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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
308
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Am 12. August standen zur Verfügungder General-Etappen-Inspektion der

I. Armee an......18 Orten 3 102 Lagerstellen,

der General-Etappen-Inspektion der

II. Armee an......32 10 233

der General-Etappen-Inspektion der

III. Armee an . . . . . 24 0 073

mithin insgesammt an 74 Orten 22 408 Lagerstellen,von denen 6284 auf die Garnison-, Reserve- und Kriegs-gefangenen-Lazarethe im Königreich Sachsen entfielen.

Ende August war die Errichtung der durch Erlass vom18. Juli 1870 in Aussicht genommenen Reservelazarethevollendet.

Im weiteren Verlaufe des Krieges stellte es sich jedochbald heraus, dass die vom Staate errichteten Lazaretheselbst mit Hinzurechnung der von der freiwilligen Kranken-pflege zur Verfügung gestellten dem Bedürfniss keineswegsgenügten.

Während nach den grossen Schlachten im August undim Anfang des September vorzugsweise Verwundete nachden heimischen Lazarethen zurückgeschafft werden mussten,wurde im Oktober der Andrang von Kranken, besondersauch von schweren Typhus- und Ruhrkranken aus der Um-gebung von Metz, ein so gewaltiger, dass Anfang Novembersämmtliche vorhandene Reservelazarethe fast vollständig-belegt waren. Es wurde deshalb nothwendig, durch Er-weiterung der bestehenden und durch Errichtung neuerReservelazarethe die Zahl der Lagerstellen für jedesArmeekorps um 100O2000 Betten zu vermehren. In Folgedieser Maassnahme standen zur Zeit des grössten Bedarfs imBereich der Preussischen Armeeverwaltung (einschliesslichder beiden Mecklenburgischen Grossherzogthünier) an 204Orten 60 731 Betten allein in staatlichen Reservelazarethenzur Verfügung.

Rechnet man hierzu die Zahl der Lagerstellen infür die immobilen Truppen ursprünglich reservirte»

nisonlazarethen, in den Pestungs- bezw. Belag

l

erungji,

rethen, in den mit kranken Kriegsgefangenen bellHilfslazarethen in den Festungen, sowie endlich inwenigen, im Inland errichteten Etappenlazarethen >giebt sich für die Zeit des höchsten Bedarfs die Zahl96 805 Lagerstellen (an 282 Orten) in Preussischenrethen des Inlandes (einschliesslich der kleineren Sides Norddeutschen Bundes).

Dazu kamen in Sachsen 6645, in Bayern l:in Württemberg 3611, in Baden 5086 Lagerstellenstaatlichen Reservelazarethen, was eine Gesammtsum]von 125 542 Lagerstellen in den staatlichen^rethen Deutschlands bedeutet.

Nicht mitgerechnet ist hierbei die Betteuzahl in (Hessischen staatlichen Lazarethen, über welche genau,Angaben fehlen.')

Ausserdem hat die freiwillige Krankenpfleaganz Deutschland nach und nach 32 169 La»istellen (Königreich Sachsen und Grossherzogthnmnicht mitgerechnet) zur Verfügung gestellt, in wd69115 Deutsche und 1164 Franzosen Aufnahme und]pflegung gefunden haben. 2 )

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clnvereeiten.

!) Vergl. S. 306.

2 ) Diese Zahlen sind insofern zu niedrig, als für Sack«Zahl der von der freiwilligen Hilfe Verpflegten nicht genau amittein gewesen ist und als ein Theil der in Preussen durch TenÄenothi"und Privatlazarethe Verpflegten in den Rapporten derjastaatlichen Reservelazarethe verrechnet ist, welchen jene Lmtzugetheilt waren. Ueberhaupt ist eine genaue Trennungstaatlichen und Vereins- etc. Lazarethen weder hinsichtlich der Lastellen noch hinsichtlich der Verpflegten durchführbar.

II. Kriegsgefangeiien-Lazarethe.

Die heimathliche Lazarethpflege wurde wesentlich er-schwert durch die über Erwarten grosse Menge kranker undverwundeter Kriegsgefangener. Handelte es sich auch bei denverwundeten Franzosen, welche in Kriegsgefangenschaftabgeführt wurden, vorwiegend um Verletzungen leichtererArt, da die schwer Verwundeten und solche, bei denendie Wiederkehr der Felddienstfähigkeit nicht zu erwartenstand, in Feindesland belassen wurden, so gestalteten sichdoch für die inländischen Lazarethe die Verhältnisse späterdadurch besonders schwierig, dass von den nach Deutschlandübergeführten unverletzten Kriegsgefangenen eine ausser-gewöhnlich hohe Zahl erkrankte. Typhus, Ruhr, Blattern,Masern, Scharlach, Lungen- und Rippenfellentzündung,

Gehirnhaut- und Bauchfellentzündung u. s. w.grosser Verbreitung unter ihnen auf und bedingten SilZugang in den Lazarethen.')

So befanden sich beispielsweise am 19. Februar 1"dem Tage des höchsten Gefangenenbestandes, von idamals in Norddeutschland internirten 289 301 Fra(374 995 in ganz Deutschland) 19 438 krank inrethen. 2 )

J ) Vergl. II. Band des Berichtes.

2 ) Vergl. Beilage 94. Für die Grösse des Krankenstandesden auf die übrigen Deutschen Staaten entfallenden KontüigeKriegsgefangenen zu der bezeichneten Zeit fehlen die entsprechend«gaben. Ein Ueberblick über die vorliegenden Kxankentabella

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