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2 = Abth. 1, Bildnerei (1860)
Entstehung
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AACHEN.

Wenn wir von vorn herein die Ansicht aussprachen, dass die Krone älter sei als dieBüste Carl's des Grossen, auf welcher sie sich hefindet, so geht daraus auch zugleich hervor,dass sie früher zu einer anderen Zweckerfüllung angefertigt wurde und vorhanden seinmussle. Ihrem zunächst liegenden Zwecke nach kann sie wol nur einem der deutschenKaiser gedient haben, welche in Aachen gekrönt wurden. Ist sie auch im Durchmesser ihresKreises für ein menschliches Haupt zu weit, so lassen vier sich gegenüberliegende kleineLöcher des Stirnreifes die Befestigung einer kleinen Zeugkappe, eines Futters zu, und meh-rere an der Hinlerseite befindliche Oesen deuten auf angehänglen Schmuck. Auch die Art derFassungen der Steine auf Stäben deutet auf die Absicht des Künstlers hin, sein Werk fürdie Wirkung der Entfernung zu berechnen, wie es für einen Krönungsschmuck, der imgrossen Baum von weither gesehen werden soll, richtig ist. Machen die vielen Edelsteinedieser Krone sie nun auch zu einer kostbaren, so wird man doch nicht sagen dürfen, dassder glatte einfache Beif ohne Ornament, Schmelz und Filigran, die sorgsame und kostbareArbeit eines Zeit und Mühe daran verwendenden Goldkünstlers wäre. Hier paaren sich Kost-barkeit eines Theiles des Materiales und Einfachheit der Arbeit. Diese einfache Arbeit konnteerstaunlich schnell gemacht werden, und diese Schnelligkeit scheint uns beabsichtigt] zu seinund die Einfachheit hervorgerufen zu haben. Wir sind desshalb von. vorn herein und ohneeinem andern , diese naheliegende Idee zu nehmen, wie uns diese Publication genommenworden ist 251 , der Ansicht gewesen, dass einer jener deutschen Kaiser des dreizehnten Jahr-hunderts, welche zu ihrer in Aachen stattgefundenen Krönung über die Beichsinsignien nichtverfügten, sich diese Krone schnell anfertigen liess und nachher der Aachener Kircheschenkte. Conrad III., Otto IV., Wilhelm von Holland und Richard von Cornwallis warennicht im Besitz der Beichsinsignien zu ihrer Krönung. Das Kunstaller unserer Krone ver-langt nur die Krönungen der beiden letzten Könige zu beachten. Dass Bichard Krönungsgewand,

251. Wenn man im Märzhefte, der Mittheilungen der Wiener Centralcomission, p. 65, in dem Auf-satze des Herrn Caplan Bock über diese Krone liest: „Als uns unlängst zuvorkommend ge-stattet wurde, den reichhaltigen Krönungs- und Dom-Schatz des Münsters zu Aachen Photo-graphien zu lassen und beschreiben zu können, waren wir so glücklich zu erkennen undaufzufinden, was wir vergebens in weiter Ferne gesucht halten, nämlich die Corona argenteaals bewegliches Krondiadem ruhend auf der reich verzierten Büste Catl's des Grossen," —so mag die Entdeckung, dass diese Krone die Corona argentea sei, Herrn Caplan Bock un-verkürzt verbleihen. Wenn der Leser aber darunter verstehen sollte, Herr Caplan Bockhabe die Krone selbst in ihrer Bedeutung zuerst erkannt und damals, nämlich vor dem Er-scheinen im März, zeichnen lassen, so diene zur Berichtigung, dass wir im Herbste 1858,als wir die Domschätzc zeichnen und pholographiren Hessen, die damals angefertigte Zeich-nung dieser Krone Herrn Caplan Bock auf seinen Wunsch, selbige für sein Werk der Reichs-kleinodien zu benutzen, zur Abzeichnung zur Verfügung stellten. Herr Caplan Bock liessdarauf nach unserer Zeichnung sich eine perspectivische Ansicht, so wie man sie in denMitlheilungen findet, vom Architekten Herrn Withas in Cüln anfertigen. Wir fügen hinzu,dass wir unsere Zeichnung gern für die spätere Publication der Reichskleinodien gaben, abernicht für eine sofortige Publication in einer Zeilschrift, die unsere Priorität absichtlich ver-schweigt und vernichtet.