oder politische Maximen.35Was ist eben lächerlicher, thörigter und einfältiger, als sich gleich inetwas veraffen, verlieben und vernarren, ohne wohl voraus bedachtzu haben, was und wen man liebe; ob solcher geschwind gemachterFreund die Aufmerksamkeit und Beständigkeit verdienet. Hiernächstso soll man nicht sogleich und geschwinde die Conversation, Compagnieoder Freundschaft unterbrechen. Viele aber findet man von solcherEigenschaft und Zuneigung, daß sie in einem Augenblick die größtenund offenherzigsten Freundschaften mit anderen contractiren, gleichaber wieder brechen und wodurch man ihre albere Offenherzigkeit,Schwachheit und Unbeständigkeit entdecket. Solche albere Art Men-schen verursachen ihnen selbsten Unruhe und Unzufriedenheit, andernaber Eckel, Abscheu und Feindschaft. Viele seynd so empfindlichund zärtlich, daß sie bey dem geringsten Fehltritt die Freundschaftbrechen. Darum diejenige, welche solche delicate Personen conversi-ren sollen, müssen so behutsam leben um mit dergleichen einbilderischenNarren und Phantasten richtig umgehen zu können, Man darf sichnicht bewegen vor ihnen, ohne in Gefahr zu seyn, daß die geringsteBewegung sie beunruhige; im Reden muß man die größte Behutsam-keit brauchen, damit man nicht anstosse, kurz man muß bey ihme denhöchsten Punct in der Complimentirschul bestiegen haben. Seyndaber nicht solche Menschen rechte Sclaven ihres eigenen Willens undAnbeter ihres närrischen point d'honneur? für welchem sie wohl dieganze Welt umwerfen thäten. O! was Thorheit! Es ist rathsamsich von jedem respectiren und estimiren zu lassen; aber es ist lächerlichsich vor einem grossen Complimentirmeister und affectirten Menschen-paßiren zu thun.§. 28.Ein Politicus soll sich hüten vor die Conversation allerHeuchler, Hypocriten oder Scheinheiligen (§. 14.), dann die-se Leut können sich in allen betrügerischen Welttücken schicken und die-nen vor Pfeffer und Salz zu aller Fuchsschwänzerischen Brühe (§. 11.),man kennet sie oftermalen leicht daher, wann alle ihre Reden ad piasE 2causas
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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