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IV. Kapitel: Krankenzerstreuung.
Band
wagen zusammengesetzte, mit Blattfedervorrichtung und240 Krankentragen ausgestattete Züge, zum besonderenZweck der Rückbeförderung liegend zu transportirenderVerwundeter und Kranker ins Feld gesandt. Da jedochan den' Bestimmungsorten transportfähige Verwundete undKranke in der zur vollständigen Beladung der Züge er-forderlichen Anzahl sich nicht vorfanden, so waren dieZüge getheilt, nur einzelne Wagen beladen und dieseanderen Zügen zur Beförderung angehängt worden. Die aufsolche Weise vereinzelt auf den Bahnlinien umherlaufendenKrankenwagen hatte man schliesslich zum Theil bei Seitegeschoben, zum Theil nach Deutschland zurückgesandt unddort auf den verschiedensten Bahnhöfen abgestellt; nur derkleinere Theil befand sich noch in Frankreich.
Um dieses Material wieder nutzbar zu machen, ergingdaher, gleichzeitig mit einer entsprechenden Aufforderungan die Bahndirektionen, an die Evakuationskommissionen inWeissenburg und Saarbrücken der Befehl, diese Wagen zusammeln und aus ihnen, unter Zuhilfenahme etwa sonstverfügbarer Wagen geschlossene Krankenzüge herzustellen.
Der Kommission in Weissenburg gelang es verhältniss-mässig rasch, in den Besitz eines zur Bildung von dreiZügen ausreichenden Wagenparkes zu gelangen. Nachdemdiese drei Züge mit Küchen und vollständiger Lazareth-einrichtung ausgestattet worden waren, gingen dieselben als„Weissenburger Lazarethzüge No. I, II und III" im Oktoberauf den Kriegsschauplatz ab und haben im Verein mit deneigentlichen Deutschen „Sanitätszügen" an der Kranken-beförderung theilgenommen, bis sie im Laufe des Dezember1870 aufgelöst und in die Preussischen staatlichen „Sanitäts-züge" umgewandelt wurden, welche vom Dezember 1870ab bis nach dem Friedensschluss für die Krankenzerstreuungthätig gewesen sind. (Vergl. 5. Kapitel.)
Während der ganzen Dauer des Krieges blieb dieLinie Nancy—Weissenburg die Hauptlinie für die Eva-kuation. Ein bei Weitem kleinerer Theil der Transportewurde über Forbach—Saarbrücken dirigirt, ein noch wesent-lich kleinerer ging über Aachen (siehe später) und aufden Linien Luneville—Zabern—Vendenheini—StrassburgundColmar—Strassburg über Kehl 1 ) nach Deutschland zurück.Daher kommt es, dass die Zahl der über Weissenburgbeförderten Kranken diejenigen der übrigen Grenzstationenweit übertrifft. Die Gesammtzahl der über WeissenburgEvakuirten beträgt rund 147 000 Mann und vertheilt sichauf die einzelnen Monate in folgender Weise:
September 1870 etwa 24000 Kranke und Verwundete,
Oktober
1870
n
25 750
November
1870
,
21430
Dezember
1870
71
14900
Januar
1871
n
10 450
Februar
1871
n
20000
März
1871
n
22 000
April
1871
0
8000
Summe:
146 530
*) Vergl. „Südöstlicher Kriegsschauplatz" in diesem (4.) Kapitel.
Der Geschäftsumfang auf dem Bahnhofe Weissenbur»nahm so sehr zu, dass es dem Stabsarzt der EvakuationsKommission nicht möglich war, gleichzeitig den Dienst indem in der Stadt aufgeschlagenen Etappenlazareth mit nversehen. Das Lazareth hatte nicht auf dem Bahnhof selb»etablirt werden können, weil sämmtliche von einem Bare-rischen Proviantmagazin mit Beschlag belegten Speicherder Station erst im Laufe von Monaten allmälig geräumtwerden konnten. Es wurde deshalb für das in der Stadtgelegene Etappenlazareth (früheres Französisches Garnison-lazareth, College und Elementarschule) besonderes Personalherangezogen, 1 ) dessen Thätigkeit in Folge der sich all-mälig ansammelnden, als nicht transportfähig ausgeladenenKranken und Verwundeten eine grosse Ausdehnung gewann.
Besonders anstrengend war der Dienst der Evaluation*kommission in Weissenburg dadurch, dass er sich vorwiegendzu einem in die späten Abend- und Nachtstunden fallendengestaltete.
Die langsame Beförderung der Transportzüge hatte zurFolge, dass letztere in der Begel nach Mitternacht bisMorgens 2, auch 3 Uhr in Weissenburg eintrafen.. Es wardaher nothwendig, bei Fackellicht die Züge abzusuchen unddie nöthige Hilfe zu leisten. Natürlich litt unter diesenerschwerenden Verhältnissen die Sichtung und Ordnung derTransporte.
Eine Verlegung der Evakuationskommission nach Lune-ville, welche in vieler Hinsicht Vortheile geboten hätte,liess sich aus verschiedenen Gründen nicht bewerkstelligen,
Die zweite Evakuationskommission hatte in der ersterZeit nach ihrer am 31. August erfolgten Errichtung ihrenStandort in der Stadt Saarbrücken. Gerade in den erstenTagen nach ihrem Eintreffen daselbst (3. September) war daAndrang Verwundeter und Kranker von der Einschliessimg--Armee von Metz her ein so bedeutender, dass die Etappenbehörden in Saarbrücken die daraus erwachsenden Geschäftenicht mehr zu bewältigen vermochten. Die Räumlickkeiteiam Bahnhofe waren so unzulänglich, dass mehrfach Ruhr- um;Typhuskranke auf dem Bahnhofsdamm übernachten musstenDie Kommission wurde deshalb angewiesen, ungesäumt einKrankendepot für 500 und ein Lazareth für 200 Lagersteitain unmittelbarer Nähe des Bahnhofes herzurichten. Wenn esauchbaldgelang, in dieKrankentransporte Ordnung zu bringen.so erwiesen sich doch die in Saarbrücken vorhandenen Bäum-lichkeiten zu beschränkt, um dem Bedürfnisse auf die Dauergenügeii zu können. Dagegen waren am Bahnhofe Forbactzwei geräumige Güterschuppen verfügbar, welche als La-zareth- und Krankendepot eingerichtet werden konnten,Mit Rücksicht darauf, dass bei der geringen Entferne»der Stadt Forbach eine Störung des dienstlichen Verkehrszwischen dem gleichzeitig als Mitglied der Linienkommissioiin Saarbrücken fungirenden und daselbst stationirten Eise»bahnbeamten einerseits und den übrigen Mitgliedern der
BiukI 1.
Evakuationskommisym-de die Kommiss:Mitgliedes am 10.verlegt. Nach derdie Verlegung derPlan jedoch wiede:uuisste, dass die 1gleichen Schwieriglj„ Saarbrücken, unauch den Bahnbeaisiedeln zu lassen.
Ueberdies blie-clieiiswerth, die Eiler vaterländischenauch deshalb, um ckehrs mit der Centhing in Berlin, nie]
Die ThätigkeiAnfange Vorzugs wejenigen Theil der Idas rechte Mosel-U:rmgehmigsbalin Rvon Nancy her Kraiwerden. Als imlmtzimg des Bahnmimmer grössere Ausbigsweise den Kran]icirbs operirenden
IY. Vormars
!) Vergl. S. 100.
Während desnach Norden verfügselben zusammen oEtappenstrassen, damit dem raschen "Vgreiflicherweise nie]Die III. Armeeind durch Lothrinbenutzt. Die nördnach Saarunion, Con Hagenau überiune'ville. Zweigli:ach Zabern und di<isenbahn — verbaiBahnlinie Strassburi
StaitUa-Berieht über .1