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Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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oder politische Maximen.§. 10.Nichts ist einem politischen Weltmann schädlicher und kan ihmekeinen größeren Schaden zugefüget werden, als da er ein offenherzigesGemüth besitzet und die Rathschlusse entdecket. Darum der Herr vonMARSELAER billig sagt: rerum ingentium anima silentium est.Marsel. lib. de legat. und gar schön spricht der Königlich=französischeGeschichtschreiber hier pierre de MATTHIEU: taciturnitas opti-mum & tutissimum rerum administrandarum vinculum est.Niemand wird wichtige und hohe Sachen unterhalten können, wannihme das Schweigen schwer fallet, daher wann man die Geheimnis-sen anderer nicht verschweigen will oder kan; so seye man doch beflissen,seine eigene geheime Sachen von wegen eigenem Nutzen verborgen zuhalten. Nemlich du muß dich der Verschwiegenheit also bedie-nen, damit sie dir nutze, zum wenigsten nicht schade. Und wer sei-ne Geschäften andern entdecket, macht sich zu ihrem Leibeigenen wiesolches Herr GUAzzus wohl ausdrückt: Servum se facit alterius,qui secreta sua ignoto pandit. Guaz. lib. de civil. conversat. Esist dahero lächerlich, daß einer begehrt, daß andere seine Geheimnissesollen verborgen halten, wann er selber nicht so verschwiegen gewesen,andern dieselbe zu offenbaren. Endlich ist unwiedersprechlich wahr,daß die albere Offenherzigkeit eine große Thorheit bey jedem ist; wiediesen Fehler gar schön der gelehrte Sittenrichter Herr NAUMANNin seinen sittlichen Schilderungen nach dem Leben rc. vorstellet.Bey anderen, insonderheit ganz Fremden, soll man sich nicht öfters nachverschiedenen Sachen, (vornemlich da es ihr Interesse antreffen kön-te) befragen, wann besonders dieselbe dir keinen Vortheil bringenkönnen, oder dir nicht angehen. Deswegen ist hier ein vorsichtigesMißtrauen und kluges Urtheil vonnöthen, durch welchem wir wohlerwägen können, von wem und was wir ohne Gefahr glauben sol-len (§. 9.).§. 11.