oder politische Maximen.21allen höflichen Reden und lieblichen Geberden begegne; ja, ih-nen allezeit und aller Orten ein freundschaftliches Gesicht zeige (§. 9.),besonders aber wann sie dir schaden können. Hieraus erfolget dir eindreyfacher Vortheil: Erstlich, daß deine Femde ihre zu dir gestellteböse Neigungen, Haß, Groll und Rachgierigkeit in Vergeß stellen.Zweytens, daß sie denen Streitstiftern und Angebern keinen Glau-ben zustellen. Endlich, daß man dich vor einem recht christlichenMenschen ansehen wird, der seine Feinde lieben und verzeihen könne.Also durch diesen dreyfachen Namen wirst du von allem Argwohn undMißtrauen befreyet, und haben andere weit grösseres Vertrauenauf dich.§. 19.Eben sogleich man zu einem neuen Officio, Bedienung, oder Ge-schäft ernennet worden, so eilfertig muß man seyn alle zu grüssen,nemlich bey allen Personen (die bey dem Magnaten, oder bey derRepublic und Magistrat in Condition stehen) schuldigen Dank abzu-statten, dann solches erfordert der Wohlstand, die Ehrbarkeit, dieErkäntniß, Dankbarkeit und politische Subalternation. Ja, so vielals nothwendig solst du einen jeden, (nach Standsgebühr und Au-torität, sonderlich aber diejenigen, welche zu deiner Promotion be-hülflich gewesen, und die dich bey dem Volk recommandiren können)erkennen; allen deinen Dienst und Hülfe anerbieten (§. 14.). Eingleiches mit deinen Freunden als auch Feinden, welchen du deineDienste mit aller Höflichkeit und Wohlgewogenheit anerbieten sol-lest (§. 14. 18.). Du kanst allen, auch denen du nicht verbundenbist, Hülf und Dienst leisten, wofern es deinem Interesse und Ver-mögen nicht allzuviel nachtheilig ist, oder deinem Ansehen und Ruhmhernach in etwa vielleicht schädlich seyn kan, (Es mußte dann seyn,daß die Liebe des Nächsten, oder die christliche Sittenlehre, oder diegemeine Pflichten menschlicher Gemeinschaft andern zu helfen, dasGegentheil in besondern Vorfällen erforderen thäten, und alsdanndieſeC 3
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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