Druckschrift 
Philologisches aus alten Bibliothekskatalogen :
(bis 1300)
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

ß Manitius

nisses ermisst, so ist freilich zu bedenken, dass Clany lange Zeitdas hervorragendste Kloster gewesen ist und in seinen Mauernoft an zweihundert Brüder beherbergte. Bei dieser grossen Mönchs-zahl kann es nicht auffallen, wenn sich besonders Lehrbüchervielfach vorfanden.

Wir beginnen mit der Geschichte. Man besass in Olunydie Antiquitates des Josephus, natürlich in der Ausgabe Cassio-dors, und den Hegesippus. Von der Kaisergeschichte war Sueton(N. 28) und die Historia Augusta vorhanden , letztere bis aufTheodosius hinabgeführt (N. 29 et libellus de vita et moribusimperatorum a Cesare Augusto usque ad Theodosium). Weiterhatte man den Justin in einer Handschrift mit Vitruvius de ar-chitectura (N. 30). Von Livius war die erste Dekade einmal,die dritte doppelt vorhanden (N. 31 ff.).

Besonders wichtig ist, worauf ich schon an anderm Orteaufmerksam machte 1 , N. 328. Die Handschrift beginnt mit Au-gustin de decem cordis; auf ein theologisches Werk folgen dannverschiedene Heiligenleben und am Ende findet sich die inter-essante Aufschrift c et liber Festi Pompeii ad Arcorium Bufum'.Hiermit gewinnen wir eine Festushandschrift französischen Ur-sprungs und zugleich den Adressaten des Werkes Artorius Rufus,dessen Familie durch Festus selbst (352 b, 5 s. v. topper. 225,12. 364 b, 16) und durch Quintilian (IX, 1, 2 C. Artorius Pro-culus) bezeugt ist. Artorius ßufus würde danach als Nachkommedes Artorius Proculus zu gelten haben.

Sehr bedeutend waren die Bücherschätze Clunys in Hinsichtauf die Werke Ciceros. So fanden sich zwei vollständige Hand-schriften der Briefe ad familiäres vor. N. 490 ' epistole Ciceronisad Publicum Lentulum proconsulem et ad Curionem et ad Appiumaliosque multos' und 493 c epistole Ciceronis ad Publium Lentulumet ad alios multos ut supra\ Ausserdem waren die Briefe an Atticusvorhanden, N. 492 c libri epistolarum Ciceronis ad Atticum XVI'.Bedenkt man die Seltenheit der Cicerobriefe im Mittelalter, soist dieses reichliche Vorhandensein in einem Kloster geradezuüberraschend. Von den Eeden besass man in Cluny pro Milone(412 und 496), pro Cluentio (496: pro Avito) , pro Murena etpro quibusdam aliis (496), in Catilinam, pro Ligario, pro Deio-taro und in Verrem (498). Philosophische Schriften waren vor-

1 Hermes XXVII, 318.