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GLADBACH.
Stellung von einer stets aus schwarzem Mittelpunkte hellblau in weiss übergehenden Wellen-linie umschlossen. Die Hinter- und Schmalseiten werden, wie zu sehen, von einem andernBande umschlossen, dessen vergoldetes Muster stückweise in hellgrünem und rothem Grunderuht. Der Himmelsbogen Christi, die Querstreifen hinter den Figuren und die Heiligenscheinesind grünlich. Der kupferne Kamm, auf dessen Mitte eine Bruchstelle irgend eine verzierendekleine Figur oder ein kleines Kreuz ursprünglich vermuthen lässt, hat seitlich drei Bosetten inForm eines hellblauen in weiss auslaufenden Vierblattes auf dunkelblauem Grunde; in der Mitteein goldener Punkt mit vier rothen Punkten im Umkreise. Aus dieser Farbenangabe ergiebtsich einestheils, dass nicht alle Farben durch Stege getrennt sind, sondern dieselben oft ohneTrennung in einander auslaufen, anderenlheils dass alle Figuren ohne Emaille geblieben sind.Die Figuren wie die sie umgebenden Kreise, Bogen und Säulen sind nur durch Vergoldunggeschmückt und seitwärts durch Gravirung, vorn durch eine mehr reliefartige Behandlungzum Ausdruck gebracht. Die Füsse des Schreines sind gravirt. Die fabrikmässige Rohheitder Arbeit und die langen schon etwas geschwungenen Formen zeigen das Ausleben der rhei-nischen Emaillentechnik im Beginn der gothischen Kunstepoche. Ein in der Form wie inCharakter und Zeitstellung ganz ähnlicher kleiner Schrein befindet sich im Museum Walraifzu Cöln.
GLADBACH,
Stadt am linken Rheinufer, 5 Stunden vom Flusse entfernt, welche, wie die meisten bishererwähnten Städte, ihren Ursprung an eine geistliche Stiftung lehnt. Die berühmte Bene-dictinerabtei Gladbach schreibt ihre 793 geschehene Gründung dem Grafen Baldericus zu, derauf einem schön gelegenen Hügel im Mülgaue Kirche und Kloster zu Ehren des Welterlösers,der Jungfrau Maria und besonders des heiligen Vitus stiftete, deren Weihe der damals beiCarl dem Grossen weilende Papst Leo vollzog. 1 Bis zum Jahre 954 soll die fromme Stif-tung blühend bestanden, in dem Jahre aber ihre Verwüstung durch die Baubzüge der Ungarnund Hunnen stattgefunden haben. Im lOten Jahrhundert kam dieses Gebiet durch Austauschvon der Lütticher Diöcese an die Cölner und Erzbischof Gero baute 974 die Abtei auf, alleinwie es scheint nur nothdürftig, denn sein Kirchenbau wird nur ein Oratorium genannt. Wasvon der jetzigen Kirche dem romanischen Stile noch angehört, muss desshalb einem vielleichtEnde des Uten oder Anfang des 12ten Jahrhunderts entstandenen Baue angehören. Da wirnun 1242 wieder vom Einstürze der Gebäulichkeiten hören, so werden wir den frühgothischenChor als ein kurz nach diesem Verfalle gebautes Werk zu betrachten haben. 2 Für die
1. Hisl. fund. Gladb.i d'Achery ed. 2. II. p. 656. Ledebur, Archiv I. 299. Eckertz und Noever, Die
Benedictin erabtei Gladbach. Cöln 1853.
2. Lac. II. 276. Der frühgothisehe Chor von Gladbach hehauptel in der Entstehungsgeschichte der
rheinischen Golhik eine bedeutsame Stelle.