60
BOPPARD.
(Balz (1. b. wohl Pfalz). Die Reichsstadt vereinigte im 14. Jahrb. diese drei gesondertenGebiete mit einem gemeinsamen Mauerring. Als prächtigstes Denkmal jener Zeit begegnetuns die Pfarrkirche S. Severus, 4 neben welcher als geistliche Stiftungen das 1123 ge-gründete Benedictiner-Frauenkloster Marienberg 5 und das dem 15. Jahrhundert entstammendeCarmeliterkloster 6 zu nennen sind.
4— 4 m.Perspeclivische Ansicht und Details der Chorslühle in der Carmeliterkirche. Dieselbenbefinden sich in doppelten Sitzreihen zu beiden Seilen des Chores. Die hintern mit einerdurch aufgelegtes Masswerk verzierten Rückwand und Baldachin versehenen Reihen habenje neun, die vordem, zwischen dem 3ten und 5ten Sitz durch einen Zugang unterbrochen,nur acht Sitze. Seitlich schliessen hinten höhere, vorn niedrigere Wangen die Sitzreihenab. Es schmücken die vier hintern Seitenvvangen oben in durchbrochenen Wänden diesitzenden Evangelisten in runden vortrefflich gearbeiteten Figuren , unten auf geschlossenenWänden die Reliefgestalten des Heilandes, der Muttergottes und zweier männlicher Heiligenin Ordenstracht. Die Vorderwangen enthalten in ihren geschlossenen Wänden die Figurender h. h. Catharina, Barbara, Nicolaus, Georg, Michael und Paulus, oben als Bekrönung jezwei niederkauernde Figuren, 7 von denen drei Paare auf Thieren sitzen, Profeten mit unbe-schriebenen Schriftbändera, zankende Klosterbrüder, Nonne und Mönch und streitende Knappenin runden Figuren darstellend. Die Consolen und Lehnreiter (4 b — m) zeigen Laubwerk,menschliche Gesichter, Thiergestalten, im Brevier betende wie trinkende Mönche, Dar-stellungen, die hin und wieder satyrisch sein mögen, aber nicht jener an den niederrheinischenChorstühlen befindlichen, im Gewände der Thierfabel auftretenden bewussten Satyre gegen dieGebrechen des geistlichen Standes angehören, welche die Kirche innerhalb ihrer geweihtenStätten so lange duldete, als ihr keine principielle Opposition entgegentrat. Die Längeder Sitzreihen beträgt 21-£-(, die Höhe der Hinterwände 10', der Vorderstühle 4,]- / ohnedie Bodenerhöhung. Das 15. Jahrhundert kennzeichnen die im Gesimse der Baldachinevorkommenden Fischblasen. An den äussern Ecken dieser Baldachine befinden sich von denWappen der Stifter noch drei, nämlich die der Boos - Waldeck, der Edelherrn von Pirmontund Ehrenberg, und der Herrn v. Schönecken a. d. Hundsrücken. Auch an den Ab-schnitten, welche von den Vorderwangeu auf die unterste Trillstufe herunterreichen, hatder Künstler noch Verzierungen angebracht: ein Schaf, das an einer über beide Schulterngelegten Tragstange zwei Wassereimer trägt, einen schlafenden Mönch , Bestien, dann auchein Wappenschild mit einem Winkelmass im Felde, welches offenbar als Monogramm des Ver-fertigers dienen soll. 8
4. Beyer und Eltester, Urkundenbuch, II. p. CLXXI. Eossei, die Pfarrkirche S. Severus zuBoppard, 1861. Krüger, die Pfarrkirche zu Boppard. Berlin: Allgem. d. Verlagsanstalt.
5. Stramberg, Khein. Antiqu. 291. 337. Beyer u. Eltester, II. p. CLXXIX.
6. Xolden, Schulprogramm des Progymnasiums zu Boppard; 1854.
7. Bei zwei "Wangen fehlen dieselben.
8. Details dieser Chorstühle finden sich ergänzend bei Stätz u. Ungewitter, goth. Musterbuch,Taf. 187. 188. 3 — 5. Fergl. Kugler, kl. Sehr. II. 731 — 34. Domblatt 1847, Xr. 30