28Kluge und nützliche Staatskunst,Reichthum öfters einem Gottlosen in allerhand Irrthum, Wirrung,Laster, Excessen und Ausgelassenheit verwickeln und in seinem Lebens-wandel jemehr zur Untugend ziehen. Also seynd sie einem frommenund sittlichen Menschen eine reiche Beyhülf und Trieb zur Tugendund Gelegenheit viele gute Werk damit zu verrichten (§. 19.). Ichsage darum mit Fleiß, daß nichts tadelhafitger, nichts sträflicher, undnichts schamhaftiger ist bey den sittlichen Gemüthern, als das uner-sättliche Proprium Interesse (*) oder Eigennutz, ja eine großeSchwachheit und Eitelkeit, was ist verächtlicher und schimpflicher beyder ehrbaren Welt, als ein beständig intereßirter Mensch, als einGeitzhals, als ein Geldhans, als ein Geldbegieriger Wucherer, undals dergleichen Geldsüchtige Menschen. Aber es ist ein grosser Unter-scheid zwischen einem Intereßirten, und einem der sein Interesse in derWelt sucht, wo es ihm zukomt, von rechtswegen, wo es sich gebüh-ret und wann es zuläßig ist nacher aller Sittenlehr und christlichenGesätzen. In Summa, ein sittlcher, generoser und großmuthigerStaatsmann wird allezeit wissen, wann, wie, wo und womit er seinInteresse, Gewinn, Nutzen und Vortheil suche (§. 1. 19.) damiter nicht gegen seinem Ansehen, Ehr, Ruhm, Respect, als auch ge-gen der Ehrbarkeit und Wohlstand (vorderst gegen seinem eigenenGewissen) begehre, verrichte noch vornehme (**). So gar einPoliticus[*) Der unersättliche Geldhunger und Begierde nach grossen Reichthumenist ein grosses Laster in sensu morali. Daher solches auch in einer mo-ralischen Schrift als ein allgemeines Laster der Welt wird bestraffet wer-den. Es hat aber das Wort Interesse vielerley Signification, oder Aus-druck, und daher solches in allerhand Verstand genommen wird. Beyden Rechtsgelehrten wird es anders gebraucht, als bey den Staatsver-ständigen und so weiter in vielerley Welthändelen.Wo nun hier ermahnet wird, daß ein Politicus sein Interesse suchensolle, so geschiehet solches aus den angeführten Ursachen, nicht aberdadurch eine sträfliche Geldbegierd, eine eitele Gewinnsucht und tadel-haften Eigennutz in einem sittlichen Gemüth zu erwecken; davon beken-
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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