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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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ÜUlHl I.

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Band L

II. Abschnitt: Die Deutsche freiwillige Krankenpflege im Kriege 1870/71.

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irischen Krankenträger und Verbesserung der zur ersten',.,,- bestimmten Formationen überhaupt 1 ) erachtete dieJferenz die grundsätzliche Ablehnung der Privathilfe»hrend des Gefechts mit Rucksicht auf den möglichenr ifane des Hilfsbedarfs nach grossen Kämpfen als nicht imI , !regS e der Verwundeten liegend. Diese Anschauung kamder fakultativen Zulassung von freiwilligen Verwundeten-lYjBjsportkolonnen auf das Schlachtfeld wie sie nach deroDe n erwähnten liestiinniung in Aussicht genommen warmcb in der Sanitätsinstruktion zum Ausdruck und ihreRichtigkeit nach beiden Seiten hin wurde durch den Feld-,mr von 1870/71 bestätigt. Denn es kann nicht bestritten«riilcn. dass die aus einer Ausnahme (als welche dielihtiuktion es hinstellte) zur Regel gewordene Mitwirkung[er freiwilligen Krankenpflege auf den SchlachtfeldernKrieges einerseits die rasche Unterbringung und»rate Versorgung der Verwundeten wesentlich beförderthat, während andererseits wie die freiwillige Kranken-pflege selbst unumwunden anerkennt 2 ) der Zudrangmangelhaft vorgebildeter und ungenügend disziplinirterElemente gerade bei diesem Zweige der Kriegsthätigkeitilji. meisten Ungehörigkeiten herbeiführte. 3 )

In vielen Theilen Deutschlands, namentlich aber inden dem Kriegsschauplatze näher gelegenen westlichenGebieten, bildeten sich bei Ausbruch des Krieges zahlreiche,aus Angehörigen aller Stände zusammengesetzte Ver-bindungen mit der Absicht, der Armee zu folgen, um durchpersönliche Dienstleistungen aller Art auf dem Kriegs-schauplatz hilfreich zu werden. Die Mehrzahl der dazu(rehörigen Personen fand allerdings schliesslich bei derKvakuation, in den Etappenlazarethen und in den DepotsVerwendung; ein Theil dieser, unter den Namen:Sanitäts-korps'', «Hilfskorps",Krankenträger", ,.Nothhelfer" 4 ) be-kannt gewordenen Korporationen aber gelangte dazu, ihremProgramm gemäss, die staatlichen Saiiitätsdetacliements beidem Heraustragen der Verwundeten aus der Schlachtlinie,dem späteren Absuchen des Gefechtsfeldes, bei der ersten

i) VergL S. 31 und 32.

2 ) Vergl. insbesondere den Bericht des Militärinspekteurs, die

Verhandlungen auf dem Nürnberger Vereinstage und zahlreiche anderevon der freiwilligen Krankenpflege ausgegangene Publikationen.

3 ) Vergl. Beilage 102. In Folge der im Kriege 187071 ge-machten Erfahrungen scliliesst zwar auch die Kriegs-SanitätsordnungTOD 1S78 die ausnahmsweise Zulassung einer freiwilligen Verwundeten-Transportkolonue nicht aus, doch soll eine solche dem Kommandeurdesjenigen Saiiitätsdetacliements, welchem sie zugetheilt ist, auch aufMärschen, Kantonnements u. s. w. unterstellt sein und sich von dem-selben nicht ohne vorgängige Genehmigung der betreffenden Kommando-behörde trennen dürfen. Auch ist das Personal der Kolonne vorseiner Entsendung damit bekannt zu machen, dass es bei Zuwider-handlungen gegen die Befehle des Kommandeurs und gegen die mili-tärischen Bestimmungen überhaupt nach der Disziplinar-Strafordnung

s Heer Strafe bezw. seine unverzügliche Entfernung zu ge-wärtigen habe.

4 ) Dieser Ausdruck ist durch einen Vortrag des Professor v. Heldauf dem Nürnberger Vereinstage vorzugsweise populär geworden.

Hilfsleistung durch Labung. Verband und ärztlichen Beistandzu unterstützen. Mehrere Mitglieder dieser Vereinigungenbesiegelten ihren Eifer durch den Tod auf dein Schlachtfeldeselbst oder in Folge von Wunden und Seuchen. 1 )

DieseNothhelfer" waren theils als

selbsts tändige

Korps organisirt, 2 ) theils militärischen Sanitätsformationenattachirt, 3 ) theils waren sie nach ihrer Zusammensetzung undAusrüstung mehr als freiwilliges Feldlazareth anzusehen. 4 )

Es versteht sich von selbst, dass in dem Maasse Erfolgeverzeichnet werden konnten, als bei der Auswahl desPersonals die Intelligenz, Umsicht, Zuverlässigkeit des Ein-zelnen berücksichtigt und die Disziplin im Ganzen aufrechterhalten war.

In dieser Weise gelangte die freiwillige Krankenpflegeinsbesondere bei Weissenburg, Wörth, in den Schlachten umMetz, bei Sedan, in mehreren Ausi'allgefechten vor Paris,während verschiedener Kämpfe in der Gegend von Orleans,bei einer Anzahl von Schlachten und Gefechten im Nordenund Südosten Prankreichs, somit auf allen Theilen desKriegsschauplatzes zur Thätigkeit.

Dies ist auch der Ort, einiger weltlicher Pflegerinnen zugedenken, welche auf dem Gefechtsfelde selbst oder in un-mittelbarer Nähe desselben die Erquickung und Verpflegungder Opfer kriegerischer Aktionen sich angelegen sein Hessen.Dahin gehört insbesondere die Wirksamkeit einiger Mit-glieder des Sächsischen Albert-Vereins, welche namentlichwährend und nach den blutigen Schlachten von Metz sichdieser Art der Hilfsleistung unterzogen. 5 )

2. Unterstützung der Feld-, Krieg»- und Etappenlazaretlie.

Oben ist erwähnt, dass einige sogenanntefreiwilligeSanitätskorps" ihrer Zusammensetzung und Ausstattung

] ) Die grössten Verluste hatte ein aus (!4 Mann bestehendesHamburger Sanitätskorps. Dasselbe verlor ein Mitglied durch Todauf dem Schlachtfelde, zwei durch Typhus, ausserdem wurde durchEisenbahnunfall ein Mitglied getödtet, eins schwer verletzt. Tödtlieheoder doch schwere Verwundungen durch feindliche Waffen kamen beidem freiwilligen Personal noch mehrfach, Todesfälle durch Krankheitin beträchtlicher Zahl vor. In Tabelle 53 des II. Bandes diesesBerichtes sind 4 verwundete und 189 erkrankte Mitglieder der frei-willigen Krankenpflege als in Deutschen Lazarethen behandelt auf-geführt. Unter den Erkrankten befanden sieh 31 Pocken-, 50 Typhus-und 18 Ruhrkranke. Als gestorben sind ebendaselbst 20 bezeichnet,darunter 1 in Folge von Verwundung, 5 an Pocken, 8 an Typhus,3 an Ruhr.

' l ) So insbesondere das Aschaffenburger, Kölner, Darmstädter,Offenbacher, Oberingelheimer, Frankfurter, Hamburger Korps.

3 ) Z. B. die Münchener und Mainzer.

*) So die hauptsächlich aus Nürnberger und Würzburger Helfernzusammengesetzte Grolmansche Kolonne, desgleichen das aus 9 Aerztenund 15 Studirenden bestehende Breslauer akademische Sanitätskorpsunter Führung des Professor Fischer u. A.

"') Im Ganzen waren auf dem Kriegsschauplatze 35 Albertineriimenthätig. Nach der Schlacht bei Sedan richteten dieselben eine Ver-pttegungsstation in Douzy ein, später in (Jhäteau Thierry und in Lagny.(Näheres darüber siehe im Rechenschaftsbericht des Albert-Vereins.)

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