CALCAR.
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nungsbücher der Reinholdsbrüderschaft berichten unter dem Jahr 1515: hebbe ik gefenBernl Tüllen dal he vor de tafel utgefen lieft 100 Mk; und Melmann sagt in seiner Chro-nik: 1516 wurde aufgesetzt die Tafel in die S. Reinholdskapelle um die Zeit Michaelis.Aussen auf den Flügeln erscheint Reinhold und Johannes der Täufer; zum ersten Mal auf-geschlagen, zeigt der Schrein 8 gemalte Darstellungen aus dem Lehen Christi mit dem un-bekannten Monogramm X h. Bei nochmaligem Oeffncn erscheinen in vergoldetem Schnitz-werk 10 Darstellungen aus dem Lehen der Maria und vier stehende Sibyllen. Das ganzebekundet die Schule von Calcar. Die Köpfe der kurzen Figuren sind höchst ausdrucksvoll,die Gewänder von einfachem Fallenwurf. 7
Diese Familien unterhielten fortwährend Verbindungen mit ihrer Heimath, bezogenKunstwerke daher und zogen Künstler dahin. Dem Holzschnitzer Heinrich Holzapfel ausCöln übertrug die Reinholds-Brüderscbaft 1531 die Anfertigung des Schnitzwerkes der neuenBank. War er vielleicht ein Schüler der Werkstatt, aus welcher 50 Jahre früher die Chor-slühle von Emmerich und Cleve hervorgingen? In der Einleitung haben wir bereits an-gegeben, dass die Blüthe der niederrheinischen Kunst im 15ten und 16len Jahrhundert, zu-sammenhängend mit dem burgundischen Einfluss, wesentlich sich an die Eicksche Schuleanlehnte und in Folge dessen malerische Principien in die Sculptur eingeführt wurden,welche, ihrem Wesen zuwider, den stilstrengen Idealismus in nalurtreuen Materialismus um-wandelte, einen Materialismus, der freilich an geistvoller Auffassung der Natur und glän-zender Technik kaum seines Gleichen hat! Im Jahre 1474 muss diese Schule schon vongrosser Bedeutung gewesen sein; denn von diesem Jahre sind die Chorstühle zu Cleve.1486 entstanden die zu Emmerich, und ihnen folgen dann die Werke der Kirche zu Calcar.Die Malerschule von Calcar, deren wir ebenfalls in der Einleitung gedachten, und die gleich-falls auf dem Einflüsse der Eicks beruhte, ging Hand in Hand mit den Holzschnitzern, wiedieses sowohl aus dem Hochaltar zu Calcar, als auch aus demjenigen der Reinholdscapellein Danzig hervorgeht. Ist es uns durch das Bisherige gelungen, nachzuweisen, dass dieMeister der Holzschnitzerschule von Calcar, die vielleicht mit der Pracht und dem Reich-thum der burgundischen Prinzessinnen an Cleve's Hof kamen, vielleicht zu der Zeit, alsPapst Eugen dem Herzog Adolf einen eigenen Bischof für seine Lande zu ernennen er-laubte, zur Ausschmückung der Hauptkirche des neuen Bischofssitzes zu Calcar aus demkunstgeübten Burgund berufen wurden, sich in den Kirchen Danzigs verlieren; so dürftendie uns erhaltenen Portraits der beiden bedeutendsten dieser Künstler, welche sich würdigan die auf denselben Bedingungen und demselben flandrischen Einfluss beruhenden Meisternzu Ulm und Nürnberg ansehliessen und ihnen an Portraillreue der Natur, an glänzenderTechnik und an geistvoller Composilion und Auflassung des Einzelnen vollständig gewachsensind, zur weiteren Forschung auffordern, um durch die Vergleichung mit den vielfachenPortraits jener Zeit überhaupt ihnen die verlorenen Namen und Lebensnachrichten zu retten.
7. Passavant im deutschen Kunstblatt 1847. Nr. 32.