TRIER.
99
10.
Gravirte Deckel von vergoldetem Kupfer des in der Stadlbibliuthek befindlichen Char-tulars von Prüm aus dem 11. Jahrh. Auf der Vorderseite erblicken wir den jugendlichenbartlosen thronenden Heiland, seitlich des Hauptes mit A u. U bezeichnet und auf demSchoosse ein Buch und Schriftband haltend mit den Worten : Ego diligentes me diligo, und: Venitebenedicti patris mei. Gemäss dem Inhalte des Chartulars erscheinen seitlich als Wohl-thäter von Prüm, durch ihre Namen bezeichnet: Pipin mit dem Modell der Prümer Kloster-kirche und Carl der Grosse mit einem Buche; unterwärts die Bestäligungsurkunden inHänden haltend die vier Nachfolger Carl d. Gr., nämlich Ludwig der Fromme, Lothar, Lud-wig der Deutsche und Carl der Kahle mit der Umschrift des 6. Verses aus dem 23. Psalm :Haec est generatio querentium dominum querentium faciem dei Jacob. Auf der Rück-seite hält in der Mitte die Hand Gottes ein Schriftband mit den Worten herab: E (per) ci-pite preparatu(m) vobis regnu(m) ab inicio seculi, seitlich stehen dann oben vier Kaiser,unten vier Könige, also benannt, mit Bestätigungsbullen und Büchern in den Händen; dieumrandende Schrift lautet: Hi sunt viri mie quor(um) iusticie oblivione(m) non acceper(un)tcü(m) semine eor(um) j) (per) manent bona haereditas sancta nepotes eorü(m). Die In-schriften enthalten den Buchstaben e in runder und viereckiger Form und deuten ebenso wieder Stil der ganzen Arbeit auf das 11. Jahrhundert.
Taf. LXII.1. la— le.
Kreuzreliquientafel in der Kirche S, Mathias. Die aus einem Kerne von Holz be-stehende Tafel ist 28" hoch, 20|" breit und hat eine Rahmendicke von 2"; sie dientzur Aufbewahrung von Reliquien, besonders eines Kreuzes aus dem angeblich echten Kreu-zesholze und ist zur Verherrlichung ihres Inhaltes prachtvoll ausgeschmückt. Durchgängigmit vergoldetem Kupferblech bekleidet, zeigt die Vorderseite (1) in der Mitte die in einerVertiefung liegende Kreuzreliquie in der Form eines Doppelkreuzes, 76 reich verziert mitPerlen und Cabochons in den Schneidepunkten der Arme und der umrandenden fili-granirten Fassung. Nimmt man von dem Kreuze die Deckleiste hürweg 77 und hebt es durchBenutzung der zu diesem Zwecke gelassenen GrifföfTnungen heraus, so erblickt man essei tlich von einem getriebenen silbervergoldeten Blattornamente gefasst, gleich dem, welchesauf der Tafel den Tiefraum der Kreuzcassette umgiebt, rückwärts mit reich entwickeltemFiligrau und einem ciselirten Rande kleiner Thierbilder in Rankenwerk (1 c) geschmückt.Gleichsam bewacht wird das Kreuz durch zwei seitlich des obern Kreuzarmes knieende,Weihrauchfässer schwingende einflüglige Engel von gegossenem vergoldetem Silber; um-geben ist es über dem untern Kreuzbalkeu von acht, unter demselben von zwölf mit
76. Der Kaumerspamiss wegen zeigt unsere Abbildung nur die obere Hälfte der Kreuztafel,der indess die untere genau entspricht. Die unverkürzte Abbildung findet sich bei Schmidt,Kirchenmöbel Taf. I. u. in m. Schrift über die Limburger Kreuztafel.
77. Die ursprüngliche an den Enden in Charnieren liegende Deckleiste ist verschwunden, unddurch eine viel spätere von gravirtem Silber, welche wir weggelassen haben, ersetzt.
13*