Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
420
Einzelbild herunterladen
 

420

VIII. Kapitel: Freiwillige Krankenpflege und die Genfer Konvention.

Französischen Kriege in einem oft citirten Schreiben her-vorhob 1 )sich ganz genau in dem Yerhältniss, wie sieder Thätigkeit und Organisation des Staates inkorporirtund mit ihr verschmolzen ist, nützlich erweist, während sieim anderen Falle nachtheilig und selbst bedenklich wird".Alle Berichte über die Kriegsthätigkeit der Vereine, dieVerhandlungen auf dem Nürnberger Vereinstage und zahl-reiche neuere Publikationen aus den Kreisen der freiwilligenKrankenpflege legen offenes Zeugniss ab von der An-erkenntniss, dass Alles, was im Kriege 1870/71 sich auf demGebiete der freiwilligen Hilfsthätigkeit als verbesserungs-bedürftig herausgestellt hat, in mangelhafter Centralisationoder in ungenügender Unterstellung unter die militärischenBehörden^ begründet war. Die Kriegs-Sanitätsordnung von1878 hat neben wesentlicher Fortbildung der amtlichenSanitätsorganisation auch die Vorschriften für die freiwilligeKrankenpflege im Sinne einer strengeren Unterordnung derfreiwilligen Hilfsthätigkeit unter die staatlichen Maass-nahmen abgeändert und ergänzt.

') Miss Florence Nigthingale in einem Briefe an Ihre KöniglicheHoheit die Frau Kronprinzessin von Preussen.

'eiwi

e nen E«.

Für das Grosse, was von der Deutschen frKrankenpflege ungeachtet der noch unvollkomnnfaltung der im Jahre 1869 eingeleiteten Vereinsorjanisim Kriege 1870/71 mit Hingebung und Aufopferungwirkt wurde, ist derselben von dem obersten Kriegd]der Deutschen Heere in einem vom 14. März 1871Nancy datirten Schreiben an Ihre Majestät die Kaiserin 1 ),],..Allerhöchste Dank und Allerhöchste warme AnerkemJausgesprochen worden.

Nächst den Verwundeten und Erkrankten hatSanitätspersonal der Armee am meisten Ursache, die Z.deutsame Mitwirkung der freiwilligen Krankenpflege 1«den grossen Aufgaben, welche der Deutsch-FranzöguAKrieg auch dem Sanitätsdienst gestellt hat, freudig an-zuerkennen und die Kaiserlichen Worte 2 ) zu beherzigenDie dankbare Erinnerung daran wird in der Armee umin der Nation unauslöschlich fortleben".

') Mitgetheilt im Bericht des Centralkomitees (Anlage 1).2 ) Ebendaselbst.

Dritter Abschnitt.Die internationale freiwillige Krankenpflege.

I. Entwicklung der internationalen freiwilligen Krankenpflege.

Auch darf 'gesammelt

:1er V'Zeit bekanjcblossene

Freilidden KriegVorgänge [

Wenn auch der Gedanke, dass es allgemeine Pflicht8ei, des verwundeten, zur Fortsetzung des Kampfes unfähigenFeindes nicht nur zu schonen, sondern denselben überhauptnicht mehr als Feind zu betrachten und alles zu seinerHerstellung Erforderliche ebenso aufzubieten wie für deneigenen Genossen, unzweifelhaft jünger ist als das Bestreben,den Vertheidiger des eigenen Landes bei Verwundung undKrankheit durch Privathilfe zu unterstützen, so weiss mandoch heut, dass er nicht so neu ist, wie eine Zeit lang ge-glaubt wurde, dass vielmehr die Versuche, diesem Gedankenim Grossen Geltung zu verschaffen, bei Weitem älter sindals die organisirte Form der privaten Beihilfe zu na-tionaler Unterstützung der staatlichen Krankenpflege imFelde. Als nach dem Italienischen Feldzuge von 1859 diemehrfach erwähnte Agitation begann, welche die in derGenier Konvention zum Ausdruck gekommenen Humanitäts-

bestrebungen einleitete, konnten die Urheber der Bewegt.und Andere mit ihnen noch glauben, dass dieser Gedanktder Hauptsache nach dem 19. Jahrhundert angehöre umnur schwache Vorläufer in kurz vergangenen Zeitpeigehabt habe. Seitdem ist unwiderleglich gezeigt worden,dass nachweislich seit dem Jahre 1581 in zahlreichen Ver-trägen 2 ) zwischen kriegführenden Staaten in Europa undAmerika sowie zwischen einzelnen Heerführern der Versudigemacht worden ist, die Pflege der Verwundeten zu einerfür Freund und Feind gemeinsamen Angelegenheit zumachen, und dass mehrere dieser Verträge sogar weiter

1 ) Sieheinsbesondere: Gurlt, Zur Geschichte der internationalenund freiwilligen Krankenpflege im Kriege. Leipzig 1873" und ,NmBeiträge zur Geschichte der internationalen Krankenpflege im Krieg«.Berlin 1879".

2 ) Bis jetzt sind 291 solcher Verträge veröffentlicht.