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II. KUNSTHISTORISCHE ÜBERSICHT.
Xanten (Taf. XVIII, 5.); dann auf die Malerei. Die früheren Wandmalereien, z. B. in derKrypta zu Emmerich, in den Kirchen zu Gleve, Calcar, Wesel und Mors, sind entwedernoch gar nicht aufgedeckt oder wieder übertüncht. Die ältesten Tafelbilder in den Kirchenzu Hau und Schermbcck, noch auf Goldgrund, sind fast zerstört, und von den MiniaturmalernRudger von Berka, Wilhelm deReno, Heinrich von Aldenkerk, finden wir keine Spuren. 10 "*Aber Jan van Calcar und die Meister der früheren Bilder in der Kirche daselbst sind ganzim Schulcharakler der Eicks gross geworden. Jan van Calcar ist freilich eine von der histo-rischen Forschung angefochtene Persönlichkeit. Schon Sandrart hebt in der ersten Ausgabeseines Werkes mit einer Klage darüber an, dass die Nachrichten über diesen Künsler so spärlichseien. Jedenfalls sind alle Werke, die man ihm in Deutschland zuschreibt, vor seiner Reisenach Italien entstanden,' 09 da er im 37. Jahre dorthin übersiedelte und 1546 zu Neapelstarb. Der Ruhm, dass er sich dort zuerst in die Manier des Tizian und dann in die desRafael so hineinarbeitete, dass selbst ein Kenner wie Goltzius seine Bilder für Originaledieser Meister hielt, ist ein Zeugniss jener liebevollen Nalurbeobachtung, jener Anmuth undKlarheit der Composition und Farbe, welche bereits in den Flügeln des Hochaltars zu Calcarbewundert wird. Jan van Calcar war der erste Künstler, welcher der Medicin mit anatomi-schen Zeichnungen zu Hülfe kam; denn die herühmlen Abbildungen zum Werke des grossenVesalius sind seiner Hand entsprungen. 110 War es früher der Kunstfleiss der weiblichenHand, der für den Schmuck der priesterlichen Bekleidungen sorgte, so befriedigen jetztschon Paramentenfabriken das allgemeine Bedürfniss. lil
108. Erwähnt in einer Chronik v. Camp hei Michels Gesch. dieses Klosters.
109. Becker: Zur Gesch. der Malerschüler in Westfalen uud am Niederrhein im Kunsthl. v. 1843.Jenes Bild der Gehurt Christi, eine Spanne im Gevierte, welches aus Kuhens Auction Sandrartkaufte und dann an Kaiser Ferdinand III. nach Prag kam, scheint verschollen zu sein. Sandrartbeschreibt es: Die Hirten erscheinen im Stall und werden von Josef empfangen. Das Licht strahltvom Kindlein aus, das in der Wiege liegt. Ausser den Bildern in Calcar und einer Allegorie imWeseler Bathhause schreibt Becker dem Meister von Calcar eine Mater dolorosa zu München zu.
110. Bei Fiorillo Kunstgesch. Italiens II 82. Gegen die Annahme dass auch die Porlraits des Vasari
von ihm seien: Fiorillo kl. Schriften I. 105.
111. Paramentenfabrik des Meisters Amelinck zu Essen um 1504. Krömecke: das Dominikanerkloster
zu Dortmund 1854.