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AACHEN.
Neubaue des vorigen Jahrhunderts noch vorhandene Ungarische Capelle der Marienkirche, ver-sah sie mit zwei Rectoren, Renten, Kleinodien und allen erforderlichen Kirchengerälhen. 235Aus dieser Ausstattung rühren denn auch die drei abgebildeten Gelasse her. Sie mögen alsCiborien oder als Reliquiengefässe gedient haben. Alle drei sind von Silber und vergoldet;indess besteht der eigentliche Gefässraum aus weissem Rrystall, sogar bei 6 und 8 auch derDeckel. Das eine Gefäss (7) ist noch durch sein Patriarchalkreuz, ein ungarisches Wappen-zeichen, auf der Spitze interessant. Zwei dieser Gefässe (6 und 7) tragen auf dem ä jourdurchbrochenen Fusse das Wappen des Stifters, dessen eine Hälfte als Abkömmling der fran-zösischen Dynastie goldene Lilien im blauen Felde, die andere rothe und weisse Streifen,die polnischen Farben, hat. Das zweite dort vorkommende Wappen, der silberne Adler inrothem Felde, ist ebenfalls das polnische Wappen, wobei zu bemerken ist, dass Ludwig derGrosse ja auch in Polen succedirte, mithin dieses Wappen führte. Das dritte Wappen, einHelm mit einem Straussenkopfe, der ein Hufeisen im Schnabel hält, gehört Ungarn. DerFuss bei 6 ist im Vierblatt angelegt und enthält zweimal das erste und dritte Wappen, dersechsblättige Fuss bei 7 zeigt in drei Feldern die drei Wappen, in den andern drei ein Blatt-ornament. Bei 8 sollen diese Wappen vorhanden gewesen sein, sind aber jetzt, wie die inunserer Zeichnung auf dem im Achtblatle construirten Fusse liegenden Kugeln, verschwunden.Das Gefäss 6 misst 16" in der Höhe, die beiden andern 13".
9.Kleine silbervergoldete Monstranz zur Aufnahme eines Agnus dei 23fi , wie sie im Mittel-alter als Friedensgaben von Rom aus häufiger versandt wurden. Das Original wird von Wachssein und trägt Wahrscheinlich dieselben Darstellungen wie die beiden Seiten des ciselirtenvergoldeten Medaillons, welches ersteres in der Mitte unserer kleinen Monstranz dann um-schliesst. Da indessen auch metallene Agnus dei von Rom versandt wurden, ist unser Me-daillon vielleicht auch das Original selbst. Auf der Vorderseite erblicken wir das Lammmit der Siegesfahne und der Umschrift: -j- agne. dei. miserere. mei. qui. crimina. tollis. DieRückseite schmückt, zwischen zwei anbetenden Engeln, der dem Grabe entsteigende Heilandmit der Umschrift: Domine ihv. xpc. (Jesu Christe) rex glorie, da nobis pacem et lelitiamsempiternam. In den einzelnen Blättern des im Achtblatt angelegten Fusses befinden sichaufgelegte Dreibogen, die in ihren Berührungspunkten in ein gothisebes Blatt ausschweifen.Die Höhe beträgt lö'/a". Der Durchmesser des Medaillons ist 5".
235. Quix, Beschreibung der Milnsterkirche zu Aachen. 1825. p. 36. Wir haben diese drei Gefässe
wie dasjenige bei 9 aus Marlin entnommen. Von Ludwig von Ungarn herrührend befinden sichausserdem noch zwei mit den Wappen versehene silberne Leuchler, mehrere Pecloralien unddrei gemalte Heiligenbilder im Schatze zu Aachen. Gemalt sind fast nur Gesichter undHände, das Uebrige besteht aus Silber, Gold und Emaille. So ist der Grund blaue mit gol-denen Lilien bestreute Emaille. Die Rahmen zeigen die erwähnten Wappen und reichen son-stigen Schmuck. Vergl. Quix, Beschr. p. 121.
236. Baronius ed. Plv/\, ad an. 58, Nr. 76 bei Martene, p. 113.
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