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IV. Kapitel: Krankenzerstreuung.
Bund
Thiaucourt—Fresnes en Voevre— Etain nach Damvillersund Stenay führenden, und der westlichen, welche auf demlinken Maas-Ufer über Thiaucourt — St. Mihiel—Clerinonten Argonne nach Varennes lief.
Zwischen beiden Linien lag die vom Feinde behaupteteFestung Verdun.
Auf diesem Wege mussten während des Vormarschesund in den ersten Tagen nach den Schlachten bei Beaumontund Sedan die Verwundeten zurückgeschafft werden. Anden genannten Orten waren Etappenlazarethe errichtet. 1 )Nach der Schlacht bei Beaumont wurde die östliche Linievon Damvillers bis Stenay, die westliche von Varennes bisBuzancy weitergeführt. Die Entfernung von Sedan bis zurEisenbahn in Pont ä Mousson betrug auf den beiden Land-Etappenstrassen 14 bis IG Meilen. Bis zum 4. Septemberwaren die um Sedan etablirten Lazarethe mit der Evakuationder transportablen Verwundeten auf die östliche Etappenlinieangewiesen, da die III. Armee auf ihrem Vormarsche nachSedan die Lazarethe der westlichen Linie mit zahlreichenKranken angefüllt hatte.
Nach den Schlachten bei Beaumont und Sedan machtesich das Bedürfniss nach Evakuation wiederum mit Machtgeltend. In und um Sedan lagen etwa 8500 Deutsche undmindestens ebenso viele Französische Verwundete. Dazu kam,dass auch in und um Sedan Typhus und Ruhr wütheten undtäglich neue Pflegebedürftige in die ohnehin überfüllten Laza-rethe führten. Ueberdies erheischte der schleunig erfolgendeweitere Vormarsch der Armeen eine alsbaldige Ablösungwenigstens eines Theiles der 31 in und um Sedan etablirtenFeldlazarethe, deren Räumlichkeiten und Pflegemittel fürdie massenhaft Zuströmenden keineswegs ausreichten. 2 )
Die Entlastung der Lazarethe durch Rückschubtransportabler Verwundeter und Kranker stiess jedoch aufbeträchtliche Schwierigkeiten. Der Bahnverkehr auf deran Sedan vorüberziehenden Bahnlinie war nach Nordwestendurch die Festungen Mezieres und Rocroi, nach Südostendurch die Festungen Montmedy, Thionville und Metz ge-sperrt; der Landtransport aber nach Pont ä Moussonerforderte eine zweitägige Reise, war daher nur Leicht-verwundeten zuzumuthen.
Unter diesen Umständen wurde durch Vermittelungder freiwilligen Krankenpflege auf diplomatischem Wegeeine Vereinbarung mit der Belgischen Regierung getroffen,wonach die Verwundeten der Deutschen sowohl wie derFranzösischen Armeen über Belgien fortgeschafft werdendurften. Kranken hingegen ward aus begreiflichen Gründendie Erlaubniss zum Passiren des Belgischen Gebietes ver-sagt. Letztere blieben somit auf die Land - Etappenlinienangewiesen. Dagegen gelang es, mit dem Kommandantenvon M£zieres eine Konvention abzuschliessen, laut welcherdiejenigen Französischen Verwundeten, deren Genesung vor-
i) Vergl. S. 136 und 151 ff.2 ) Vergl. insbesondere S. 146.
aussichtlich erst nach Monaten zu erwarten stand, U.Mezieres nach Belgien befördert werden sollten. Die Ei»schiffung derselben erfolgte unter Leitung von Deleeirt.der freiwilligen Krankenpflege in Donchery. \ V ;Deutsche Schwerverwundete zufolge Armeebefehls v»7. September 1870 auf dem Landwege nach BonilLgeschafft und von hier ebenfalls auf dem Landwege nadLibramont—Recogne und Neufchäteau dirigirt wurdenum von da über Lüttich nach Deutschland, und zwar zn,nächst nach Aachen zu gelangen. Der 53 bis 70 Kilometerlange Weg bis zu den Bahnstationen in Neufchäteau nmlLibramont—Recogne wurde von den Landfahrzeugen rjzwei Tagemärschen zurückgelegt. Bouillon diente al-Uebernachtungsstation; in Neufchäteau und Libramontwurden Verpflegungsstationen etablirt.
Auch in Aachen war inzwischen durch Anordnung derPreussischen Militär-Medizinal-Abtheilung eine Evakuation^kommission (1 Stabsarzt, 1 Offizier, 1 Delegirter der frei-willigen Krankenpflege und 1 Kaserneninspektor) nieder-gesetzt worden, welche die Vertheilung der Verwundete:auf die Reservelazarethe zu regeln hatte und am 6. S»tember in Thätigkeit trat. Auch war daselbst in der Näides Bahnhofes die Errichtung eines Krankendepots500 und eines Lazareths mit 200 Betten vorbereitet.
Da mit Rücksicht auf die Neutralität Belgiens DeutsMilitärpersonen derEintrittinBelgischesGebiet nicht gestattdwerden konnte, so stellte der Königliche Kommissardie freiwillige Krankenpflege ein Begleitpersonal n30 Heilgehilfen und 70 Krankenwärtern unter der Leimt.eines Delegirten sowie die erforderlichen Lebensmittel zurVerfügung.
Wie erwünscht diese Abzugslinie auch erscheine]musste, so hat sie doch in der Folge den Erwartung!!nicht völlig entsprochen. Abgesehen von lnkonvenienzeianderer Art machte sich bald der Uebelstand geltend, da-bei der Evakuation der Französischen Verwundeten mMezieres keine Bürgschaft dafür vorhanden war, dass d»selben nicht, anstatt nach Belgien, nach Frankreich Ufördert wurden.
Als daher am 1. Oktober in der Umgegend von Sedaisich nur noch etwa 300 Deutsche und 800 FranzösischVerwundete und Kranke befanden, deren Transportfäkigkeiüberdies erst nach längerer Zeit zir erwarten stand, anrin Brüssel, Lüttich und Namur laut Mittheilungen desNorddeutschen Bundeskonsuls in Lüttich zu derselben Zeilnur noch etwa 40 verwundete Deutsche vorhanden wäre».erfolgte seitens des Preussischen Kriegsministeriums deiBefehl zur Einstellung der Verwundetenbeförderung übetBelgien. Die in und um Sedan noch befindlichen Deutsch«und Franzosen wurden nunmehr nach eingetretener Trauportfähigkeit über Reims, Toni oder Nancy auf den 1zwischen fahrbar gewordenen Bahnlinien evakuirt.
Da bei dieser Lage der Dinge für die Evakuation. 1kommission in Aachen nur noch ein sehr beschränktes Arbeits-
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