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TRIER
Kindermordes, zwei Kriegsknechte, welche einer Mutter ihr Kind entreissen. Von den Hohl-kehlen des Bogens sind 5 mit Figuren verziert und zwar die erste von Innen durch 10verehrende, Kronen und Rauchfässer tragende, stehende Engel; die zweite von 10 mitder rechten Hand segnenden und in der linken Hirtenslähe haltenden stehenden Bischöfen,die dritte von 10 sitzenden, durch ihre Bücher und Mützen gekennzeichneten Prophetenoder Kirchenlehrer; die vierte in der Mitte mit einem durch ein Schriftband etwas verkün-denden Engel und seitlich je 4 sitzenden Seligen, welche die Krone des Himmels tragenund auf musikalischen Instrumenten das Lob Gottes erschallen lassen; die fünfte endlichmit den klugen und thörichten Jungfrauen mit aufgerichteten und gesenkten Lampen; denerstem gab der Künstler durch Kopftuch und Mantel Würde und Ernst, den letztern durchHinweglassung dieser Bekleidung leichteres Wesen. — Hoch über dem Portal im Giebel derWestseite der Kirche erscheint die überlebensgrosse Kreuzigung: Christus todt, alt, bärtig, gekrönt,mit übereinandergeschlagenen Füssen, ohne Nägel und Kreuztitel, umstanden von Maria undJohannes. Tiefer zu beiden Seiten in symbolischem Zusammenhange erblicken wir dannin lebensgrossen einzelnen Figuren unter Baldachinen : Noah mit langem Bart und wegen seinesAlters auf einen Stab gestützt, er hält in der Rechten den Rest einer Taube u. steht vor einem mitThieren belegten Opferaltar; gegenüber Abraham, Isaak mit gebundenen Händen zum Opfer führend,und vor ihm aufwärts mit einem Spruchband der Engel; ferner 4 männliche Gestalten, dieman nach den Mützen von dreien für Propheten halten darf, und schliesslich zu oberst dieVerkündigung. — Wenngleich in der ganzen Anordnung, der Stellung und Gewandung derFiguren noch die Herrschaft des altern Stils sich bekundet, so bricht doch im Ausdruckinnern Lebens wie es die Anmulh der Verkündigung bezeugt, in der schon bezeichnetenso treffenden Charakterisirung der klugen und thörichten Jungfrauen, ein neues frischesselbstiges Dasein hervor und gibt den Sculpturen der Liebfrauenkirche am Ausgangspunktedes germanischen Stils eine grosse Bedeutung. Zeit 1240. Reste von Vergoldung undBemalung sind erkennbar.
3.
Vermauertes Portal aus dem südlichen Domschiff zum Paradies der Liebfrauenkirche. Das-selbe charakterisirt sich durch die Eckblätter der Basen als der Mitte des XII. Jahrhundertsangehörig, ist somit weit älter als die jetzige dem XIII. Jahrh. entstammende Liebfrauen-kirche und dürfte zu deren älterm Bau geführt haben. 54 Im Bogenfelde befinden sich dieStatuen des thronenden, segnenden bärtigen Heilandes, Maria's als Patronin der Liebfrauen-kirche und S. Peters als Patron des Doms. 55 Höhe 9' 1" 6'".
4. 4 a.
Zwei Thürhalter von Bronze des südwestlichen Domportals in Form von Löwenköpfen,mit beweglichen Ringen im Rachen, welche letztere indess jetzt verschwunden sind. Sie
54. vgl. p. 77 Anm. 42.
55. Architektonische Details bei Schmidt II. Lief. Taf. 6.