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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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VII. Kapitel: Zelte und Baracken.

Band I.

13. Aptirungen.

Auch bei den Gefangenendepots kamen vielfach baracken-ähnliche Räume für Zwecke der Krankenpflege zur Ver-wendung. So wurden Schuppen (Exerzir-, Heergeräth-,Geschützschuppen) zur Aufnahme von Kranken aptirtin Stettin, Posen, Wesel (je zwei), Torgau, Neisse,Minden (je einer). Von diesen sei der im Fort Leopoldzu Stettin eingerichtete freiliegende, grosse, barackenartigeExerzirschuppen besonders hervorgehoben:

Derselbe war in Form eines langen Rechtecks ausHolz erbaut und hatte doppelte Wände, in welchen sichunten Fenster, oben quadratische Luftlöcher befanden.Innen war derselbe in drei grosse Säle zu je 120 Betteneingetheilt; eine dieser Abtheilungen war für Krankeder Deutschen Armee bestimmt; Nebenräume dienten alsBadestuben, Koch- und Waschküche, Konferenzzimmer,Wohnungen für Aerzte und den Lazarethinspektor. Auder nach Nordost liegenden langen Wand war im Innernein Gang abgezweigt, welcher zur Verbindung der Säleals Wandelbahn sowie als Luftreservoir diente und die Heiz-barkeit der Säle wesentlich erhöhte. Letztere geschahmittels eiserner Steinkohlen-Kanonenöfen und erzielte imFebruar, März und April, bei einer Durchschnitts-Aussen-temperatur von3.5°, -j-4.5 0 und -f 5--'°R- eme mittler«'Wärme im Innern von 13.7°, 11.7° uud 12.8°. Das Lazarethwar mit Wasser- und Gasleitung versehen.

Das in der Nähe errichtete halbmassive Oekonomie-und Administrationsgebäude konnte des nassen Mauerwerkswegen erst im April 1871 bezogen werden.

Aptiite Wagenhäuser, Laboratorien, Train-remisen etc. wurden in Gebrauch gezogen in Stettin 1,in Krekow bei Stettin 3, in Altdamm bei Stettin 1, inCoblenz 3, Torgau 2, Neisse 1 und Minden 3. VonStällen aptirte man in Krekow 1, in Minden 2. Reit-bahnen wurden benutzt in Altdamm bei Stettin, Neisse,Wesel und Minden je eine.

Gewöhnliche Mannschafts-Baracken der Kriegs-gefangenendepots fanden ebenfalls vielfache Verwerthung zuKrankenzwecken. Zu solchen wurden sie theilweise gleichanfangs, bevor sie noch mit Gefangenen belegt waren, alsAushilfe benutzt, oder sie wurden später bei wachsenderKrankenzahl von den Gesunden geräumt, gehörig desinfizirtund mit den nöthigen Lazareth-Einrichtungen versehen.In der Regel dienten bei den grösseren Barackenlagernstets mehrere Baracken ausschliesslich zur Aufnahme vonLeicht- und Revierkranken.

Diese gewöhnlich in Holzfachwerk gebauten Barackederen Wandfächer jedoch mit einer Lage von Ziegeli-teiausgesetzt waren, boten je 4060 120 Kranken Unterkunft. Die Ventilation fand theils durch Luftklappen an dDächern, theils durch gegenüberliegende im oberen Theileder Seitenwände befindliche Fenster (mit drehbaren aoder eingesetzten beweglichen Scheiben) statt. Die ||zung geschah durch eiserne Steinkohlenöfen.

Solche Baracken wurden vorzugsweise benutzt nMainz, .Jüterbog, Falkenberg, auf der Lockst-Haide und zu Uebigau in Sachsen.

Eine etwas andere Konstruktion hatten die i luBarackenlager Lechfeld (vergl. Tafel LXi, Fig. 57) lieu .gebauten Baracken für Kriegsgefangene, von welchen 1-5zur Unterbringung der Revierkranken dienten. Jvi\c dies«Baracken von 40.& m Aussenlänge, 6 m Breite und 5»Giebelhöhe enthielt an den Stirnenden je ein klein«Zimmer für Unteroffiziere und dazwischen zwei gleich gros«Säle, welche durch einen Mittelgang getrennt waren. DmSäle, je 16 m lang, 5.wm breit, erhellt durch vier Fensteran jeder Längswand, waren theils plafondirt, theils miteiner Dachverschalung versehen. Die Giebelwände bestandenaus Backsteinmauern, während die aus Riegelwerk mitinnerer und äusserer Bretterverschalung hergestellte]Längswände, sowie die Scheidewände auf Steinsockeln best,Mauerpfeilern ruhten: die Ausfüllung der Hohlräumezwischen den Bretterverschalungen geschah durch die aufder Baustelle gewonnenen Rasenziegel; das Dach wardurch Bretter ganz geschlossen und mit Dachpappe belogt:innen wurden entweder horizontale Bretterdecken angebrachtoder die inneren Dachflächen mit Dachpappe benagelt.

Die Heizung erfolgte in allen Räumen durch eiserneOefen; besondere Ventilationsvorrichtungen machte üehohe und freie Lagt; der Baracken sowie die Beschaffen-heit des lockern Geröll- etc. Bodens unnöthig. In einerBaracke fanden 5060 Leichtkranke Unterkunft.

Rekapitulation.

im Ganzen wurden somit bei den Kriegsgefangenen-Depots errichtet:11 Barackenlazarethe mit 103 Baracken mit 5160 Laperstellen,

als Annexe bei 10 Luzarethen 27

1913

in Summa 130 Baracken mit 7073 Laareretellea

Die Gesanimtzahl der in Deutschland erbauten Kranken-baraeken (vergl. S. 383) beträgt demnach unter Hinzu-rechnung der eben angeführten Baracken bei Kriegs-gefangenen-Lazarethen 589 mit 19 795 Lagerstellen.