Druckschrift 
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27oder politische Maximen.che allda die besten Pratiquen seynd deine nothwendige Erhaltung undgebührendes Interesse zu suchen, dann verschiedene Oerter haben ver-schiedene Naturen, Avantagen oder Vortheile, folglich auch eine an-dere Art und Gelegenheit seine Nährung und standsmäßige Noth-wendigkeiten zu acquiriren. Aus allem muß du die beste Weise undleichteste Wege aussuchen (wann es deiner Autorität, deinem Respect,der Ehrbarkeit, dem Wohlstande, oder der christlichen Tugendlehrenicht gerade zuwider ist): Frustra enim sapit, qui sibi non sapit;& proximus quisque sibi est. Erfahrest du ja nicht täglich, daßein jeder auf seinem eigenen Privatnutzen siehet? ja wann es auf dasmein und dein ankomt, so hat alle brüderliche Lieb und Treu einEnde, wie man alle Tage bey jetzigem Weltlauf genugsame tadelhafteExempeln hat. Es seye aber hiervorderst unser Leser erinnert und ver-mahnet, daß wir allhier in §pho 17. 19. 21. und allen andern einesittliche und gebürliche Acquisition des Interesse verstehen. Mansoll sich nicht mit unersättlichen Geldhunger quälen (§. 17.). Mansoll nicht mit Unterdrückung und Beschwerung der Armen; mit un-ehrlichen Stücken, mit unerlaubten gewissenlosen Intriquen und mitallzusehr intereßirten Maximen sein Vermogen sammlen (§. 19.). Ichweiß darum nicht, warum einige Sittenlehrer die Reichthumen auseinem recht moralischen Eyffer verwerfen, da dieselbe doch ein Ge-schoͤpf GOttes seynd, wie alle andere naturliche Ding in der Welt.(Das lächerlichste ist allein hier zu merken, das alle reich und wohl-habend seyn wollen, keiner aber arm, noch so gar den Namen nichthaben will, und solchen vor eine Schande hält, ich weiß darum nichtob ich oben (§. 17.) die Ursach dieses getroffen. Nur allein, mansoll sein Herz noch Gemüth durchaus nicht daran hängen (§. cit.) nochsich darauf verlassen, sonsten geräth man in dem grosten Joch einersclavischen Einfalt, und alle Freyheit ist alsdann hin. Ich will da-hero allzeit der Meynung des vortreflichen Kirchenlehrers AmbrosiiBeyfall geben, daß das Geld und Gut nichts ungebürliches nochscheldwürdiges an sich haben (§. 17); sondern die Schuld bey dem,der solches nicht recht weiß zu gebrauchen (§. cit.); dann gleichwieReich-D 2