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CALCAR.
Schliesslich müssen wir noch den Irrthum berichtigen, wonach Otte^ und Anderezwei Brüder Giese als die Verferüger des Calcarer Hochallars angehen. Diese Angabe istganz unbegründet und scheint dadurch entstanden zu sein, dass einer der von uns nichtmitgelheilteu Altäre von den Gebrüdern Giese, die wir auch als Calcarer Kolonisten in Dan-zig nannten, gestiftet wurde. Die Gebrüder Giese existiren somit als Künstler gar nicht,und der genannte Heinrich Holzapfel aus Cöln hat vorläufig keine weiteren Beziehungen zuCalcar. Nur Heinrich van Holt ist um 1514 ein nachgewiesener Künstler aus Calcar; alleinseine beglaubigten Werke sind wie die des Arnold Wicht um 1551 lediglich Sleinseulplurenund gewähren keinen näheren Zusammenhang zur Holzschnitzschule, zudem arbeitet derletztere schon im Renaissance-Charahler. 9
Tafel XI. und XII..
Hochaltar der Kirche zu Calcar aus geschnitztem Eichenholz in sechsfacher Verklei-nerung. Die Figuren sind fast rund, ungefähr 1' hoch und ohne Polychromie.
Die Darstellung beginnt, vom Beschauer aus, links oben: Christus am Oelberg, umihn die drei schlafenden Jünger. Während dess dringt Judas mit den Schergen oben linksdurch das Gehege von Gethsemane, und begegnet ebendaselbst rechts dem Heiland mit ver-rätherischem Kusse. In Entrüstung haut Petrus dem Malchus ein Ohr ab.
An diesen Vorgang schliesst sich der weitere gleich darunter an. Aus einer felsigenSchlucht tritt der Zug der Kreuztragung, geht bis über die Mitte des ganzen Bildes undwendet sich dann links nach oben. Zur Linken lässt er die ohnmächtige Mutter Christi,die h. Veronika mit dem Schweissluch, raufende Kinder, von denen eins im Begriff ist,einen Stein nach dem Dulder zu werfen. Oben die Kreuzigung. Einer der Kriegsknechte,neben der Gruppe der ohnmächtigen Maria, streckt dem Gekreuzigten die Zunge heraus.Dicht daneben rechts Streit und Bauferei wegen des Gewandes Christi. Dann rechts obendie Kreuzabnahme und darunter die Grablegung. Endlich enthält die Berandung unter Bal-dachinen zu unterst die Portrait* der Künstler und zwölf Darstellungen von der Auferstehungan bis zur Himmelfahrt. In historischer Folge, von oben links an: 1) Christus sprengt diePforten der Hölle; 2) Auferstehung; 3) Christus erscheint der Maria; 4) die Frauen suchenden Auferstandenen im leeren Grabe; 5) Christus erscheint der Magdalena, 6) offenbartsich einigen Personen auf dem Felde unter veränderter Gestalt (Marc. 16, 13), dann weiterrechts von unten an, 7) erscheint dem Petrus, 8) offenbart sich zu Emaus, 9) tritt unterdie versammelten Jünger zu Jerusalem, 10) begegnet dem Unglauben des Thomas, 11) weiltzum zweiten Male unter den Jüngern und fährt 12) zum Himmel.
Wir haben bereits ausgesprochen, dass sich die Holzschnitzerschule von Calcar voll-ständig an die Eicks anlehnt und von deren Einwirkung ihren bestimmenden Charakter cr-
8) Otte: Handbuch der Archäologie 3le Aullage, S. 230.
9) Siehe Text zu Tafel XVIII.