oder politische Maximen.Sitten, Manieren und Lebensarten ihme zu jetzigen Zeiten und Welt-gängen gebühren (§. 1).§. 8.Man wisse seine Reden also zu dirigiren (§. 2.) damit nichts un-nützes, vielweniger etwas unbedachtsames (welches auf einer plaude-rischen Zunge vorkomt) gesprochen, weder auch kein unnütziges, fre-fentliches, freches, unverschamtes, garstiges, schimpfliches oder stich-lendes Wort soll aus dem Munde gehen, wodurch man anderen gewißnicht gefallen wird, noch ihnen selbsten einen Nutzen seyn wird. DieReden und Thaten anderer soll man allzeit verschweigen, wo-fern man nicht demjenigen schaden oder nützen kan, welchemman verbunden ist. Viele haben alle ihre Kunst, Witz, Verstandund Tugend in der Zungen, bey welchen es nach dem gemein=bekantenSpruch heißet: loquentiae multùm, sapientiae parùm. Ver-ständige aber müssen sich nach dem Ort und der Zeit schicken(§. 1.). Des Harpocratis ganze Weltweisheit bestunde in der Lehrund Ermahnung, wie die Zung im Zaum zu halten seye. Derhal-ben hat man ihn mit einem Finger an dem Mund gemahlet; zum Zei-chen, daß er die Verschwiegenheit anbefohlen. Was ist nicht derhal-ben dem Fabio Maximo und Granio Marcello begegnet, wovonCORNELIUS TACITUS lib. I. annal. pag. 20. 21. zu lesen. Wasverstehet man eben hier durch die Verschwiegenheit, als eine weiseMäßigung im Gespräch? nemlich, daß man nichts ärgerliches, nichtsunwahres, nichts vermessenes, verlogenes, verläumderisches und ehr-abschneiderisches rede; daß man nicht trotzig, halsstarrig, verstelltund affectirt im Reden seye, noch etwas Böses, daß ihm selbsten oderanderen schaden kan, spreche, und daß, mit einem Wort, je weni-ger man rede, je weniger man fehlen kan. Und um darzuthun,daß die Verschwiegenheit einem jeden wohl anstehet, habe ich nichtvonnöthen viele Beweisgründe anzuführen, da die tägliche Erfahrungmeinen Satz in vielerley Vorfällen der Conversation bestättiget. Wieergehet
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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