360 Kazem. Ankunft in Baghdad.
uns durch nicht misszuverstehende Geberden, dass wir dasHeiligthum mit unsern profanen Blicken verschonen möchten,wenn wir uns nicht Unannehmlichkeiten aussetzen wollten.Wir hätten gern mehr von der Moschee gesehen, allein eswäre unklug gewesen den Fanatismus herauszufordern. Wirsetzten also unsere Wanderung durch die belebten Gassenfort und trafen am Ende des kleinen Bazars auch richtigauf die uns von unserem Begleiter versprochene Fahrgelegen-heit. Es war nicht mehr und nicht minder als eine Pferde-eisenbahn englischen Ursprungs, deren Wagen eben abzu-gehen im Begriff stand; sie ist von dem verdienten früherenGeneralgouverneur Midhat Pascha in's Leben gerufen worden.Wir bestiegen das Verdeck und bald rollte der Wagen derStadt zu; der Conducteur, der uns vermuthlich in das Ge-dächtniss zurückrufen wollte, dass wir nicht etwa in Europa,sondern in Asien seien, nahm die Gelegenheit wahr, uns beider Zahlung zu übervortheilen und als Lohn dafür noch einBackschisch zu ertrotzen. Höchst sonderbar für unsere aneuropäische Pferdebahnpassagiere gewöhnten Augen sah dieGesellschaft aus: Araber in wallenden Kaftans, Perser mithohen spitzen Mützen und als Kutscher ein Beduine mit derbunten Kefije um das braune Gesicht. Wir fuhren durchPalmenwald hoch über dem Tigris und hatten prächtigeBlicke auf den Fluss und die Landhäuser und Gärten amanderen Ufer, während die untergehende Sonne ihr purpur-rotes Licht durch die zitternden Pahnenwipfel sendete.Nach einer halben Stunde hielten wir an der oberen Schiff-brücke am Thor von Baghdad; eine jener wunderlichen .runden Gondeln, aus Korbgeflecht mit Asphalt überzogen,wurde bestiegen, und langsam trugen uns die Fluthen desTigris nach dem gastlichen Hause, das uns aufnehmen sollte.Schon war die Sonne untergegangen, allein der Himmelglühte noch wie im Feuer und herrlich erschien rechts undlinks die Khalifenstadt mit ihren Minarets und ihren Palmen;wir fühlten uns im Geiste nach Europa versetzt und dachtenah Venedig und seinen Canale grande.