Kazem. 359
-vor uns. Ein weiter Vorhof umgab das viereckige Gebäude,-von gewaltigen Dimensionen, dessen Wände und Kuppel überund über mit schillernden bunten Fliesen bedeckt waren,während vier höchst graziöse Minarets an den Ecken auf-stiegen. Im Gegensatz zu Persien, dessen schönste Moscheeenin Trümmern liegen und wo nur wenige Reste von der einsti-gen Pracht der buntfarbigen Mauerbekleidung zeugen, istdie hiesige völlig erhalten und sieht frisch und glänzend aus;die schillernde Farbenpracht, weit entfernt das Auge zu blendenoder zu stören, ist in wohlthuendster Uebereinstimmung mitdem sonnigen Character der Gegend. Die Moschee ist einesder grössten Wallfahrtsheiligthümer der Schiiten, an denen dieUfer des Euphrat oder Tigris so reich sind; sie umschliesstdie Gebeine Kazems, eines Sohnes von Hüssen, und alsoEnkels des einzig rechtmässigen Khalifen Ali. Alle Pilger,die von Persien nach Kerbela und Meschhed Ali wandern,machen hier Station und der Ort selbst ist ausschliesslichvon Persern bewohnt, die im Rufe grossen Fanatismus stehen,wie wir bald auf eigene Kosten erfahren sollten. Uebrigenshat die Moschee in ihrem äusseren Bau nicht den Characterder schiitischen Moscheeen, wie man sie in Persien meistfindet; während diese aus einem offenen Hofe mit einer ge-wölbten Halle am einen Ende bestehen, ist die zu Kazemein völlig geschlossener Raum, nach Art der sunnitischenTempel. Auch die Minarets gehen weit über das Masshinaus, das man in Persien findet; sie überragen die mäch-tige Kuppel um ein Bedeutendes und sind von schlankergefälliger Form, ohne, wie beispielsweise in Konstantinopel,in das Extrem des Dünnen und Nadelartigen zu verfallen.Einen eigenthümlichen Schmuck, der aber, anstatt zu stören,die langen Linien wohlthuend unterbricht, verleihen ihnendie in halber Höhe laufenden Gallerien für die Muezzim,von einem pilzartigen, weit ausladenden Dache überragt, dasals Schalldeckel dient; nichtsdestoweniger ist aber aus solcherHöhe auch der beste Muezzim kaum mehr zu hören.
Während wir noch in stummem Staunen am Thore desVorhofs standen, erschien ein eifriger Schiit und bedeutete