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2 = Abth. 1, Bildnerei (1860)
Entstehung
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AACHEN.

Vortrefflichkeit der Arbeit zu widersprechen. Wenngleich es keinem Zweifel unterliegt, dassunter den vielen Künstlern am Hofe Carl's des Grossen auch geschickte Goldarbeiter waren, undderen Kunst so plötzlich nicht verschwunden sein wird, um auch noch einige Decennienspäter Kunstwerke zu ermöglichen, wenn auch der ideenhafte Theil unseres Kunstwerkes,Edelsteine eingeordnet in ein Netz von Filigranfäden, nicht von der Bedeutung ist, um vor-geschrittenere Zeiten zu beanspruchen, so tragen wir dennoch Bedenken, an eine Entstehungunseres Kreuzes im neunten Jahrhundert zu glauben. Und zwar werden dieselben begründetdurch die Vortrefflichkeit der Arbeit. Die carolingische Zeit zeigte an den Thüren und Git-tern zu Aachen (Tafel XXXII) bei aller Pracht, bei allem Hineinleben in antike Formen einegewisse Nachlässigkeit der Arbeit. Unser Kreuz zeichnet sich nun aber aus durch eine Ge-diegenheit der Arbeit, die bis zur Aufsuchung künstlicher Schwierigkeiten reicht. Sämmt-liches Filigran ist auf das Feinste gekörnt, die vier schmalen blauen Emaillestreifen an denEnden der Kreuzarme im saubersten email cloisonne ausgeführt, und endlich, von welcherSchönheit und Kunstbeflissenheit sind die bereits erwähnten Fassungen (la u. lb)! Abernicht allein Vortrefflichkeiten einer meisterhaften Technik, sondern auch die angeführtenAelmlichkeiten unseres Kreuzes mit den Kreuzen zu Essen (Taf. XXIV u. XXV) und demEvangelienbuch zu Aachen (Taf. XXXIV. 2), denen wir noch die an letzterem und unseremKreuze gemeinsam vorkommenden Bosetten schneckenförmig aufgerollter Fäden hinzuzufügenhaben 245 , geben Veranlassung, das Lotharkreuz in deren Kunstperiode, nämlich in die otto-nische Kunstblüthe unter Otto III. zu verweisen.

Wenn die Ceremonien der deutschen Kaiserkrönung es verlangten, dass der Kaiseram Portale der Krönungskirche mit Weihrauchfass, Evangelienbuch und Kreuz empfangenwurde, so werden wir auch ein Prachtkreuz für diesen Vorgang in der Aachener Marienkirchezu suchen haben, und um so weniger Bedenken tragen, dieses Kreuz zu den Krönungs-utensilien zu zählen, als die Hinzufügung eines spätgothischen Fusses es wahrscheinlich macht,dass es ursprünglich ohne Fuss, als Processionskreuz auf hoher Stange wie die Essener Kreuze,getragen wurde. 246 Der im Sechsblatt angelegte silbervergoldete Fuss (1 c), eins der zierlichsten

soll bis zur franz. Revoluliou ein herrliches Crucifix daselbst gezeigt worden sein, welchesLothar aus seiner Krone anfertigen Hess. Ein ähnliches Kreuz mit einem Onyx in der Mittezu Cammin. Kuglcr, pommer. Kunstgesch. p. 168.

245. Am Evangelienbuch finden wir selbige in dem das ganze Buch umrandenden Bande. Am Kreuze

z. B. unter dem Kopfe und vor der Hand des Augustus und an den Enden der drei oberenKreuzarme sind sie durch die weisse Farbe erkennbar, welche sie unabsichtlich im Druckebehielten.

246. Als bei der Krönung Rudolfs I. 1273 kein Scepter bei der Hand war, ergriff Rudolf anstatt

dessen das auf dem Allare stehende Kreuz. War es vielleicht dieses Kreuz? Noppius, p. 48.Meyer, p. 292. Da übrigens die Kaiser, wenn sie bei ihrem Einzüge in Aachen vor derKirchenpforte vom Pferde abstiegen, das ihnen dargereichte Kreuz wie. das Haupt Carl's"des Grossen küssten, so ist dieses Vorganges halber unser Kreuz, falls es dazu diente, viel-leicht auch nicht auf einer Stange getragen worden, sondern immer mit einem Fusse ver-sehen gewesen. Wahrscheinlicher will es "uns freilich erscheinen, dass das Lotharkreuz stets