Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
297
Einzelbild herunterladen
 

M

HiBH^B

III. Abschnitt: Regelung der Fahrten. Leistungen der Zuge. Besondere Vorkommnisse. Kosten.

297

m 9. März von Le Maus auf, woselbst er ausser grösseren Zahl Verwundeter und anderweitig Kranker

I 21 Pockenkranke aufgenommen hatte, passirte umn ir \bends Versailles und fuhr auf der Pariser Gürtel-heiter. Hier holte ihn dicht vor Puteaux ein Fran-incker Militärzug ein und zertrümmerte durch Auffahrenhinteren Wagen, darunter einen Packwagen (den letztenl guges) welcher die Leiche eines Preussischen Offiziersthielt zwei Packwagen, in welchen die Pockenkranken. befanden, einen Französischen Packwagen und denhaschen Kohlen-, Proviant- und Gepäckwagen. Neunanke kamen auf diese Weise ums Leiben, 32 Personenwen mehr oder weniger schwere Verletzungen davon.E vordere Theil des Sanitätszuges war losgerissen undfcgohädigt weiter geschoben worden, wobei die bemerkens-ertbe Tliatsache zur Beobachtung kam, dass die unbelegtenfragen a us ihren Ringen geschleudert wurden, währendmit Kranken etc. belegten ruhig hängen blieben unddarauf Gelagerten keinerlei Beschädigung erlitten.

In einigen anderen Fällen ereigneten sich zwar Ent-gleisungen, Brüche von Kuppelstangen und Badreifen- oderAchsenbrände, niemals aber hat ein derartiges Vorkomm-niss Menschenleben gekostet oder ernstlichere Beschä-digungen verursacht.

Hingegen kann an dieser Stelle nicht verschwiegenwerden, dass diejenigen Deutschen Sanitätszüge, welchenach Abschluss des Waffenstillstandes sich auf der PariserGürtelbahn bewegten, manche Unbilden auszustehen hatten.So wurden z. B. in einem Bayerischen Spitalzuge beiBatignolles durch Steinwürfe die Wagenfenster zertrümmertund ein Arzt erheblich verletzt. Andere Züge konntennur dadurch einigermaassen geschützt werden, dass dieFenster und Vorhänge geschlossen, alle Lichter gelöscht,alle Vorrathswagen mit Vorhängeschlössern gesperrt unddie Zuginsassen in die Wagen eingeschlossen wurden.Obgleich Delegirte des Französischen Hilfskomitees dieZüge begleiteten, wurden mehrere der letzteren durchGewehrschüsse und Steinwürfe beschädigt.

IT. Kosten der Sanitätszüge.

Da die Staatsverwaltungen und die freiwillige Kranken-jlege bei Errichtung der Deutschen Sanitätszüge in derleise zusammengewirkt haben, dass einerseits jeder dieserWrtoren selbstständig und aus eigenen Mitteln ganze Züge(Brgestellt hat, während andererseits mehrere Züge durchfemeinsames Handeln mit beiderseitiger Antheilnahme anfen Kosten ausgerüstet worden sind, so ist es nicht»glich, im Einzelnen die für Sanitätszüge verausgabtenleträge oder den Werth aller für dieselben verwendetenlegenstände festzustellen. Dennoch wird ein summarischerleberblick über die nachweislich entstandenen Kosten anwer Stelle nicht überflüssig erscheinen.

Die ersten von Preussen ausgesandten Wagen-oraplexe zum Krankentransport, sowie dieWeissen-arger Lazarethzüge wurden ganz aus Staatsmittelnisgerüstet. Die dafür erwachsenen Kosten sind zum Theil(ei den späteren staatlichen Sanitätszügen in Anrechnungpbracht.

Ebenso waren die Preussischen Sanitätszüge No. 1

IX eine rein staatliche Schöpfung. Die Militärver-dtung hat für die Herrichtung der Züge Heizbar-lacmrag und innere Einrichtung an die Direktion deriiederschlesisck-Märkischen Bahn die Summe von29 373 Thalern 11 Silbergroschen 1 Pfennigzahlen gehabt, so dass sich mithin die Einrichtungs-^sten eines Zuges auf

3263 Thaler 21 Silbergroschen 3 Pfennige

Sanitäts-Bericlit über die Deutschen Heere 1870,71. I. Bd.

stellten, und zwar kostete die Herrichtung jedes Kranken-wagens 97 Thaler, die des Küchenwagens nebst Inventar535 Thaler, die des Verwaltungswagens nebst Apotheken-schrank 128 Thaler. Dabei waren in den obigen Beträgendie Kosten für die Krankentragen nebst Gummiringen,für die in dem Etat der Oekonomiegeräthe aufgeführtenLazarethbedürfnisse, für die chirurgischen Instrumente,Verbandmittel, Arzneimittel u. s. w., sowie die Kosten fürdie zur ersten Ausrüstung des Zuges nothwendigen Lebens-mittel nicht inbegriffen.

Ausser den Kosten der ersten Einrichtung hatte dieMilitärverwaltung noch die durch Reparaturen erwachsenenAusgaben, sowie die reglementsmässige Miethe für die ganzeZeit, während welcher die Wagen den Bahnverwaltungenentzogen blieben, zu tragen.

Der X. Preussische, sogenannte HannoverscheSanitätszug, welcher sein Entstehen der Initiative- des Pro vinzialVereins in Hannover zur Pflege im Felde ver-wundeter und erkrankter Krieger" verdankte, wurde theilsaus Mitteln des Staates, theils aus solchen des Provinzial-vereins ausgerüstet und unterhalten. Wie gross derKostenaufwand für diesen Sanitätszug gewesen, ist nichtmit Bestimmtheit anzugeben.

Bei der Einrichtung, Ausrüstung und Unterhaltung derBayerischen Spitalzüge I bis IV haben die Staatsver-waltung und die Vereinsthätigkeit zusammen gewirkt.War auch das Unternehmen von Seiten der Militärverwaltung

38