Rothe Brücke. 171
schein funkelnd, über die Vorberge herüber. Bei der StationAkstafinsk, wo sich nach rechts die Strasse nach Jelissawet-pol (Gündsha) abzweigt, tritt der Weg in die Steppe derKura, eine traurige Oede, nur selten von einem Tatarendorfeunterbrochen, dessen Hütten ganz in die Erde eingegrabensind und wie Maulwurfshaufen aussehen. Es existirt zwarauch hier eine chaussirte Strasse; sie ist aber so verfallen,dass bei trockenem Wetter kein Mensch sie benutzt, und derganze Verkehr quer über die Steppe weg geht. Früher solldie Gegend durch Käuber sehr unsicher gewesen sein, welchenamentlich an der rothen Brücke ihr Wesen trieben. DiesBauwerk, welches seinen Namen von den Ziegeln herleitet,aus denen es errichtet ist, stammt noch aus der Perserzeitund macht einen recht soliden Eindruck; die Brücke führtüber den wasserreichen Chram, einen Nebenfluss der Kura,dessen hin und wieder mit etwas Grün bedecktes Thal demAuge einen wohlthuenden Gegensatz zu den gelben Steppenlängs der Strasse bietet. Merkwürdig ist an der rothenBrücke der Umstand, dass die Landpfeiler hohl und zu Ka-ravansarais hergerichtet sind. Wir erreichten die verrufeneStätte, bei welcher noch in dem letzten Jahre Kaubanfällevorgekommen sein sollen (was mir übrigens wenig glaub-würdig erscheint) gegen Mittag; die Weiterfahrt war rechtwenig erfreulich, denn die Hitze und der Staub nahmen vonStunde zu Stunde zu und auf den Stationen hielt es immerschwerer, Pferde zu erlangen. Unterwegs begegneten unsnoch einige Schwadronen des Kosakenregiments, welches wiram Morgen bivouakirend getroffen hatten. Der wenig er-freuliche Anblick der Marschkolonne bestätigte, was ichoben über die gegenwärtigen Verhältnisse im Kosakenheeregesagt habe. Zu zweien, dreien und vieren ritten die Kosa-ken, in eine Linie von 20 Werst Länge aufgelöst; dieschlechte Haltung zu Pferde, und der Schmutz an Mann undThier spotteten jeder Beschreibung. Nur um die Standarteeiner Sotnie (Schwadron) hatten sich etwa 30 bis 40 Mannzusammengehalten, der Name des 'Regiments war auf der