AACHEN.
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zahl kostbarer Edelsteine in einem Netz feingekörnter Filigrans liegen, sondern hier sindauch die Steine in derselben erhöhten Weise gefasst, so dass die Fassungen mit ihren Bogen-stellungen kleinen gekuppelten Tempeln gleichen (1 b), wovon die Fassung der grossen mitt-leren Gemme insofern eine Ausnahme macht, als hier die erhöhte Fassung aus einer Arabeskebesteht (1 a). Dieselben Fassungen kehrten dann an dem Evangelienbuch zu Aachen wie-der. Aber eine besondere Aehnlichkeit beruht noch in der eigenthümlichen Formationder Enden der Kreuzarme, die hier mit einem der Mathildenkreuze (XXIV. 1.) ganz über-einstimmen, mit Ausnahme des blauen email cloisoiine an den Bändern unter den innernDreieckspitzen. Drei geschnittene Steine sind es ausserdem, welche ein besonderes Interesseerregen, nämlich die grosse Mittelgemme mit dem Kopfe des Kaisers Augustus, eine kleineGemme mit den drei Grazien, in der Mitte die zweite unter dem Augustus, und endlichunten das Siegel des Kaisers Lothar in Bergkrystall geschnitten. Die erstere, ^ausgezeichnetdurch ihre Grösse, durch die glückliche Benutzung der verschiedenen Farbenlagen desSteines für die Unterschiede des Gewandes und des Nackten, endlich durch die ideale undvollendete Auffassung des Augustus in der Tracht eines Triumphators und die feine flacheArbeit, gehört zu den schönsten Gemmen des Alterthums. 240 Sie ist 3" hoch. Der Ame-thyst mit der Darstellung der Grazien ist bemerkeiiswerth durch seine griechische Umschrift 24 ':,,Ev%a()i(p rag Xdynag JlöycfVQig", woraus ersichtlich ist, dass Porphyris den mit dendrei Chariten geschmückten Stein dem Eucharios schenkte. Die dritte Gemme bekundetdurch ihre Umschrift: -j-XPE ADIVVA IILOTIIARIVM REG, dass sie einst dem Kaiser Lotharals Siegel diente, und zwar, als dieser noch nicht die Kaiserwürde empfangen hatte und an-statt „imperatorem" noch „regem" schrieb, was also schon vor dem Tode seines Vaters, Ludwig'sdes Frommen, gewesen sein mag, zur Zeit, als Lothar nur erst das Königreich Italien besass.Da nun eben dieses Siegel des Ausdruckes „regem" halber von dem Augenblicke ungültigwurde, wo Lotbar sich als Kaiser des Wortes „imperatorem" bediente, so ist dadurch auchdie Möglichkeit gegeben, dass er es schon vor seinem 855 im Kloster Prüm statlgefundenenTode 242 einer Kirche schenkte. Denn ein noch gültiges Siegel würde dessen Eigenlhümerzu einer Zeit nicht vor seinem Tode abgegeben haben, wo der Siegelabdruck Werth undGültigkeit der Unterschrift besass. Gab man doch die Siegel dieser Bedeutung halber ihrenEigenthümern mit ins Grab, um jeden Missbrauch zu verhüten. 243 Das Vorhandensein vonLothar's Ilandsiegel an unserem Kreuze hat nun wol lediglich die Tradition erzeugt, dasganze Kreuz sei eine Stiftung des Kaisers Lothar. 244 Dieser Tradition scheint uns aber die
240. Lersch, Divus Auguslus, im 4len Heft der Jahrb. des rhein. AUerth.-Ver., p. 177.
241. Jahrb. d. Alterth.-Vcr. in den Rheinl. IV. p. 181.
242. Regino's Chronik ad an. 855.
243. Die Beglaubigung der Urkunden dureh Aufdrücken des Siegels war schon bei den Römern Sitte.
Besonders erwähnt wird sie noch für Ludwig d. Fr. bei Thegan. c. lü. Vergl. Gatterer,Abriss der Diplomalik p. 156.
244. Lothar beschenkte das Kloster Prüm reichlich mit Beliquicn und auch mit einem herrlichen, jetzt
in der Familie von Gorres zu München befindlichen Evangelienbuche. Floss, p. 11. Auch
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