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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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IV. Kapitel: Krankenzerstreuung.

gerem Grade auch die Reservelazarethe in Hessen-Nassauund Thüringen betraf, hatte die Preussische Militär-Medizinal-aljtheilung am 14. August zwei Stabsärzte mit der Aufgabebetraut, sämmtliche im Westen befindliche Lazarethanstaltenzu bereisen und alle transportfähigen Verwundeten undKranken unverzüglich nach weiter östlich gelegenen Reserve-lazarethen überführen zu lassen. Diese Maassregel schafftebereits in der zweiten Hälfte des August im Westen wiederRaum für die Aufnahme neuer Transporte.

Mittlerweile brachten, während die Feldlazarethe vorMetz trotz der weitgetriebenen Evakuation mit Verwundetenaus den grossen Schlachten noch immer überfüllt waren,die kleineren Vorposten- und Ausfallgefechte täglich neuenZugang.

Die Schlacht bei Noisseville (31. August und 1. Sep-tember) verursachte ein abermaliges plötzliches undbeträchtliches Anschwellen der Zahl der Verwundeten.

Dazu kam, dass die Einschliessungs-Armee von Typhusund Ruhr heimgesucht war, und dass der anstrengendeDienst im Verein mit der nasskalten Witterung den Kranken-stand bei den Truppen überhaupt gewaltig in die Höhetrieben.

Bald nach den Schlachten brach überdies in den La-zarethen Pyämie und Septicämie aus; zugleich mehrten sichdie Fälle der Uebertragung von Typhus und Ruhr inner-halb der Lazarethe.

Unter diesen Umständen musste das Armee-Ober-kommando auch weiterhin darauf bedacht bleiben, fürthunlichste Entleerung der Lazarethe Sorge zu tragen. 1 )

Als jedoch nach und nach die Lazarethanlagen inNancy 2 ) und Pont ä Mousson 3 ) immer grössere Ausdehnunggewannen und es sich mehr und mehr herausstellte, dassbesonders für Typhus- und Ruhrkranke längere Reisenbedenklich wurden, traf das Armee-Oberkommando am10. September die Anordnung, 4 ) dass nicht weit trans-portirbare Kranke und Verwundete der Truppen vor Metzmöglichst auf den verfügbaren Transportwagen der Sanitäts-detachements nach Pont ä Mousson und von da weiter aufder Bahn nach Nancy geschafft werden sollten. Von hieraus gelangten dieselben erst, wenn ihre Weiterschaffung an-gemessen erschien, auf der Bahn, und zwar anfangs aus-schliesslich über Weissenburg, später (nach Fertigstellungder Umgehungsbahn Pont ä MoussonRemilly am 23. Sep-tember) direkt von Pont ä Mousson oder ebenfalls vonNancy aus auch über Saarbrücken nach Deutschland.

Unter dem 22. Oktober wurde die Evakuation derRuhr- und Typhuskranken vor Metz durch Armeebefehl 5 )noch weiter beschränkt, insbesondere der Transport derselbenauf weite Strecken ausdrücklich nur dann für zulässig

i) Vergl. S. 125.

2) Vergl. S. 148 bis 150.

3 ) Vergl. insbesondere S. 131.

4) Vergl. Beilage 67.

5) Vergl. Beilage 68.

erklärti, wenn Sanitätszüge zur Verfügung ständen, r»,dieselbe Zeit (25. Oktober) sah sich auch die Preu*Militär-Medizinal-Abtheilung veranlasst, für die Evakuatä»von Kranken der erwähnten Art besondere Vorsichtsmaa-regeln anzuordnen. 1 ) Während der zweiten Hälfte derEinschliessung von Metz wurden daher die meisten der-artigen Kranken theils in den Feldlazarethen um Jl et!theils in den Kriegslazarethen zu Nancy und Pont ä Mou.-,,bis zum völligen Ablauf des eigentlichen Krankheitsprozes-i-verpflegt.

Wie aus dem Gesagten hervorgeht, haben drei Ortefür die Krankenzerstreuung vor Metz eine besondere Be-deutung erlangt: in der ersten Zeit der Cernirung Remillyund Pont ä Mousson, später Nancy.

Hörte Remilly auch glücklicherweise am 23. Septem-ber auf, einzige Verladungsstelle zu sein, so blieb doch diedortige Bahnstation bis nach dem Falle von Metz der Ein-schiffungspunkt für alle Transporte aus den auf dem rechtenMosel-Ufer etablirten Lazarethen.

Pont ä Mousson war schon am 15. August Etappen-hauptort der IL Armee, am 25. August Endstation des toiWeissenburg heranführenden Schienenstranges, am 23. September zugleich Endpunkt der nordöstlichen Bahnlinie ge-worden. (Vergl. oben.) Die Zahl der bis zum 5. Oktober1870 über Pont ä Mousson abgesandten Kranken betnrund 30 000 Mann.

In der ersten Zeit musste man alle leichter Ver-wundeten von Pont ä Mousson aus auf Landfahrzeuganach Remilly, später nach Nancy befördern. Als die Bistrecke Pont ä MoussonNancy in Betrieb gestellt war(25. August), wurden die Transportfähigen theils zu Fustheils auf Wagen zur Bahn gebracht und fuhren von hierzunächst in Eisenbahnwagen 2. oder 3. Klasse oder mitHeu- und Strohschüttung versehenen Gepäckwagen weiterDer 1. (Württembergische) Sanitätszug traf in Pont ä Mottssoram 2. September 1870 ein.

Der dritte für die Krankenevakuation von Metzwesentlich in Betracht kommende Ort war Nancy, die ersteoffene grosse Stadt an der Heerstrasse, welche von derRheingrenze aus nach der Französischen Hauptstadt führtzugleich am Ausgangspunkt der von der Mosel nach denGebiet der oberen Saone und der oberen Seine hinziehen-den Strassen gelegen.

Dieser Umstand und der Reichthum des Ortes au grossen,gesunden Gebäuden, die vielen Hilfsmittel aller Art, welchedie Stadt sowohl, als das fruchtbare Lothringen überhauptzu liefern vermochte, machten Nancy zum Haupt-Stützpunktefür die rückwärtigen Verbindungen der Deutschen Heerebesonders geeignet.

Dazu kam, dass Nancy bald nach Beginn der Ein-schliessung von Metz Endpunkt der einen, später mit Pontä Mousson und Remilly Knotenpunkt beider von der

Vergl. Beilage 69.

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Vergl. S. 147.