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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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IV. Kapitel: Krankenzerstreuung.

Band I

Westen benutzbare Eisenbahn zu verfugen, kam der am23. September erfolgte Fall von Toul, welcher die LinieNancyParis bis Chäteau ThierryNogent l'Artaud freimachte, wesentlich zu statten. Bereits am 28. Septemberkonnte diese Strecke in Betrieb gesetzt werden. Eineweitere Benutzung nach Westen hin war durch die Tunnel-und Brückensprengungen bei Nanteuil zunächst noch un-möglich gemacht. Bis auf Weiteres mussten daher dieKranken der III. Armee in Nogent l'Artaud, diejenigender Maas-Armee in Chäteau Thierry eingeschifft werden,von wo sie nach Epernay, dem bedeutendsten unter denEtappenorten der Linie LagnyNancy, gelangten, um vondort entweder über Weissenburg oder über Saarbrückennach Deutschland dirigirt zu werden.

Die reiche, gesund gelegene und mit grossen, zurKrankenpflege vortrefflich geeigneten Räumlichkeiten ver-sehene Champagnestadt Epernay gelangte bald als wesent-licher Stützpunkt für die Krankenzerstreuung von dreiOperationsgebieten (Pai'is, nördlicher und südwestlicherKriegsschauplatz) zu einer grossen Bedeutung für denSanitätsdienst. Da die Entfernung dieser Gebiete von derHeimath eine sehr beträchtliche, inzwischen auch die Jahres-zeit so weit vorgerückt war, dass ein langwieriger Trans-port für den Zustand eines grossen Theiles der Krankengeradezu bedenklich erscheinen musste, so sah sich dasPreussische Kriegsministerium veranlasst, für die zahlreichenEvakuirten, denen eine längere Reise nachtheilig werdenkonnte, in Elsass - Lothringen, woselbst seit AugustGeneralgouverneure die Verwaltung leiteten', dauerndeLazaretheinrichtungen zu schaffen und zur Regelungder Krankenzerstreuung in diese Lazarethe näher beiden kämpfenden Armeen eine besondere Evakuations-kommission zu Stationiren. Zunächst ward Chalonss. M. 1 ) hierzu ausersehen; da jedoch zu derselben Zeit, alsdas Preussische Kriegsministerium die Anordnungen hier-für traf (22. Oktober), die Exekutivkommission für Truppen-transporte mit Genehmigung des Grossen Hauptquartiersvon Chalons nach Epernay übersiedelte, so wurde am25. Oktober als Sitz der neu errichteten Evakuationskom-mission gleichfalls Epernay bestimmt.

Das Generalgouvernement in Reims erhielt den Auf-trag, die genannte Kommission, welcher zwei Stabsärzte an-gehörten, in Epernay einzusetzen und mit dem nöthigenMaterial auszurüsten.

In die Krankenzerstreuung auf die Lazarethe in Prank-reich theilten sich die Evakuationskommissionen zu Epernayund die Etappenkommandantur zu Nancy bald in der Weise,dass erstere die vorwärts Nancy, letztere die zwischenNancy und der Grenze etablirten Lazarethe belegte. Zudiesem Zwecke standen die genannten Orte sowohl unter-einander, als auch mit den zu räumenden und den zu be-legenden Lazarethen in beständigem telegraphischen Ver-

i) Vergl. S. 182.

kehr. Den Grenzkommissionen in Weissenburg und Forbacllag die Zerstreuung der Kranken auf die Lazarethe &Inlandes nach wie vor ob, so zwar, dass nach Forbacli lkausschliesslich Transporte mit Norddeutschen Kranken naekWeissenburg vor Allem die mit Mittel- und Süddeutsche«beladenen Züge dirigirt wurden.

In Epernay selbst stand eine Reihe gut ausgestatteterLazarethe zur Verfügung, 1 ) welche man theils in geeignetenHäusern, theils in den grossen, luftigen und hellen Lager-räumen der zahlreichen Champagnerfabriken aufgeschlagenhatte. Eine umfangreiche Passantenstation nahm zwei dergrössten Bahnhofschuppen in Anspruch; das Theater dienteden durchpassirenden Offizieren als Unterkunft.

In geräumigen Schuppen befanden sich die in grossemUmfange errichteten staatlichen Depots, 2 ) denen sich einemit reichen Vorräthen ausgestattete Hauptniederlage dafreiwilligen Krankenpflege anreihte.

Als die Evakuationskommission in Thätigkeit trat wardas von Deutscher Seite in Betrieb genommene Bahngebietimmer noch ein verhältnissmässig beschränktes. Die Haupt-Knie der Französischen Ostbahn reichte von den Grenz-punkten Strassburg, Weissenburg und Saarbrücken bis nachNanteuil s. M. Ausserdem waren die von Chalons s. II. w,\von Epernay aus nach Reims führenden Bahnen fahrbar:von hier aus reichte der Bahnverkehr nordöstlich \$Boulzicourt bei Mezieres, nordwestlich bis Soissons. InNorden von Paris war die Linie GonesseBeauvais-Clermont in Betrieb gesetzt. Vorläufig zwar blieb letztereohne Anschluss an die übrigen Schienenstränge, nachwenigen Wochen jedoch wurde mit Erweiterung der benutz-baren Bahnlinien auch die Verbindung derselben unter-einander eine bessere. Am 21. November konnte die Ost-Linie über Nanteuil s. M. bis Lagny, die nördliche vor.Soissons bis Mitry und über Creil nach Gonesse bis dichtvor die Mauern der Pariser Forts eröffnet werden. NachSüden hin wurde die Bahnlinie Blesme Chaumont enBassigny am 7. November und die Strecke Chauinout-Chätillon s. S. am 2. Dezember, die Linie ChätillonTroye:am 7. Dezember und die Linie Chätillon Nuits so*Ravieres am 25. Dezember in Betrieb gesetzt.

Epernay lag im Mittelpunkt dieses ausgedehnten Bahn-netzes, welches die Kranken von den drei Kriegsschau-plätzen vor Paris, im Norden und Südwesten auf der StreckeParisNancy zusammenführte.

Auf diesem Netz zirkulirte ausser den vielen Kranken-transportzügen, welche besondere Lazaretheinrichtungennicht besassen, eine Anzahl wohlausgerüsteter Sanitätsziige.(Vergl. das folgende Kapitel.)

Nachdem zuerst ein Sanitätszug nach Chalons s. 51-entsandt und der Evakuationskommission in Epernay zurVerfügung gestellt war, überwies die Militär-Medizinal-

i) Vergl. S. 156 und 181.2) Vergl. S. 52.

Band I.

Abtheilnng in Kerldicklichen Befelilediglich zur Bückzu verwenden. DiEtappeninspektionmitdenLinienkomium jederzeit Samtlinien entsenden 2Entleerung der La:säinmtliche geschkommission in Ep

Sache der Gblieb es, wegen ^Evakuationskommiwelcher es oblagkominissionen die ]die Aufsicht überübernehmen, die ClAnweisungen zu vden ihr hierzu besoibetonten zu requdurch NeubeschaffMedizinal-Abtheilu

Von der GrKommissionen zuRichtung der ZugLazarethe. DieseFolge vorübergeh«die Exekutivkomnden Gefechten urtraf, dass täglichGonesse eintreffen,abgesandt und wesolle, wogegen eilabzulassen sei. Befalls nur die im tzugewiesene Stellekommission in Epdes Bedürfnissesnach Paris abzuscbausfallen durften.sich die Kommissi«

Bald aber zeihammtliche Sanitähier eine Umladurnicht was nurKarlsruhe selbst ei)Kriegsministeriumdie Sanitätszüge ii(hei Nancy) vorgesnach Paris, dem Nckommission in Epmussten sich dieeinfügen.