Es gewährt ein grosses Interesse , die alten Bibliotheks-kataloge zu durchmustern, denn meistens -wird der Theologe, derHistoriker und der Philologe auf etwas stossen; das ihm wichtigerscheint. Th. Gottlieh hat nun kürzlich in seinem höchst ver-dienstlichen Buche „lieber mittelalterliche Bibliotheken, Leipzig1890" Eegesten zu den ihm bekannten Katalogen abgedruckt.Dabei zeigt sich, dass Beckers Sammlung (Catalogi bibl. antiqui,Bonn 1885) höchst unvollständig und lückenhaft ist. Ausserdemgeht aus der Zusammenstellung von Grottlieb deutlich hervor, dassdas Princip Beckers, die Cataloge nur bis zum Jahre 1200 ab-zudrucken, ein sehr verkehrtes war. Denn wir finden bei Gott-lieb einige ausserordentlich wichtige Kataloge aus sae'c. XIII,Stücke, die vom höchsten Werthe für die Geschichte der Wissen-schaft sind.
Vor allem ist dies der Fall mit dem von L. Delisle (lecabinet des mscr. * II, 514 ff.) abgedruckten Stück BiblionomiaRiehardi de Fournival. Dieser Bichard lebte um die Mitte des13. Jahrhunderts und war Kanzler der Kirche von Amiens. Sehrviel Interesse scheint er für die Bibliothek gezeigt zu haben,denn in seiner Biblionomia giebt er eine von ihm erfundene An-ordnung einer Bibliothek, allerdings in sehr metaphorischem Ge-wände. Doch auf die Einkleidung kommt es hierbei nicht an,sondern auf den Inhalt. Delisle sagt a. a. 0. S. 520 zunächstsehr richtig ! II serait difficile de dire si tous ces volumes ontjamais ete reunis ailleurs que dans l'imagination de Bichard deFournival . Aber die Büchertitel sind ja nicht aus der Phanta-sie gegriffen , sondern sind theilweise sehr ausführlich und treuund decken sich meist völlig mit der sonstigen Ueberlieferung.Und einige Aufschriften sind sogar imstande, unsere Ueberliefe-rung zu ergänzen. Dadurch erhält denn auch die Sammlung
1 Histoire generale de Paris, Collcction de documents. 1874.
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