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2 = Abth. 1, Bildnerei (1860)
Entstehung
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AACHEN.

sonders statt hatte. Die Eigentümlichkeiten des Carlshauptes entsprechen aher ehenfalls einervom romanischen und gothischen Kunstleben zugleich berührten Epoche. Im romanischenStile durchgangig geübt wird die Kunstart des getriebenen Metallbleches, romanisch ist nochdas Verzierungssystem der FiUgrannetze mit eingestreuten Edelsteinen und Gemmen. Aberdie polygone Form des Untersatzes, das Streben nach colossaleren Dimensionen, als sie derromanische Stil beliebt, die individuelle, dem realen Leben nachstrebende Behandlung in Ge-sichtsausdruck und Haar geboren zu den Eigentümlichkeiten des gothischen Stiles. Wir sinddessbalb der Ueberzeugung, dass diese Herme spätestens in den ersten Decennien des vier-zehnten Jahrhunderts entstanden sei, sehen uns aber vergebens nach einer historischen Er-wähnung um, wann wol von Carl's Leichnam ein Theil der Hirnschale abgelöst worden sei,um ihn in diesem Behälter zu verwahren. Die Schriftsteller, welche über die Graböffnungenreden, Avissen, soweit uns bekannt, nichts davon zu sagen. Hätte aber Friedrich I. oder II.dieses Cranium Caroli magni einem besonderen Behälter anvertraut, so wäre er sicher nachMaassgabe der andern Runstschöpfungen dieser Kaiser so vortrefflich gewesen, dass nur seineVerunglückung im dreizehnten Jahrhundert eine Erneuerung veranlassen konnte. DieOeffnungder jetzigen Tumba Carl's unter Ludwig von Frankreich 1481, welcher die Silberfassung desrechten Oberarmes von Seiten dieses Königs folgte, liegt zu spät für die Anfertigung unsererBüste. Erwägen wir den heraldischen Charakter, den ausser den Beichsadlern des Gewandesauch die französischen Lilien des Fusses haben, so werden wir diese Lilien nicht blos alsSchmuck ansehen können, sondern wir werden uns dann sagen müssen, dass sie mindestenshindeuten auf Carl's gemeinsame Herrschaft der später getheilten deutschen und französischenReiche. Wenn aber diese Lilien und Adler wirklich einen specielleren heraldischen Charakter habensollen, so muss man vermulhen, dass sie hinweisen auf einen Stifter des Denkmals, dem sieein zukommendes Abzeichen waren. Wir haben bei einigen Gegenständen der vorigen Tafelgesehen, dass Ludwig der Grosse von Ungarn für die zahlreichen Wallfahrer seines Landeseine Capelle am Münster erbaute und sie mit Stiftungen und heiligen Gefässen reichlich ver-sah, die noch jetzt durch sein Wappen und die französische Lilie gekennzeichnet sind. SollteLudwig nicht mit der Verehrung für Aachen eine solche für Carl den Grossen empfundenund bethätigt haben? Das Gegentheil wäre auffallend. Indem wir diese naheliegende Mög-lichkeit erwähnen, ob Ludwig von Ungarn nicht der Stifter der Büste sei, sind wir uns wolbewusst, dass dadurch die Entstehung des Kunstwerkes tiefer ins vierzehnte Jahrhundert ge-zogen würde, und desshalb weit entfernt, dieser Hypothese unbedingten Glauben zu schenken.Auch Rudolf von Habsburg, dem als Kaiser der Adler selbstredend zukam, führte Lilien imWappen. 24<J

249. GalliM'er, Abriss der Diplomatik, p. 303 u. 329. Im Aachener Münster wurden auch kleine,von einer früheren Fussbodenbekleidung herrührende Thonplatlen gefunden, welche in ge-spaltenem Wappen Lilien und den halben Reichsadler zeigen. Wir verdanken diese Miltbei-lung Herrn Stadibaumeister Ark. Vielleicht deutet dieses Wappen auf Kaiser Rudolf, da