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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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IV. Kapitel: Krankenzerstreuung.

Band ]

Spitälern verpflegte Kranke und etwa GOOO Passanten zurBahn gebracht.

Weiter nach Westen schloss sich an die Hauptpunkteder Krankenzerstreuung die Land-Etappenlinie nach Ver-sailles an. Von dieser Stadt wird, soweit sie für dieKrankenzerstreuung in Betracht kommt, weiter unten dieRede sein. 1 ) Während der Einschliessung und Belagerungvon Paris wurde nur vorübergehend aus RambouilletChartres (theils auf der Bahn, theils auf der Landetappe)sowie aus den südlich Paris nach Orleans zu gelegenenLazarethen nach Versailles evakuirt. Da die Lazarethedaselbst jedoch sehr bald überfüllt waren und dem Opera-tionsgebiet zu nahe lagen, wurde für längere Zeit verboten,Transporte dorthin zu richten.

Die überaus schwierigen Verhältnisse, mit denen, wieoben erwähnt, die Maas-Armee nach ihrem Eintreffen vorParis bezüglich der Rückbeförderung ihrer Kranken zukämpfen hatte, zwangen dazu, die Evakuation thunlichstzu beschränken, und zur Aufnahme der Kranken im Be-reiche des von der Maas-Armee behaupteten LandstrichsLazarethe zu errichten, in denen der grössere Theil derBehandelten so lange verpflegt werden konnte, bis sich dierückwärtigen Verbindungen besser gestalteten.

Ein grosses Etappenlazareth von 400 Betten bestandin Dammartin, 2 ) wohin die Feldlazarethe des IV. Armee-korps ihre transportfähigen Kranken ablieferten. Die Feld-lazarethe des Gardekorps und des XII. (Königlich Säch-sischen) Armeekorps schafften ihre Pfleglinge nach Nanteuille Haudouin.

Erheischte die Ueberfüllung dieser Orte gleichwohl einetheilweise Evakuation, so bewegten sich von Dammartinund Nanteuil le Haudouin aus die Krankenkolonnen aufdem Landwege über La Ferte Milon nach Reims und vonda weiter nach Pont ä Mousson; die beschwerliche Reisebeanspruchte anfangs 12 bis 14 Tage.

Dass vom 4. Oktober an, nach Eröffnung der Bahnbis Nanteuil s. M., die Kranken der Maas-Armee diekürzeren Land-Etappenstrassen von Dammartin über Lizysur Ourcq nach Chäteau Thierry, desgleichen von Mitry überClaye nach Meaux und weiter das Marnethal hinauf ebenfallsnach Chäteau Thierry benutzten, ist oben bereits erörtert.In Lizy sur Ourcq 8 ) und Meaux 4 ) waren Etappenlazarethezur Aufnahme der Passanten errichtet. Diese beiden Orteblieben nunmehr für das Garde- und XII. , Dammartin fürdas IV. Armeekorps die nächsten Evakuationsorte.

Daneben musste jedoch die nördliche Evakuationslinieüber Nanteuil le Haudouin beibehalten werden, weil dieLazarethe in Meaux und Chäteau Thierry bald überfüllt waren.

Nach dem Fall von Soissons und dem Freiwerden der

a ) SieheWaffenstillstand and Priiliminarfriedenszeit" in diesem(4.) Kapitel.

2 ) Vergl. S. 180.

3) Vergl. S. 181.

*) Vergl. S. 161 und 165.

an

Bahnlinie MitryVillers Cotterets wurde Mitry')8. November der Einschiffungsort für die in der Richtun»nach Soissons abgelassenen Transportzüge. Von Mitry ai*fuhren die Kranken auf der Bahn bis Villers Cotter&ts. 1wurden hier wieder ausgeladen und für die Nacht untigebracht, weil die Strecke von Villers Cotterets bis Soissou-durch die Tunnelsprengung bei Vierzy gesperrt war. Amfolgenden Tage auf Landfuhrwerken nach Soissons 3 ) m.schafft, blieben sie auch dort über Nacht und gelan^uam dritten Tage, nun wieder mittels Bahn, über Beim-nach Chälons s. M. bezw. Epernay.

In ähnlicher Weise regelte sich der Krankentransport fürdie an der Oise operirenden Truppen nach Eröffnung der LinieGonesseVillers Cotterets. Erfrischungsstationen bestandenauf den Bahnhöfen iaMitry, Gonesse, 4 ) Chantilly 5 ) undReims. 6 !

Am 21. November war endlich der gesprengte Tunnelbei Vierzy wiederhergestellt; das zeitraubende, für dieKranken beschwerliche Umladen in Villers Cotterets undSoissons hörte auf, vielmehr fuhren die Kranken fortan ohneUnterbrechung auf der Eisenbahn von Mitry und Goncwüber Reims, Epernay und Nancy nach Weissenburg.

So blieben die Verhältnisse für die Maas-Armee htzum Januar 1871. Nach dem Fall von Mezieres (1. Janm1871) gestattete die Eröffnung der nördlichen BahnlinieMetz DiedenhofenMezieresReims die Sichtung de,Krankenrückstromes zu ändern. Am 21. Januar 1871 wankdurch Verfügung der General-Etappeninspektion die neu-eröffnete Bahnlinie der Maas-Armee und I. Armee zur aus-schliesslichen Benutzung überwiesen, wogegen die Beför-derung auf der Linie ReimsEpernayFrouard aufhörte,Die Land-Etappenlinie der Maas-Armee konnte aufgelöBtwerden. Grössere Verpflegungsstationen traten nun inReims, Mohon (Me'zicres) und Diedenhofen in Wirksamkeit,Soissons blieb Erfrischungsstation. Eine in Reims stationirte,von der Evakuationskommission in Epernay abgezweigteKommission (bestehend aus 1 Stabsarzt, 1 Offizier, 1 La-zarethinspektor und einem Delegirten der freiwilligen Kranken-pflege) übernahm vom 28. Januar an die Rückbefördenui''der Kranken von der I. und der Maas-Armee. Diejenigender Maas-Armee wurden auf dem nördlichen Bahnnetz heini-geschafft, hatten somit Epernay nicht zu passiren. Fürdie über Reims geleiteten Transporte war dieser Ort Nacht-station. Ausserdem konnten die Krankenzüge und Sanität»züge fehlende Ausstattungsgegenstände etc. aus den dortigenDepots 7 ) empfangen. Für die durchpassirenden nicht Trans-portfähigen boten die in der Stadt selbst eingerichtete!Lazarethe Gelegenheit zur Aufnahme.

i) Vergl. S. 162.

2 ) Vergl. S. 176.

3) Vergl. S. 198.*) Vergl. S. 180.

») Vergl. S 170 und 178.

«) Vergl. S. 155 und 156, desgl.

') Vergl. S. 52.

Band I-

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!) Vergl. S. 184

SanitHts-Bericht über