oder politische Maximen.37Weißheit und wahre Vernunft gehet hin; daher SENECA spricht:Ebrietas unius horae longi temporis taedio insaniam pensat. Sen.Epist. 60. Durch die Trunkenheit und unmäßigem Leben wird dieGesundheit gänzlich verdorben, derhalben die Niederländer und Hol-länder zu sagen gewohnt seynd: Daer verdrinckender meer int Wyn-glas, dan in de Zee (*). Die Menschen werden dadurch brutal,melancholisch oder tollmüthig, kurz, ihre Gemüther ändern sich gänz-lich, in der Trunkenheit ist man dem Streit, Unruhe, Fluchen, Schwö-ren, allerhand Gefahren und Excesse unterworfen. Ueberdem woBachus regieret, da ist Venus nicht weit davon, nemlich allerhandLaster. Ja durch die Trunkenheit entdecket man meistentheils die ver-borgensten Geheimnissen; man offenbaret die geheimeste Rathschlüsseund innerste Gedanken; also auch der weise SALOMON erinnert:Nullum secretum est, ubi regnat ebrietas. Proverb. 31. Der-halben wann man eines Menschen sein Gemüth, Neigungen, Ge-danken, Begierden und andere Eigenschaften erkünden will und solchesauf andere Manieren nicht gelingen kan, so ist keine bessere Intriquezu gebrauchen, als zu gewarten, bis derselbe mit Trunk übernom-men, alsdann wird er schon seine eigene Affecten, Paßionen auch sei-ne und andere Geheimnissen selbsten verrathen und an Tag bringen(§. 1.), dann der Trunk ist jedes Menschens Feind und Verräther.Also aus obangerührten erheblichen Ursachen, und andere Uebel dieder Trunk nach sich ziehet, soll man all unmäßiges Trinken durchausmeiden. Kurz zu sagen, so haben wir täglich gnugsame Beyspiele anvielem von allem diesem und folglich ohne dem eine allzu klare Sachnicht vonnöthen ist mit Exempeln zu bekräftigen; und von welcher bö-sen Sucht und Laster der Trunkenheit ein mehreres in meiner Moraloder Sittenlehre abhandelen werde. Wofern man aber irgendswoin einer Compagnie eine Debauche zu machen genöthiget wird; so[*) Oder wie die Lateiner sagen: Plures pereunt gulâ, quam gladio. Daßwohl zu Zeiten mehrere durch Prassen, Fressen und Sauffen unterge-ben, als durchs Schwerd.
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten