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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
315
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I. Abschnitt: Zelt- und Barackenbehandlung in Deutschland vor dem Kriege 1870/71.

r «ammtlänge der Baracke etwa 105 Fuss, die ganze Breitetji/ Fuss beträgt. Giebel- und Seitenwände aus Kreuz-, r zge gtellen sind mit gespundeten Brettern doppelt ver-- 'halt der Zwischenraum ist mit trockenen Hohlsteinenw Kalkanwendung ausgefüllt; das mit Schiefer gedeckteDach hat einen Dachreiter von 3 Fuss Höhe mit Glas- lousien - der Fussboden besteht aus einer doppelten ge-bundeten Bretterlage; an jeder Seitenwand befinden sichja |iaCÜ aussen zu öffnende Fenster mit einzelnen beweg-lichen Scheiben. Die Heizung erfolgt durch eiserne, mitweissen Kacheln bekleidete Oefen. Die Baracke ruht auf4 fuss hohen und je 5 Fuss von einander entferntenbeinernen Pfeilern; der darunter befindliche Erdboden istmit Mauersteinen gepflastert.

Diese Baracke wurde im Frühjahre 1867 mit chirur-pschen Kranken belegt und befindet sich seitdem fort-dauernd im Gebrauch (Tafel XXXI, Fig. 1 zeigt die Seiten-ansicht).

Nach ihrem Muster entstanden die Baracken bei demGarnisonlazaretk (1867) und später jene des Augusta-Hospitals (1869 bis 1870) in Berlin; nach gleicher oderähnlicher Konstruktion wurden zu Greifswald, Göttingen,üel Tübingen, sowie bei den Stadtkrankenhäusern zurankfurt a. M. und Dresden Baracken oder Zeltbarackenerhaiit. Die Errichtung eines selbstständigen permanentenBarackenlazareths ohne Anschluss an ein bereits bestehendesKrankenhaus fand zuerst in Leipzig 1869 statt.

Zur Weiterentwicklung des Barackenbaues trugen dieinzwischen erschienenen Schriften über Anlage von Kriegs-lazarethen etc. von Brinkmann (1868) und besonders vonEsinarch (Anfang 1870) bei, in welchen u. a. Baupläne undEntwürfe zu Barackenlazarethen und Hospitalbaracken (vonBaumeistern wie Schönrock und Lauer in Kiel, Knoblauchund Kollin in Berlin und Ingenieur Risoldi in Interlaken)ausführlich geschildert und durch genaue Abbildungenerläutert wurden. Ein grosser Theil dieser Pläne hatim Einzelnen oder auch im Ganzen für viele der imJahre 1870 ausgeführten Barackenbauten als Muster gedient.

So war also bei Beginn des Feldzugs 1870 die Ver-wendung von Krankenzelten und Baracken in Deutschlandamtlich eingeführt und für den Krieg vorbereitet.

Nach der Instruktion über das Sanitätswesen derArmee im Felde vom 29. April 1869 welche in ihren

hauptsächlichen Bestimmungen für alle Deutschen Truppen-theile Anwendung fand sollte gemäss § 24 bei derAuswahl der Oertlichkeit für die zu etablirenden Feld-lazarethe wesentlich auch darauf gesehen werden, dass inder Nähe der Gebäude ein zur Aufstellung von Zeltenund Baracken geeigneter Raum vorhanden war. 1 )

Ebenso war nach § 51 derselben Instruktion bei Aus-wahl der für Reservelazarethe in Aussicht genommenenGebäude auf die Nachbarschaft freier Plätze für den Bauvon Baracken und Aufscklagung von Zelten zu rück-sichtigen. 2 )

Beilage 7 der genannten Instruktion enthielt eine aufTafel XXXI, Fig. 2 und 3 wiedergegebene Zeichnung desinstruktionsmässigen Krankenzeltes nebst einer ausführlichenBeschreibung seiner Bestandtheile sowie eine Anleitung zurAufstellung, Benutzung und Aufbewahrung. 3 ) Kurz vorAusbruch des Deutsch-Französischen Krieges wurden ausser-dem von der Preussischen Militär-Medizinal-AbtheilungVor-schriften, betreffend Krankenzelte, Baracken und Desinfek-tionsverfahren in den Lazarethen, Berlin 1870" heraus-gegeben, welche ausser einem Abdrucke der vorerwähntenBeilage 7 zur Feld-Sanitäts-Instruktion die ebenfalls aufTafel XXXI, Fig. 4 bis 6 reproduzirte Zeichnung einerneuen Krankenbaracke nebst der in Beilage 96 abgedrucktenBeschreibung einer im Anschluss an Reservelazarethe zuerbauenden Baracke für 30 Kranke" brachten.

Nach dieser Anweisung mitunter mit geringen Ab-weichungen entstand eine grössere Anzahl von Barackensowohl bei staatlichen Reservelazarethen als auch bei ein-zelnen Feldlazarethen.

Einige Wochen nach Eröffnung des Feldzugs erschieneine von der Preussischen Militär-Medizinal-Abtheilungabgefasste Anweisung darüber, wie Lazarethbaracken undbarackenähnliche, zu Krankenzwecken aptirte Gebäude (na-mentlich Exerzirhäuser und Reitbahnen) für den Gebrauch imWinter hergerichtet werden können. 4 )

!) Vergl. S. 42.

2) Vergl. S. 300.

3 ) Einen Auszug aus dieser Beschreibung und Anleitung siehein Beilage 95.

4 ) Siehe Beilage 97.

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