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VII. Kapitel: Zelte und Baracken.
Zweiter Abschnitt.Zelte und Baracken auf dem Kriegsschauplatz. 1 )
I. Bei Feld- und stehenden Kriegslazarethen (bezw. Aufnahms- und Haupt-
Feldspitälern).
Bei Ausbruch des Krieges waren in Preussen für denFeldgebrauch 162 Krankenzelte vorhanden und zwar 139zu je 12, 15 zu je 3 Lagerstellen und 8 für je 1 Kranken.Eine Vermehrung derselben wurde sofort angeordnet, daman beabsichtigte, das Lazareth-Reservedepot eines jedenArmeekorps mit 24 modellmässigen Krankenzelten zurVerausgabung an die Peldlazarethe zu versehen, währenddie bei den Garnisonlazarethen befindlichen oder sonst denIntendanturen für den Friedensgebrauch zur Verfügungstehenden Zelte bei den Reservelazarethen Verwendungfinden sollten. Von den Fabrikanten Bodewig und Freidankin Mülheim a. Rh., Unger in Erfurt und Speyer in Berlinwurden in Folge eines dahin gehenden Auftrages in kürzesterZeit im Ganzen 170 Zelte zum Preise von 310, 300 und298 Thalern pro Zelt geliefert.
Die Vertheilung geschah in der Weise, dass jedesLazareth-Reservedepot 24 Zelte zu je 12 Betten überwiesenerhielt, mit Ausnahme der Depots des L, IL und IX. Armee-korps, welche einstweilen mit je 12 Zelten ausgestattetwurden, da die unmittelbare Verwendung dieser Armee-korps im Felde anfangs zweifelhaft blieb. Später erhieltenauch diese Depots den vollen Bestand.
Von einigen Lazareth-Reservedepots wurden die Zeltegleich beim Ausmarsch mitgenommen; diejenigen Zelte aber,welche nach Maassgabe ihrer Fertigstellung den übrigenDepots ins Feld nachgeschickt werden mussten, erreichtenbei der Ueberfüllung der Eisenbahnen mit Transporten allerArt ihre Bestimmung nur zum Theil so früh, dass sie nochbei den Feldlazarethen aufgeschlagen werden konnten; ineinigen Fällen war bei Eintreffen der Zelte die Jahreszeitzu weit vorgerückt, in anderen haben die Zelte die be-treffenden Depots überhaupt nicht erreicht, so die für dasGardekorps bestimmte Sendung, welche erst nach Mannheim,dann nach Homburg i. d. Pf. nachgesandt wurde und schliess-lich bei der Evakuationskommission in Saarbrücken Ver-
wendung fand; desgleichen die für das V. Armeekorps 1*stimmten Zelte, welche in Folge eines Versehens in Edjblieben und bei dem dortigen Kriegsgefangenen-Depot 1».nutzt worden sind.
Aber auch die von den Depots mitgeführte iwurden nur von einer verhältnissmässig geringen Anzahlvon Feldlazarethen in Anspruch genommen.
Letztere benutzten durchgehends lieber vorhandenGebäude oder Baracken, und so ist es, im Gegensatz adem Feldzug von 1866, zur Bildung eigentlicher Zeltlazarethe auf dem Kriegsschauplatze kaum gekommeiausgenommen allenfalls die Etablissements in Corny mlGravelotte. Der Grund hiervon lag einerseits in derschwierigen Kommunikation zwischen Feldlazarethen injLazareth-Reservedepots, andererseits in der Voraussetziif,dass die Zelte bei dem Herannahen des Herbstes doch nurkurze Zeit zu benutzen sein würden.
In ausgedehnterer Weise ist dagegen von neuerrichteteioder aptirten Baracken- und ähnlichen provisorischen BauteiGebrauch gemacht worden, und zwar sowohl bei daoperirenden Heeren (im Einschliessungsrayon vor Metz mStrassburg meistens im Anschluss an vorhandene Gebäuiials auch in den an Etappenstrassen gelegenen Ortschaften
Wiederholt bot sich Gelegenheit, in Feindesland vor-gefundene Krankenbaracken belegen zu können.
Da es indessen in den wohlhabenden Gegenden Frank-reichs an geeigneten Räumen zur Unterbringung von Kranketin Schlössern, Villen und sonstigen Gebäuden meist nieltfehlte und andererseits die Feldlazarethe bei beabsichtigtetErrichtung von Baracken oft erheblichen Schwierigkeiteibegegneten, so hat die Barackenbehandlung in Feindeslaninicht eine so grosse Ausdehnung erfahren, wie bei der ver-breiteten Vorliebe für dieses System hätte erwartet werdenkönnen und wie solche zu gleicher Zeit im InlandeBarackenbau zu Theil wurde. In den ersten Tagen
Band I-
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Zelte undSchlachte
i) Vergl. Beilage 98.
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') Vergl. S. 97.