Kluge und nützliche Staatskunst,32aller seiner Feinden durch recommandabele Actionen zu manuteniren.Ja er suche allzeit mit klugen Pratiquen, Staatslisten und Kunst-griffen denen Verfolgungen und Anklagungen vorzukommen. Des-wegen richte ein Politicus seine Sitten, Manieren und Neigungenalso ein, daß sie mit den Inclinationen, Sitten und Gewohnheitendes Magnaten oder der Republic übereinstimmen und immer in einerbeständigen Harmonie seynd (§. 12.). Damit er ihnen und dem ge-meinen Wesen in allem gefalle und angenehm seye (§. 9.). Hiehergehöret die Rubrique des vortreflichen Staatsmann und Geschicht-schreibers CORNELII TACITI (der sich unter allen Staatsverstän-digen viel um die Staatswissenschaft verdient gemacht) da er sagt:Ut omnia laudare mos sit. Tacit. in Annal. Al-so schicke man sich nach allen ihren Reden, Gebärden, Verrichtun-gen (§. 12.) und Willen.26.Hiernächst ist einem Politico unumgänglich vonnöthensein Geld wohl anzulegen; dieweil hierin schier grössere Kunstbestehet, dasselbe wohl zu appliciren, als zu acquiriren. Durchgute Wirthschaft und ordentliche Haußhaltung, nach Aussag des ge-meinen Sprichworts, werden die Küsten erfullet und die Kammernvoll. Eben darum, damit man sich in Zeit der Noth gegen seineVerfolger, Widersacher und Feinden, (wie dieses durch alle Rech-ten und Gesätzen erlaubet ist) verthädigen und bewahren könne. Willein Politicus sein Geld ausleihen; so beobachte er folgende Artickelen:Erstens: daß er es in Sicherheit lehne (nemlich daß er denjenigenrecht wohl kenne, dem er es vorstrecket) oder mit einer guten Versiche-rung (nemlich daß, wann man sich desselben mißtrauet, ein Brief-lein oder schriftliche Obligation oder besser ein Unterpfand begehre).Zweytens: mit Interesse und Profit, wann man nemlich solchenLeuten Geld lehnet, denen man keine Obligation weiß, oder von de-nen man nach gethanen Gefallen Undankbarkeit zu haben argwohnet,und
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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