und beträchtlich ist), versprechen (§. 14.) noch etwas zu las-sen, weder geschwind etwas beschliessen (§. 1. 13.), da die geschwindgefaßte Rathschlüsse und Unternehmungen gemeiniglich übel ausschla-gen; wie JUSTUS LIPSIUS, einer der grösten Staatsmänner ver-flossener Jahrhundert in seinen Staatsschriften mit Grund versichert:Politique, ou scienc. civil. liv. 3. chap. 7. pag. 59. Vielweniger sollman die einmal genommene Resolution oder Endschluß veränderen,wie abermal Lipsius meldet: Livre de la constance.§. 34
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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