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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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dem Tage seiner Ablösung, geworden sind. 105 Mann hinter-liess das Personal dem ablösenden Feldlazareth.

Weiter westlich befanden sich in Chälons sur Marneschon seit September 1870 für kranke Franzosen einge-richtete Lazarethaustalten, von welchen ebenfalls eine Anzahlvorgefunden wurde.

Die Ecole des arts (280 Betten), sehr gut geeignet; imOktober wurde die Zahl der Betten vermehrt, als ungünstigereLokale geräumt werden mussten. Die 1. Sektion Lazareth -Reservepersonals VI. Armeekorps übernahm dort am 16. Novemberden Dienst unter Oberaufsicht des Etappen-Stabsarztes, welcherfür die einheitliche Leitung Sorge trug. Am 12. März 1871gab das Lazareth der Schulbehörde einige Säle zu Lehrzweckenzurück, ebenso im April, je nachdem die fortgesetzte Verminderungdes Krankenbestandes es erlaubte.

Die Ecole normale (45 Betten) wurde im November derSchulbehörde zurückgegeben.

Das Grand Seminaire (21 Betten), mit kleinen zellenartigenZimmern, welche nicht genügend geheizt werden konnten, wurdeim Oktober geschlossen.

Das Petit Seminaire (40 Betten) lag weit vor der Stadt,war hygienisch ungünstig und wurde im Oktober geschlossen.

Das Quartier des freres, ein ungenügend heizbarer Kaum,wurde im Oktober geräumt aus Mangel an Wartepersonal.

Hotel Dieu, das Civilkrankenhaus mit 121 Betten, wurdeam 11.Februar 1871 mit einem Krankenbestande von 127Krankendurch das Lazareth-Keservepersonal VI. Armeekorps übernommen,welches am 21. März 1871 das Hospital an das 4. Württem-bergische Feldspital abgab.

Vom 22. Mai bis 4. Juni 1871 behandelte das 3. FeldlazarethIII. Armeekorps die Kranken und Verwundeten im Hotel Dieuund hatte in dieser Zeit einen Zugang von 138 Mann, grössten-theils leicht Erkrankten. Einen Bestand von 111 Krankenübergab es am 4. Juni der 2. Sektion Lazareth-ReservepersonalsIII. Armeekorps, welche bis zum 18. Juni daselbst thätig warund ebenfalls fast ausschliesslich Leichtkranke zu behandelnhatte. 51 Kranke übergab die Sektion dem 2. SanitätsdetachementIII. Armeekorps, welches bis 19. Juli etablirt blieb und seinenBestand von 73 Mann dem ablösenden 7. Feldlazareth III. Armee-korps übergab.

Asyle des alienes (51 Betten), sehr gut; das günstige Asylede la salle Doulcet (48 Betten) musste im Januar aufgelöstwerden, da es nicht geheizt werden konnte.

Asyle de la salle Gosserez (16 Betten), zu kalt, sonst gut,musste schon im Oktober geschlossen werden.

Salle Eulalie (45 Betten), recht geeignet, wurde am21. Februar mit 21 Kranken vom Lazareth-ReservepersonalVI. Armeekorps übernommen, geschlossen am 5. März 1871wegen Verminderung des Krankenbestandes und zur Verein-fachung des Geschäftsbetriebes.

Der Convent (9 Betten), wegen ungenügender Heizungs-vorrichtung im Oktober geschlossen.

Asyle de St. Joseph(8Betten), sehr gut; im Februar aufgelöst.

Ecole mutuelle, zu 200 Betten eingerichtet, für Passanten;eine Verbandstation am Bahnhofe.

Drei Baracken auf dem Bahnhofe, auf 200 Passantenberechnet, verloren durch Verlegung der Evakuations-Kommission nach Nancy und Epernay bald ihre anfänglicheBedeutung und wurden im November für leichte Lazaretk-kranke zu je 40 Betten eingerichtet. Störung verursachtehier die Nähe des Bahnhofsverkehrs. Endlich kam im Januarnoch hierzu die Kaserne St. Jacques, welche, nach der

Brückensprengung bei Fontenoy zur Aufnahme von Passanteneingerichtet, später als syphilitische Station verwerthetwurde. (250 Betten.)

Die Lazareth-Einrichtungen in Chälons besassen imSeptember 844 Betten, im Oktober 700, im November 809im März 640, im April 220 und im Mai 214 Betten. DerKrankenzugang war bis zur Einrichtung der Evakuations-Kommissionen in Epernay im November durch die bis dahinzuströmenden Passanten beträchtlich; letztere kamen wochen-lang täglich zu Hunderten an. Die grössere Hälfte desZugangs betraf innerlich Kranke, unter denen anfängliehTyphus und Ruhr überwogen. Der Verwaltung erwuchsenbesondere Schwierigkeiten aus dem Umstände, dass Aerztevieler Länder in den dortigen Lazarethen gleichzeitig thätigwaren; dieselbe lastete anfangs ganz allein auf dem Etappen-Stabsarzte, welchem erst Ende Oktober ein Rendant und am16. November das Lazareth-Reservepersonal VI. Armee-korps zu Hilfe kamen.

Das vom 16. November bis 1. Juli 1871 daselbst thätiggewesene Lazareth-Reservepersonal VI. Armeekorps hat138 Verwundete und 2590 Kranke behandelt.

Südöstlich Chälons, in Vitry le Francais, war bereitszwei Tage nach Kapitulation der kleinen Festung', am27. August, von einem Preussischen Civilarzte ein Etappen-lazareth eingerichtet worden, welches durch seine Lage ander Bahn EpernayNancy grosse Bedeutung gewann.

Zu Lazarethzwecken wurde in erster Linie verwandt:

Das grosse Hauptkrankenhaus Hotel Dieu, ein Kloster derBorromäerinnen, in welchem sich eine Waisenanstalt, ein Asylund ein Findelhaus befanden. Das sehr weitläufig gebauteKloster nahm fast ein Stadtviertel ein und lag an drei massigbreiten Strassen. Sämmtliche Gebäude waren einstöckig dieHauptgebäude massiv, die Nebengebäude mit Fachwerk gebautund umschlossen fünf verschieden grosse, zum Theil mit gutgepflegten Gartenanlagen versehene Höfe. Ausserdem warenin einer '/* Meile von der Stadt auf freiem Felde gelegenenZuckerfabrik zwei Säle mit 46 Kranken belegt, welche in denreichlich ventilirten hohen Räumen sehr gute Unterkunftfanden; es stellte sich jedoch Ende September das Bedürfnis!heraus, wegen der eintretenden Kälte den grössten Theil derKranken von dort wegzunehmen; der Rest folgte im Oktober;das Gebäude blieb seitdem für Nothfälle offen. Dafür wurdeein zweites Kloster, die Ambulance du Couvent, eingerichtet,Die Einrichtung der Ambulanz wurde durch Requisition bei derMairie, zum Theil auch durch die freiwillige Krankenpflegebesorgt. Grosse Schwierigkeiten verursachte bei dem strengenWinter die Heizung; dieselbe konnte nur unvollkommen durchAufstellung eiserner Oefen bewirkt werden. Die Verpflegungder Kranken wurde im Hotel Dieu und in der Ambulance duCouvent ganz von der Verwaltung des Hotel Dieu geleistet.An Warte- und Pflegepersonal standen zur Seite die zuverlässigenund thätigen Borromäerinnen des Hospitals und von der Stadtgestelltes Personal, welches jedoch grösstentheils aus unbrauch-baren Leuten bestand. Der Gesammtzugang (meist Typhus-und Ruhrkranke) betrug 1951 Mann.

In Commercy, einem östlich Vitry le Francais an derMaas und der vorgenannten Eisenbahnlinie gelegenenStädtchen, wurde zur Pflege durchpassirender Kranker am

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