SIEGBURG.
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sich über deren Nischen in den Bogenzwickeln noch befinden. Vor blau emaillirlen, mit gol-denen Arabesken durchzogenen, schildartigen Nischen, deren Ränder die bezeichnenden Namentragen, erblickt man diese Halbfiguren (2— 2f), sorgfältigst gegossen, und in meisterhafterCharakteristik ciselirt. Von dem bis dahin herrschenden generellen romanischen Typus sich ab-lösend, bekunden sie schon einen individuelleren Naturalismus. An den vier Ecken erscheinenin gleicher Weise die vier Evangelisten mit ihren symbolischen Köpfen (2 und 2d). DasStreben, diesem Schreine den möglichst reichen Schmuck zu geben, erkennen wir in derAusfüllung selbst der kleinsten Räume, z. B. zwischen den Dreibogen und Zwickclbogen, mitEdelsteinen in Filigrannetzeu. Das darüber laufende schräge Gesims , wie schon erwähnt,mit einem in vergoldetem Silber getriebenen Ornamentbande geschmückt, trägt das Sattel-dach, dessen aufliegende Dickseiten abwechselnd von emaillirten (Taf. XLIV. 2 c — h) undmit Filigran und Edelsteinen verzierten Metallstücken bekleidet sind. Nach Gelenius' undSebastianus' kurzer Notiz, welcher alle Analogien entsprechen, waren auf den beiden Dachseitenje fünf Reliefs, das Leben Anno's, nämlich seine Gründung Siegburgs, seine Wunder, sei-nen Tod und seine Beisetzung in diesem Schreine darstellend, angebracht und zwar in derMitte der linken Seite eine Gruppe, bestehend aus Anno, dem Abte Gerhard und dem Cu-stos Henricus nebst vielen Mönchen im Hintergrunde und der Inschrift: Memor esto con-gregationis tue. Jetzt sind nur noch die mit einem punzirten Muster verzierten und ver-goldeten Rahmleisten der Bildtafeln vorhanden, welche an den Stellen ihrer Zusammenfügungmit aufgenieteten viereckigen Schildchen erscheinen , die in blauem Emaillegrunde mensch-liche Gesichter zeigen (Taf. XLV. 6). Zum vortrefflichsten Theile des ganzen Prachl-schreines gehört der durchbrochene und nach dem Gusse vollendet ciselirte, mit fünf Knäufenbekrönte Kamm, der sich auf dem Firste des Daches erhebt: Merkur und Sirenen, Affenund Drachen sind im stilvollsten Laubwerk ornamentistisch verbunden (Taf. XLV. 3 und4); darüber der mittelste und die beiden äussern Knäufe mit Emaillen geschmückt (Taf.XLIV. 2a und b), die beiden andern aus dem herrlichsten Filigran gebildet (Taf. XLV. 5).Eine Anzahl emaillirier Heiligenscheine (Taf. XLIV. 3), welche hinter den Häupternder vom Annokasten abgelösten Bischofsfiguren befestigt waren, legt neben den andern ab-gebildeten Siegburger Emaillen den Beweis dar, wie hell, klar, correct, vielfarbig und voll-endet die Siegburger vor vielen andern occidcnlalischen Emaillen erscheinen , so dass diese,wie die vortrefflichen Apostelfiguren und der schwungvolle Kamm es wol begründen, wenn wirden Annoschrein in seiner ehemaligen Ganzheil als die Krone der rheinischen grossen Reliquien-sebreine hinstellen. 15 Wann, wo und von wem ist er gemacht? diese Frage auchjetzt schon andeutend zu beantworten, können wir uns um deswillen nicht ^-versagen , weilsie für den frühesten, den Heribertschrein, den ihm um 1166 nachfolgenden Carlsschrein inAachen, die etwas später, um 1186, verfertigten Schreine der hh. Albinus und Maurinus
15. Selbst der Dreikönigenschrein, ungeachtet er der grösste und prächtigste aller ähnlichenist, kann sich in der künstlerischen Vollendung, z. B. der Apostelfiguren und des Kammes,nicht mit dem Annoschrcin messen.