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2 = Abth. 1, Bildnerei (1860)
Entstehung
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GESCHICHTLICHE ÜBERSICHT DES CLEVISCHEN NIEDERRHEINES

Heute sind wir glücklicher. Wir können es der Kunstgeschichte mit Sicherheit ver-künden, dass von den über diesen Zeilen stehenden drei geschnitzten Holzstatuen der CalcarerKirche diejenige Johannes des Täufers ein Werk Jan Boegels ist. Unsere Freude verringertes nicht, dass wir, die wir so oft diese Figur sahen, uns selbst der Entdeckung nichtrühmen können; denn die Freude über diese Thatsache ist für uns grösser als das zufälligeGlück der Entdeckung. Wir bekennen deshalb gerne, dass uns der emsige Durchforsche!'der Kölner Schreinsbücher, Herr Joh. Jac. Merlo in Köln, zuerst mittheilte, dass er auf demFusse dieser Figur, welche mit dem ebenfalls oben abgebildeten Evangelisten Johannes undeinem heiligen Nicolaus später zu einem Altare des linken Seitenschilfes der Calcarer Kirchein drei reich geschnitzten Nischen zusammengestellt ist, den Namen Jan Boegel mit dem bei-stehenden Wappen gefunden hat. Zugleich fand dann Herr Merlo auf dem ehemaligenKirchhofe der Victorskirche zu Xanten ein altes steinernes Grabkreuz, auf welchem dasselbeWappen mit der Aufschrift Jan Boegel stand. In den Baurechnungen der Victorskirche tritt1406 u. 1408 der Name Boegel auf 0 , und den gefälligen Mittheilungen des Pastors van Haag inCalcar verdanke ich die Notiz, dass in den Memorienbüchern der Calcarer Kirche 1543 einSchöffe Jan Boegel und 1563 eine Ida Boegel vorkommt. Während wir die hauptsächlich-sten Werke der Calcarer Holzschnitzschule in Abbildungen mittheilten, wozu in diesem Bandeganz besonders die Kempener Chorstühle auf Taf. XXIII gehören, unterliessen wir es nicht,die anderswo befindlichen zu erwähnen." Indess hat sich deren Zahl für unsere Kenntnissfortwährend vermehrt. Wir haben aber kein Schnitzwerk gefunden, welches früheren Ursprungswäre, als der früheste Altar von Calcar. 8 Sie beruhen alle mehr oder minder schon auf den-selben malerischen und naturalistischen Principien, perspectivischer Anordnung und materiellsterNaturbeobachtung. Tragen doch, was wir zur Bereicherung des früher Gesagten bemerken, dielesenden Propheten auf einem Altäre zu Slraelen sogar Brillen An andern Altären, wir glaubenzu Zülpich und Heimbach, finden sich Gesichter an Stelle der Genitalien. Alle diese Altäre be-wegen sich in denselben typischen Formen, werden z. B. fast alle von dem Rankenwerk desStammbaumes Christi umschlossen, sind bald ohne Farbengebung bald polychromirt und lieferndurch die Gemeinsamkeit in Zeit und Charakter den vollständigen Beweis, dass Calcar, welchesdie besten Werke der rheinischen Holzschnitzkunst besitzt, der Stammsitz und Ausgangspunkteiner Schule für das übrige Rheinland war.

Eine Schule so markigen vollen Lebens, so glänzender Technik konnte nicht plötzlichund schnell ausleben. Ehe sie verschwand, ergoss sie nochmals den kecken Sprudel ihrer

6. Schollen: Auszüge aus den Baurechnungen der St. Victorskirehe. IS52. p-. 19.

7. Die über unserem Texl siehende Magdalena befindet sich auch in Calcar und wir haben sie den beiden

Johannesslaluen zugeselll wegen ihrer charakteristischen Behandlung.

8. Ein sehr schöner polychromirter Altar befand sich zu Uedem. Wir sahen nur einzelne Gruppen im

Pfarrhause mit vorzüglichen Gewändern. Polychromate millelmässigc Altäre befinden sich inHanselaer, Kempen, Xanten, Aldenhoven, Süchtelen, Straelen, Linnich, Jülich, Hohenbudberg, undvorzüglicherer Art zu Siersdorf. Reste zertrümmerter Chorstühle linden sich im Kloster Marienthalbei Wesel, in Straelen, und Duisberg. Wohlerhaltene aus späterer Zeit in Heinsberg.

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