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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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II. Abschnitt: Zelte und Baracken auf dem Kriegsschauplatz.

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und Haupt-

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I Mirtmg eines Lazareths beanspruchte die grosse MengeL Verwundeten gewöhnlich die ganze Thätigkeit allerrfte des Lazarethpersonals; später machte sich, wenn esErbauung von Baracken kommen sollte, das Fehlen technisch hierfür vorgebildeten Personals und derU neel an geeignetem Baumaterial in den von Truppenrfüllten und von den Einwohnern häufig fast ganz ver-teilen Gegenden in störendsterWeise fühlbar; technischempen standen nicht jeder Zeit zur Verfügung. Endlichm auch oftmals die hygienischen Verhältnisse in derähe der Kampfplätze derartig ungünstig, dass man vonlauung neuer Baracken zu längerem Gebrauch gernAbstand nahm.

Von den errichteten Baracken, welche zum grössten'heil einen einfachen Krankensaal ohne Nebenräume dar-stellten und mit ausreichenden Ventilationseinrichtungennamentlich Dachreitern versehen waren, entsprach eineZahl vollständig den im Allgemeinen an Feld-

cken zu stellenden hygienischen Anforderungen. Manche

er in Eile improvisirten Baracken boten jedoch nachiniger Zeit nicht genügenden Schutz gegen Witterungs-sinflüsse, namentlich gegen Regen.

Die Erbauung fast sämmtlicher Baracken erfolgte in ersten drei Monaten nach Beginn des Feldzugs; nurlehr wenige wurden mit Wintereinrichtungen versehen und

Dezember 1870, selbst bis in den Januar 1871 hineinlenutzt. Ausnahmsweise fand bei einigen stehendenjiegslazarethen oder als solche fungirenden Feldlazaretheni Ortschaften an Etappenlinien auch während des Wintersund im Frühjahr 1871 die nachträgliche Herstellunginer oder mehrerer Baracken statt.

In dem Einschliessungsrayon vor Paris sowie auf demndwestlicken, nördlichen und südöstlichen Kriegsschauplatzamen die dort in Thätigkeit getretenen Feldlazarethe nichtoehr dazu, Baracken zu errichten oder Zelte zu benutzen.

A. Zelte und Baracken nach den erstenSchlachten in Elsass-Lothringen.

Auf dem Schlachtfelde bei Wörth und in dessen Näherinde nur seitens einiger Feldlazarethe des XL Armeekorpsron Zelten und Baracken Gebrauch gemacht.

Das 3. Feldlazareth genannten Armeekorps') benutztein Wörtk vom 8. bis 31. August 2 kleine (Kurhessische)leite zu je 3 Betten für Amputirte, ebenso das in dem be-ichbarten Elsasshausen etablirte 9. Feldlazareth 2 ) 1 Zeltn gleichem Zwecke. Von dem 4. Feldlazareth desselbenirmeekorps 3 ) sind in diesem Feldzuge die ersten Feld-aracken erbaut und belegt worden.

Das Lazareth hatte sich unmittelbar nach der Schlacht«iWörth am 7. August in Sulz unter dem Walde, der

Vergl. S. 97. ») Ebendaselbst. 3) Vergl. S. 98.

Haupt-Evakuationsstation für die Verwundeten, etablirt underrichtete mit Hilfe der Telegraphen-Abtheilung III. Armee-korps hinter dem Bahnhof auf einer etwas feuchten Wiese6 Feldbaracken, welche im Querschnitt die Form eineseinfachen Zeltes oder Schutzdaches darboten, aus denHopfenstangen der umliegenden Felder gezimmert, mitLatten und Brettern benagelt waren und einen über dieganze Länge der Baracke fortlaufenden Dachreiter besassen.Die Eingänge waren durch Vorhänge geschlossen; der obereTheil der Giebeldreiecke blieb frei, der Fussboden ungedielt.Als Lager diente ein längs der Seitenwände auf dem Erd-boden ruhender, leicht geneigter, mit Stroh bedeckterLattenrost; in der Mitte blieb ein 5 Fuss breiter Gang frei.In jeder Baracke konnten bis zu 25 Mann untergebrachtwerden. Eine der Baracken war mit einem Operationstischversehen und wurde zu Operationen oder schwierigerenVerbänden benutzt. Jede Baracke besass eine Laterne amGiebel; der ganze Platz war eingezäunt.

Die Baracken wurden mit Schwerverwundeten belegtund bewährten sich bei trocknem Wetter sehr gut. Vom10. August an übernahm Lazareth-Reservepersonal XL A rmee-korps, welches dort ein stehendes Kriegslazareth zu er-richten hatte, 1 ) die Station, niusste aber wegen der Feuchtig-keit des Untergrundes am 6., 8. und 9. September dieBaracken räumen.

Die 2. Sektion dieses Lazareth - Reservepersonalsbenutzte bei dem vom 20. August bis 4. September inReichshoffen etablirten stehenden Kriegslazareth 2 ) einemit Dachfirst-Ventilation versehene einfache Bretterbaracke,welche bei dem Eisenwerk auf einer ausserhalb der Stadtgelegenen kleinen Anhöhe errichtet worden war.

Ausserdem wurden während des in Rede stehendenZeitraumes seitens mobiler Sanitätsformationen nur nochan den rückwärtigen Linien auf Deutschem Boden in derNähe der Grenze Baracken benutzt und zwar in Kaisers-lautern, wo sich die 3. Sektion Lazareth-ReservepersonalsIX. Armeekorps 3 ) als stehendes Kriegslazareth etablirteund eine grosse Holzbaracke eine projektirte Industrie-halle mit 100 Betten einrichtete, ferner in den BadischenStädten Mosbach und Bretten, woselbst die als stehendeKriegs- und Sammellazarethe etablirten Bayerischen Haupt-Feldspitäler No. 4 4 ) und 5 6 ) wegen Mangels hinreichenderRäumlichkeiten nach dem Gefecht bei Weissenburg denBau von Krankenbaracken betrieben. Die Entwürfe wurdenim Einvernehmen mit den Chefärzten von den betreffendenOrtstechnikern angefertigt; die Ausführung der Bauten er-folgte durch Gewerbsmeister dieser Städte nach demAkkord- und Submissionsverfahren auf Kosten der Baye-rischen Kriegsverwaltung. Allein noch vor Vollendungsämmtlicher Baracken mussten beide Haupt-Feldspitäler

i) Vergl. S. 98 und 100. ») Vergl. S. 100. 3)4) Vergl. S. 101. s ) Ebendaselbst.

Vergl. S. 106.