ESSEN.
21
Pfarrkirche gebaut wird. 17 Die Vogtei über die Stadt übte nach Uebereinkommen zwischenStadt und Stift der jedesmalige Stiftsvogt, nachdem er von der Stadt bestätigt war. Nachder Ausbildung der reichsunmittelbaren Stellung war der Vogt natürlich ein Schirmvogt, unddie Stadt hatte sich gegen dessen Uebergriffe in dem Maasse gewahrt, dass derselbe nicht ein-mal in ihr Wohnimg nehmen durfte. ,s Nach vielen Streitigkeiten über diese Vogtei undihre freie Wahl kam dieselbe zuletzt erblich an Cleve und mit diesem an Preussen. ,9 DieStadt hatte dieselben Selbstständigkeitsbegierden, wie ihre Nachbarinnen am Niederrhein, undwidersetzte sich mit republicanischem Ungestüm gegen alle Herrschaftsgelüste der Aebtissin.Das allgemeine Bild des löten und löten Jahrhunderts spiegelt sich auch hier ab: Partei-zwisle und Revolution, eine Aebtissin sucht sich gegen die andere mit Raub und Brand zubehaupten, höchste Unsicherheit 20 , Stadtbrand und dennoch fortschreitende Blütbe undCultur;Gründungen von Kirchen und Klöstern, eine ' gelehrte Schule, eine Paramentenfabrik sogarbeweisen das.? 1 Wie überall war auch hier die Reformation bald herrschend, bald durchherbeigerufene spanische Truppen zeitweise unterdrückt. Ueber die 70 Jahre nach dem Baudes Aachener Oktogons diesem im Westrbor nachgebildete Stiftskirche verweisen wir auf dieAbhandlung eines Koryphäen der Bauwissenschaft und führen als Baudaten den vor 947stattgehabten Brand an, dem der zweite Bau mit dem Polygon folgte, welchen Mathilde undTheofanu mit kostbarem Geräth ausschmückten. Der dritte Bau ward durch den Brand von1265 verursacht, mit diesem, dem spätere golhisebe Anbauten folgten, ward angeblich fürein Kanonichenstift und als zweite Pfarrkirche die Kirche S. Johannis, früher S. Waldburgis,gebaut, aber 1471 schon wieder abgebrochen und neugebaut. 22 Die Gemeinsamkeit derKlosterregel bei den adeligen Damenstiften zu Quedlinburg 28 , Gandersheim, Vilich, Essen, Her-fort und Elten und die erweisbaren Beziehungen, welche dieselben unter sich erhielten, weisendarauf hin, auch in der Kunstbetrachtung von dieser Gemeinsamkeit auszugehen.
17. Funcke, p. 53.
18. Funcke, p. 54. Lac. I. 134. II. 316, 323, 514, 676, 688, 849, 770, 908. III. 63. Litzinger
über die Vogtei im Essener Gymnasialprogramm von 1843.
19. Lac. III. 81, 93, 113, 118, 121. IV. 61, 123, 124, 467. Kindlinger, Fragm. zur Gesch. der
Vogtei d. Stiftes Essen; u. Tross, Westphalia 1825.
20. Lac. III. 329, 771, 940. IV. 58, 322. Funcke p. 84, 77.
21. Dazu gehören die Erweiterung der alteren und der Neubau der zweiten Pfarrkirche, Funcke p. 53
und 90. Die Errichtung mehrerer Klöster und Gonvente p. 111 u. 88, 89; einer Leprosen-capelle, Funcke p. 89.Erster Brand, Lac. I. 97, 99. Zweiter Brand, Funcke p. 87.
22. Die älteste Pfarrkirche ist S. Gertrud. Funcke p. 90. Die zweite S. Johannes, und die dritte
zu Borbeck p. 53. Für den Umbau S. Johannis p. 90.
23. v, Quast macht darauf aufmerksam, dass sich die merkwürdigen jonischen Voluten der Kirche zu
Essen nur in Quedlinburg wiederholen. Vergl. in seiner Abhandl. Anmcrk. 18. AehnlicheKreuze, de auro et gemmis ornatae, besass Gandersheim: Erath. Cod. dipl. Quedlinburg p. 60.In Herford war, wie in Essen, ein eherner siebenarmiger Leuchter, allerdings aus dem lötenJahrhundert, ein ähnliches Kreuz und Evangehenbuch: Chronica der Stadt Herford 1748p. 20, und Hagedorn: Entwurf vom Zust. d. Relig. vor d. Reform, etc. 1747. p. 30. Lüb-ke's Weslphalen p. 414 u. 426. Vgl. Bint I. p. 105.