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AACHEN.
Tafel XXXVIII.l.
Silbervergoldetes gothisches Reliquiar des vierzehnten Jahrhunderts, angeblich einGeschenk Kaiser Carl's IV. Dieses 3' 10" in der Höhe, 2'4" in der untersten Längenausdeh-nung, 1' in der Breite des Fusses messende Prachtwerk der Goldschmiedekunst, dessen Kost-barkeit schon das 90 Pfund betragende Silbergewicht darlhun mag, besagt in einer goldenenauf blauem Emaillegrunde ruhenden Inschrift des Fusses: f Hec sunt reliquie que in istoferetro continentur de clavo domini de spinea Corona de ligno crucis de spongyo eiusdembrachium. Tres dentes ossa minuta plurima sti Karoli magni impei'atoris. de capillis sanctiJohannis baptiste de pulvere sancti Joliannis ewangeliste de brachio sancti nycolay dens beateCatherine. Ob nun diese Reliquien, vom Nagel des Herrn, von der Dornenkrone, vomKreuzesholze, vom Schwämme des Herrn, ein Arm, drei Zähne und. einige Reste der Ge-beine Carl's des Grossen, vom Haare Johannes des Täufers, vom Staube Johannes des Evan-gelisten, vom Arme des heiligen Nicolaus und ein Zahn der heiligen Catharina, noch indiesem Schreine sind, haben wir nicht zu entscheiden. 213 Zur Aufnahme der Reliquien isthauptsächlich jener auf vier Säulen stehende und von zwei Rischöfen und zwei Engelnscheinbar getragene, die ganze Länge einnehmende Schrein bestimmt, durch dessen dreiRosettenfenster man dieselben beschauen kann. Die Stege zwischen diesen drei Fenstern sindmit Emaille geschmückt. Auf diesem Schreine stehen nun unter drei reichen Baldachinendie Madonna mit dem Kinde, eine gothische Blume in der Rechten haltend, Carl der Grossemit einem in freier Phantasie gebildeten Modelle der Aachener Kirche, und Catharina mitSchwert, Rad und einer Reliquienbüchse. In den offenen Thürnien des Daches erblicken wirin der Mitte Johannes den Täufer, ebenfalls mit einem Reliquiar, rechts und links Engel.Den Gesichlern der Figuren hat man die Silberfarbe gelassen. Der Fuss ist mit einer ReiheEdelsteinen geschmückt, ebenso befinden sich solche in den Giebeln auf blauem Emaillegrundeund auf den Spitzen der Thürme in den Blumen.
2.Aehnliches gothisches Reliquiar von gleicher Kostbarkeit und technischer Vollendung,angeblich ein Geschenk König Philipp's H. von Spanien. Es ist ebenfalls ganz von Silber,vergoldet, und misst 2' 11" in der Höhe, 2' 472" in der Länge und 14 '/V in der Rreiteund soll ebenfalls ein Gewicht von 90 Pfund haben. Eine Inschrift trägt dieses Prachtwerknicht, indess entnehmen wir anderen Nachrichten, dass es ein Stück vom Rohrstamme, wo-mit der Heiland verspottet wurde, ein Stück vom Schweisstuche, womit sein Angesicht im
233. Floss, p. 156. Die Abbildung dieses Reliquiars im Octoberhefle der Wiener „Millbeilungen"publicirt von Herrn Franz Bock, geschah nach unserer demselben für eine unsere Prioritätnicht verringernde spätere Puhlication gewährten Zeichnung, was wir zur Wahrung unsererPriorität constatiren.