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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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IV. Abschnitt: Krankenzerstreuung.

Verladestation Remilly Verwundete und Kranke in über-wältigender Menge sich anstauen mussten. In der Thatströmten vom 18. August an in Pont ä Mousson und Remillyfünf Tage und vier Nächte hindurch die Transporte vonallen Seiten her zusammen. Von einer Benachrich-tigung seitens der Feldlazarethe, wie viele, welcherlei Artenvon Verwundeten und wann diese eintreffen würden, konntenicht die Rede sein, ebensowenig von detaillirter tele-graphischer Mittheilung an den Etappen - Hauptort, da inWahrheit ein ununterbrochener Wagenzug stattfand. Mankonnte nur melden:Es werden unaufhörlich Verwundeten-Transporte folgen." Ganz Remilly stellte ein einzigesEtappenlazareth dar, nach welchem die Verwundetenmit Ausnahme der verhältnissmässig Wenigen, welche inden Krankenwagen der Sanitätsdetachements Platz fandenmeist auf zweirädrigen, mit Strohschüttung versehenenLandfahrzeugen gelangten. Im Orte selbst gab es für dieMeisten nur nothdürftige, für Viele gar keine Unterkunft.Zahlreiche Verwundete lagen in strömendem Regen unterfreiem Himmel, weil es an Gebäuden fehlte, um Alle unterDach zu bringen, während es sich als unmöglich erwies,auf der mit Kriegstransporten jeder Art überlasteten Bahndie Tausende sogleich zu evakuiren.

Diese Zustände in Remilly während der Tage vom19. bis 23. August und die stürmische Evakuation nachden Schlachten vor Metz überhaupt sind derjenige Punkt inder Sanitätsgeschichte des Krieges von 1870/71, anlässlichdessen hauptsächlich schwere Vorwürfe gegen die Chefärzteder Feldlazarethe und gegen die oberen Sanitätsbehördender betreffenden Armeen erhoben worden sind. Ob es denVerwundeten und Kranken selbst zu grösserem Heile gereichthätte, wenn sämmtliche Verwundete, nahezu 33 000 Deutscheund eine entsprechende Zahl Franzosen, welche nach denSchlachten vom 14., 16. und 18. August alle Ortschaftenin der Nähe der Schlachtfelder füllten, zunächst daselbstbelassen und die darunter befindlichen Transportablen nurlangsam, in demMaasse, wie die Bahn Transporte aufzunehmenvermochte, nach rückwärts gesandt worden wären, mussfreilich dahingestellt bleiben, darf jedoch mit Fug bezweifeltwerden, um so mehr, da auch in jenen Orten Mangel anausreichenden Unterkunftsräumen das hauptsächlichsteHinderniss einer genügenden Beistandsleistung bildete. 1 )Nicht minder darf bezweifelt werden, dass ein auch nurzeitweiliges Verbleiben einer so ungeheuren Zahl Ver-wundeter und der nicht wenigen Kranken, welche bereitszu jener Zeit den Lazarethen zugingen, in unmittelbarerNähe der Heere ohne nachtheiligen Einfluss auf denGesundheitszustand der Letzteren geblieben wäre. DerUmstand, dass innerhalb fünf Tagen drei gewaltige Schlachten darunter die beiden blutigsten des gesammten Feld-zuges geschlagen wurden, und dass zu dieser Zeit eine

1 ) Vergl. Sehlacht bei VionvilleMars la Tour und bei Grave-lotteSt. Privat im 3. Kapitel (S. 110 bis 113 nud 114 bis 121).

einzige Eisenbahn zu Gebote stand, musste Verhältnis.herbeiführen, welche nur die Wahl zwischen zwei Uebelnübrig Hessen: einerseits einer Ueberfüllung der Ortschaft«in der Umgebung der Schlachtfelder, welche VerwundeteKranke und Gesunde gleichmässig mit den schwersteGefahren bedrohte, anderseits einer umfangreichen Eva-kuation, welche diese Gefahren für die zurückbleibend«Verwundeten, Kranken und Gesunden zweifellos vermin.derte, ohne dass mit Sicherheit behauptet werden kanndie Uebel und Gefahren, welchen- der Transport unter denobwaltenden Verhältnissen die Zurückgesandten allerdin«,aussetzte, seien schlimmere gewesen als diejenigen, welchesie im Falle des Verbleibens ebenfalls zu erdulden gehabthätten.')

) Nachdrücklicher als alle theoretischen Erörterungendemonstriren einige Zahlenverhältnisse denjenigen Umfang inwelchem nach den Schlachten vom 14., 16. und 18. August umjeden Preis evakuirt werden musste.

Die Zahl der Deutschen Verwundeten aus diesen Schlachtenbetrug (nach Abrechnung der am Tage der Verwundung Ge-storbenen) rund 33 000 Mann. Nimmt man, unter Zugrunde-legung des durchschnittlichen Prozentsatzes an, dass 6 pCt. der-selben wegen Geringfügigkeit der Verwundung keiner Lazarettbehandlung bedurften, so blieben immer noch gegen 31000 Mamin Lazarethen unterzubringen. Dazu kommen mindestenin Deutschen Sanitäts-Anstalten behandelte Franzosen. In denvon Deutschen besetzten Ortschaften waren somit sehr nahe an34 000 Verwundete zu verpflegen. Von allen Denjenigen, welchnur Worte des Tadels für das nach den in Rede stehend»Schlachten von der Sanitätsleitung bei den Deutschen Heereneingeschlagene Verfahren haben, hat Keiner die Frage beant-wortet oder auch nur ernstlich erörtert, wo für eine solche Zahlin den durch Feuersbrünste, Geschosse und Strassenkärupfe ver-wüsteten Ortschaften Unterkunftsräume nicht etwa zuVerwundetenbehandlung geeignete, sondern nur überhauptUnterkunftsräume augenblicklich gewonnen werden sollten.Desgleichen wird die Frage der Ernährung (vergl. S. 121! m::Stillschweigen übergangen.

Das Personal und Material eines Norddeutschen Fell-lazareths war auf 200 Kranke berechnet unter dem Vorbehaltdass dasselbe nöthigenfalls auch für 300 bis 400 Mann eineZeit lang ausreichen müsse. Thatsächlich sind während daKrieges 1870/71 (vergl.Beilage 61) nicht selten 500 bis 600Man<und darüber in einem einzigen Feldlazareth gleichzeitig behandeltworden; immer aber war dies doch eben nur unter der VoranSetzung einer schleunigen Rückwärtssendung der Hälfte derAufgenommenen möglich. Nimmt man 300 Verwundete (dar-unter viele Schwer verwundete) als diejenige Grenze an, Li-zu welcher die Kräfte des Personals eines Feldlazareths, soferndas Material zur Verwundetenpflege in ausreichender Mengeersetzt werden kann, allenfalls auch für längere Zeit zu an-gemessener Pflege befähigt ist, so ergiebt sich, dass 113 Feld-lazarethe erforderlich gewesen wären, um jenen 34000 Ver-wundeten an Ort und Stelle genügenden Beistand zu sichernDie an den Schlachten vom 14., 16. und 18. August betheiligtenvor Metz als Einschliessungs-Armee verbleibenden 7 Armee'korps besassen etatsmässig 84 Feldlazarethe und 21 Sektion!Lazareth-Reservepersonal, von welchem Letzteren eine Sektionfalls ihr Material zu Gebote steht, einem Feldlazareth gleit!erachtet werden kann. In Summe gehörten also etatsmäsaizur Einschliessungs - Armee 105 Feldlazarethe oder letzterei

Band 1.

Diese naheliegdas Oberkommando

gleich zu setzende 1der Schlachten vor 1Opfer der Schlacht bder II. Armee an deden 21 etatsmässigeilanden sich in jenerdenjenigen ArmeekorZahl von Aerzten des(vergl. S. 6), die Forliehe SchwierigkerterEtappeninspektionenZeit 3 ebenfalls anS. 106 und 107, sov*läge 62). Von den 1'Armee sind danachsomit 86.

An der Schlaclausser den die spätereverbänden auch daskorps Theil genomm19. August seine sänMetz zurück (vergl.blieben zunächst daswelchem nur 5 schbrechtzeitig, um auf dgenügenden Sanitätsmit dem XII. Arme«sich bei Sedan als äiI) Sektionen Lazareth-korps waren damalsnoinmen (vergl. S. 10der Einschliessungs-,rethe anderer ArmeHätten diese sämmtlpflege widmen könne300 Mann pro LazaiVon den 34 000 derselbst in diesem Fallliehst schnell nach rden Zurückbleibendewerden sollte.

In WirklichkeitLinie) für die VeiSchlachten vor MetzReservepersonal, som(vergl. S. 106, 113 unkorps) blieben somiitaten übrig. Bis zudem 14. eingerichtcweil eben Mangel anVerwundeten zwangPersonal aller nichtgeblieben, sondern zherangezogen wordeiVerwundetenpflege etlegung der mehrerpro Lazareth zusamisomit unerlässlich,jedenfalls nicht weniDabei verdientin jener ersten Pericausgegangenen Aktii