GLADBACH.
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Klostergeschichte wie für die Architektur ist es gleich wichtig, dass mit dem Mannsklosterursprünglich ein Frauenkloster verhunden war. Diese Verbindung war derart, dass man ausdem Frauenkloster direct auf den im Thurme befindlichen Nonnenchor gelangen konnte. 3Die Verlegung dieses Nonnenklosters nach Neuwerk fand im 12ten Jahrhundert statt. 4 Dieweitere Geschichte des Klosters ergiebt im 13ten Jahrhundert eine Abnahme des Vermögens,welche die Abtei veranlasst, viele ihrer Güter gegen baares Geld als Lehen zu vergeben; im14ten Jahrhundert beginnen die überall einreissenden Zucbtlosigkeiten auch in Gladbach undbegründen den Anschluss an die Bursfelder Union. 5 Streitigkeiten mit den Vögten fehlennicht, besonders seit die Herzöge von Jülich sich bestreben, die ganze Gewalt an sich zureissen. Das wichtigste Ereigniss in der späteren Geschichte der Abtei bildeten die umfang-reichen diplomatischen Unterhandlungen Philipps II. von Spanien mit den Aebten von Glad-bach zur Erlangung des in Gladbach befindlichen Hauptes des h. Laurentius für das diesemHeiligen gestiftete Escurialkloster. Papst und Kaiser drohten und vermittelten vergebens fürden königlichen Wunsch. Die Ortschaft Gladbach war bis zum 14ten Jahrhundert noch eineVilla, indem dann erst Stadterhebung und Stadtbefestigungen stattfanden.
9. 9a. 9b. 9c.Wir haben schon bei anderer Gelegenheit erwähnt, dass zur Zeit, wo in vielen Län-dern die Zahl der Kirchen noch gering war, die Missionsreisen wie die Kreuzzüge zu derNothwendigkeit führten, Gottesdienst an beliebigen Orten zu halten, und dass zu diesemZwecke die Geistlichen kleine transportable Altäre bei sich führten, deren Platte aus einemgeweihten Steine bestand, unter welchem sich ein Reliquieninhalt barg. Vom heil. Ludgerzu Werden, ebenso von den heiligen Ewalden 6 wird der Gebrauch der Reisealtäre berichtet.Und wie in der mittelalterlichen Kunst der einmal festgestellte Typus eines Kunstwerkesallerorts befolgt wird, so finden wir auch eine lange Reihe von Tragallären, die, alle in derGrundform gleich 7 , alle mit email chämpteve in ähnlicher Weise ausgeschmückt, sich als Ar-beilen einer gemeinsamen rheinischen Werkstatt kundgeben. Bezeugt in diesem rheinischenUrsprünge ist ein Reisealtar zu Hannover durch seine schon von Fiorillo 8 mitgetheilte In-schrift: Eilbertus coloniensis me fecit. Und diesem Reise- oder Trag-Altare folgen in typi-scher Gleichheit zwei Reisealtäre im Domschatze zu Bamberg, einer im Museum zu Darm-stadl, mehrere zu Siegburg, und endlich die von uns mitgetheilten zu Xanten und Gladbach.Unser Reisealtar zu Gladbach zeichnet sich durch eine vortreffliche Erhaltung aus. Wir sehenbei 9 die vordere Ansicht, bei 9a die Deckplatte, bei 9 b eine Schmalseite und bei 9 c ein
3. Die Verbindungsthür ist in ihrer Vermauerung noch ersichtlich.
4. Lac. I. 320.
5. Lac. III. 571.
G. Beda, Hist. Angl. I. V.
7. Viollet le Duc, dictum, mohilier. p. 18. Laib und Schwarz, p. 44.
8. Fiorillo, Geschichte der zeichnenden Künste in Deutschland. I. p. 401; eine Abbildung bei C. A.
Vogell, Kunstarbeiten aus Niedersachsens Vorzeit. Heft III. Blatt 16. 17. u. 18.