Druckschrift 
2 = Abth. 1, Bildnerei (1860)
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

AACHEN.

127

Grabe bedeckt gewesen, Haare Johannes des Täufers und eine Rippe des Stephanus enthaltensoll. 2:U Auf dem rieich mit Edelsteinen und durchbrochenen Rosetten geschmückten Fusseerbeben sich drei offene golhische Tbürme, unter welchen die Statuetten der drei heiligenPersonen, deren Reliquien der Rebälter enthält, ihren Platz einnehmen. In der Mitte dersegnende Erlöser, links Johannes der Täufer, rechts der kniende Erzmärtyrer Stephanus. DerSockel des mittleren Thurmes, auf welchem der Erlöser steht, ist mit emaillirten Darstellungengeschmückt, ebenso die Felder der Thurmpfeiler. Oben in den drei Thürmen befinden sichGlascylinder zur Aufnahme von Reliquien, ihre Spitzen werden durch drei kostbare Saphiregekrönt. Der reine Stil dieses Kunstwerkes widerspricht seiner angeblichen Schenkung durchPhilipp II. und es dürfte mindestens ein halbes Jahrhundert früher entstanden sein.

3.

Gothisches silbervergoldetes Reliquiar, in dessen Rehäller aus Rergkrystall der Gürtel

der allerseligsten Jungfrau Maria aufbewahrt wird. Auf dem im Sechsblatt angelegten Fusse

befinden sich auf schwarzem Emaillegrund in gravirten, ehemals vergoldeten silbernen Figuren

Paulus, Petrus, die Kreuzigung und drei heilige Frauen. Der Fuss wird von Löwen und

Engeln getragen und ist ä jour durchbrochen. Dort wo der Krystallcylinder beginnt, befindet

sich, wie auf jener denselben bekrönenden Kuppel, ein Kranz geschnittener Steine. Die Höhe

beträgt 23 V*".

4.

Gothisches silbervergoldetes Reliquiengefäss, in dessen Krystallcylinder sich ein Theil

des Strickes befindet, mit welchem der Heiland bei seinem Leiden gebunden wurde. Die

Höhe beträgt 1' 9'/V'- Der Fuss ist zu unterst ä jour durchbrochen und im Achtblatt

angelegt, im letzteren mit mehreren, wenn auch geringen geschnittenen Steinen belegt.

Kränze von Perlen und Edelsteinen laufen um den Fuss und die Redachung des Krystall-

cylinders.

5.

Zierlich gearbeitetes gothisches Ciborium, welches jetzt zur Aufbewahrung des TafelXXXVII. 2 besprochenen Carlskreuzes dient. Es ist im Sechseck angelegt, von Silber undvergoldet und hat 1'7" Höhe. Auf den sechs Flächen des Rehälters befinden sich aufdunklerem Emaillegrund silberne Figuren, und zwar in jedem Felde, durch gravirtes Stab-werk gelrennt, zwei. Der zu unterst ä jour durchbrochene Fuss zeigt oben getriebeneRuckein und ist roher gearbeitet, als das schöne Gefäss.

6. 7. 8.Die Wallfahrten zu den Heiligthümern unserer lieben Frau zu Aachen geschahen be-reits im 14ten Jahrhundert aus vielen Theilen Europa's. Die jedesmalige aus Ungarn kom-mende Procession war die glänzendste von allen; sie soll schon an 5000 Köpfe gezählt haben.Der mächtige König von Ungarn, Ludwig der Grosse, stiftete desshalb die in einem späteren

234. Schervier, p. 44.