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Band I.
VI. Abschnitt: Bewegungen der III. und Maas-Armee nach der Schlacht bei Sedan, Einschliessung von Paris etc.
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Krankenwärter nebst zwei Studirenden der Medizin zur Seitestanden; bei starkem Andränge konnte dieses Personal alleinden Dienst nicht bewältigen; es wurden daher zeitweilig vonder Garnison Hilfswärter kommandirt. Der Krankenzugang be-stand, der Bestimmung des Lazareths entsprechend, fast nur ausden von leichteren Wunden und schweren inneren Krankheiten,besonders Typhus und Ruhr, Genesenden; nur ausnahmsweisekamen Schwerkranke zur Aufnahme. Die Langwierigkeit derRekonvaleszenz nach den genannten Infektionskrankheiten be-dingte gleichwohl, dass die meisten Behandelten auch vonChäteau Thierry aus nicht zu ihrem Truppentheil entlassenwerden konnten, sondern weiter evakuirt werden mussten. Vom28. Januar bis 30. März 1871 sind 53 Verwundete und1190 Kranke aufgenommen, davon 462 der Heilung zugeführtworden.
Ausser den durch die früher erwähnten Feldlazaretheauf (lern Vormärsche der 111. Armee geschaffenen Lazareth-einrichtungen waren, ebenfalls für die zurückbleibendenKranken der vorrückenden Armee, noch durch zwei kon-traktlich engagirte Civilärzte am 16. September in Coulom-miers (Endstation der Bahn Paris — Tournan) und durchAerzte der freiwilligen Krankenpflege mit zugehörigemPersonal in La Fertö sous Jouarre (einem Städtchen auder Bahn Paris — Epernay) Etappenlazarethe eingerichtetworden.
In Coulommiers lagen die Verhältnisse günstig, insbesonderegab es vorzügliches Quellwasser in reichlicher Menge. In Laza-rethe wurden anfänglich vier von ihren Besitzern verlassene,wohl eingerichtete, ausserhalb der Stadt in gut gepflegtenGärten gelegene Häuser umgewandelt. Drei Häuser (126 Bettenin 31 Zimmern) wurden für die Aufnahme von Mannschaftenbestimmt, während in einem vierten Gebäude 5 Zimmer fürOffiziere vorbehalten blieben. Dieselben genügten jedoch nichtfür den massenhaften Andrang der Kranken, welche deshalbzum Theil in dem Palais de justice untergebracht werdenmussten, einem hygienisch wenig geeigneten Baume. Nachmalswurde das Palais nur noch als Verbandstation für die Passantenbenutzt. Als Uebernachtungsstation für Passanten hatte mangleich in den ersten Tagen noch das sogenannte Asyle et Ecoleeingerichtet, welches späterhin von Bayerischen Aerzten über-nommen, nach deren Abgang jedoch wegen seiner höchst un-günstigen Lage und Beschaffenheit sofort aufgegeben wurde;dafür richtete das Etappenlazareth im Theater, Gefängniss, ineinem Mädchen-Pensionat und endlich in einer KommunalschuleUebemachtungsstationen für 500 Mann ein. Pockenkrankewurden sofort in das städtische Spital gebracht. Den ärztlichenDienst nahmen — abgesehen von den lediglich im BayerischenSpitale thätigen Aerzten — anfangs nur zwei Aerzte wahr, welchedem beschwerlichen Etappendienst — es passirten Coulommiersl)is Mitte November täglich durchschnittlich 200 Mann — nebendem Lazarethdienst oblagen. Mitte November kam ein Depotder freiwilligen Krankenpflege mit 4 Aerzten und 31 Pflegernnach Coulommiers, welche den Etappendienst selbstständig weiterversahen. Der Pflege- und Wartedienst wurde in der erstenZeit von vier Studirenden des Friedrich-Wilhelms-Instituts undBayerischen Mannschaften versehen. Die Beköstigung derkranken erfolgte im Wege der Requisition durch die Stadt,welche anfangs auch für die Passanten-Beköstigung aufzukommenhatte. Von Mitte November an lieferte die Stadt nur nochHeisch und Brot in natura, während sonstige Bedürfnisse ausden Magazinen gedeckt wurden. Der Krankenzugang war inQer ersten Zeit bedeutend; insgesammt wurden bis 1. März
950 Kranke, einschliesslich der von dem Bayerischen SpitalUebernommenen verpflegt.
In La Ferte sous Jouarre dienten zu Lazarethzweckenanfänglich drei Häuser: das städtische Hospital, die Ecole Bazin,ein ziemlich günstig gelegenes und leidlich hygienisch einge-richtetes Haus, dessen grosse luftige Säle zum Theil als Nacht-station verwendet wurden, endlich die Succursale, ein grösseresGebäude mit massigen hygienischen Verhältnissen, welches baldverlassen wurde. Grösserer Zugang fand noch am 25. Januar1871 dadurch statt, dass die zur Evakuation nach Deutschlandbestimmten Kranken (118) wegen der Brückensprengung beiToni nicht weiter gelangen konnten. Dieselben wurden, soweitmöglich, im Spitale und dem grossen Saale der Ecole Bazinuntergebracht, ein Rest von 22 Mann in Bürgerquartiere gelegtund von dem Lazareth aus verpflegt. Sogleich nach Wieder-eröffnung des Verkehrs fanden grössere Evakuationen statt,vermöge welcher das Lazareth wieder auf seinen geringenKrankenbestand zurückging. Die Mehrzahl der Lazarethkrankenlitt an inneren Leiden; dieselben überwogen auch der Schwereder Erkrankung nach die Verwundeten, deren Weitertransportnur sehr selten aufgeschoben zu werden brauchte. Die Ver-pflegung erfolgte durch die Mairie, welche Fleisch und Brotliefern musste, und durch das Depot der freiwilligen Kranken-pflege, welches für die übrigen Bedürfnisse aufkam. Vom15. Oktober bis 27. Februar 1871 wurden hier 43 Verwundeteund 394 Kranke behandelt.
Im Verlaufe der Einschliessung machte sich, als dieEvakuation grösseren Umfang annahm, die Nothwendigkeitgeltend, zwischen den bereits bestehenden EtappenlazarethenKranken-Zwischenstationen anzulegen. Zu solchen wurdenauf der Etappenlinie der III. Armee die Städte Tournanund Nogent TArtaud, auf derjenigen der Maas-ArmeeDammartin und Lizy sur Ourcq ausersehen. Später kamenals Haupt-Evakuations-Stationen noch Gonesse und Lagnyhinzu.
In dem Etappenorte der III. Armee, Tournan, südöstlichParis, waren schon seit Anfang Oktober Bayerische und frei-willige Aerzte thätig gewesen, um die zahlreichen Passantenzu pflegen oder Schwerkranke in eingerichteten Lazarethräumenzu behandeln. In den ersten beiden Monaten wurden 3400Passanten gelabt und verbunden, sowie 349 Personen in dieLazarethe aufgenommen. Die Räume in der Stadt genügtenmit nur sehr wenigen Ausnahmen hygienischen Anforderungennicht. Nichttransportable Kranke wurden daher, wenn irgendmöglich, in das vorzüglich geeignete Schloss Pereire übergeführt;31 Kranke verblieben unter Behandlung eines FranzösischenArztes in der Kommunalschule, in welcher barmherzigeSchwestern thätig waren. Letzteres Lazareth wurde überdiesvon der Societe internationale und einer Französischen Damereich ausgestattet. Die sonstigen früher benutzten Räumeblieben für die zahlreichen Passanten in Benutzung. Sehr er-schwert war der Dienstbetrieb durch den Mangel an Warte-und Pflegepersonal, die von der Garnison gestellten Wehrleutezeigten sich sämmtlich ungeeignet; die allgemeinen hygienischenVerhältnisse — in Tournan herrschte der Typhus — waren biszum Dezember hin ungünstig und übten auf Kranke wie Ver-wundete schädlichen Einfluss aus. Während seiner Thätigkeitvom 26. November 1870 bis 27. Februar 1871 nahm das Laza-reth insgesammt für längere Zeit auf 531 Mann, darunter88 Verwundete (35 Franzosen) und ebensoviele Typhus- undRuhrkranke.
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