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2 = Abth. 1, Bildnerei (1860)
Entstehung
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STRAELFN.

ALDEKERK.

mehr ausbildete, dieselben aber in gotbischer Zeit seltener wurden, weil die allgemeinere Sitteder in die Kirchenpfeiler eingemauerten Wasserbecken sie verdrängte, so machen wir be-sonders auf diesen Gegenstand des spätgotischen Kunsthandwerkes aufmerksam.

ALDEKERK,

kleines Städtchen südlich von Geldern, dessen Kirche ursprünglich eine Filiale der Kirchedes Olles Nieukerk war, im Anfange des 13ten Jahrhunderts aber die Erlauhniss zur Spen-dung des Taufsacramenles erhielt ' und später als Pfarre der Vogtei der Grafen von Geldernauftritt. 2

3.Dieser Taufstein begegnet uns verstümmelt an einer unwürdigen Stelle der Kirche.Er ist in eine Thurmecke eingemauert, obwohl ihn die achteckige Form des Beckens zumFreistehen bestimmte. Der ursprüngliche alte Taufstein bestand aus dem achteckigen Beckenmit den vier Schweinebildern unter demselben u. dem Delphinrachen, und wurde dieser Ober-theil dann von vier kleinen Säulen getragen, deren Köpfe hinter der Mitte der kleinenSchweine ansetzten. Die Ansätze der 4 Säulchen sind noch sichtbar. Der Durchmesser desBeckens beträgt 2' 8". Merkwürdig erscheint dieser Taufstein aus mehrfachen Gründen.Einmal sahen wir an einer ganzen Beihe abgebildeter und erwähnter Taufsteine, dass biszum 12ten Jahrhundert für dieselben am Unterrhein ein Typus feststand. Wir begegneten immereinem von vier Säulen getragenen, oben mit vier Köpfen und einigen harbariscben Ver-zierungen geschmückten Becken, und sogar als Material fast durchgängig dem schwarzenMarmor von Namur wie dies bei der vorigen Nummer dieser Tafel noch der Fall war.Dieser Taufstein von Aldekerk zeigt uns nicht allein eine wesentliche Weiterentwickelung,sondern er gewährt auch durch seine urkundliche Datirung gegen den Anfang des 2tenDecenniums des 13ten Jahrhunderts einen kunsthistorischen Anhalt. Ferner fanden wir wohl anden bisherigen Taufsteinen überall barbarische Verzierungen, aber keine so ausgeprägte jSymbolik,wie sie diese 4 kleinen Schweine, die Symbole des Unreinen, als Träger eines Taufbeckens,dessen Spende die Sünde, das Unreine vom Menschen nimmt, aussprechen. Der dritte in-teressante Moment des Taufsteines liegt in der Wahrscheinlichkeit, dass derselbe zur Erwärmungdes Wassers eingerichtet war, indem der offene Delphinrachen zur Aufnahme von glühendenKohlen scheint gedient zu haben.

1. Nach einer im Kirchenarchiv zu Aldenkerk aufbewahrten Urkunde verleiht im Jahre 1218 Erzbi-

schof Engelbert von Köln, der Kirche daselbst das Recht eines Taul'brunnens. An d. hist.Vereins-Heft VI, p. J 72.

2. Binl. I. p. 235.