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durch Nichtbefriedigung ist gewiss bei Homosexaalennicht stärker anzunehmen, als bei der Enthaltsamkeit derHeterosexualen. Wie viele Menschen müssen in Keusch-heit und Abstinenz leben, wie viele thun es freiwilligund aus Ueberzeugung und sterben nicht blos nicht daran,sondern empfinden nicht den mindesten Schaden, eherkörperliche und geistige Erfrischung! Und so wird esauch ferner der Fall sein. Giebt es etwa keine Pflichtder Entsagung? Hat das sustiue ac abstine des ethischenCanons der Stoiker keinen Wert und keine Bedeutungmehr gegenüber gewissen naturwissenschaftlichen Be-obachtungen moderner Theorien?
Wie viele junge Leute sind schon verdorben wordendurch das unwahre Dogma, dass die Befriedigung desGeschlechtstriebes unwiderstehlich und zur Gesundheitnötig sei. Dürfen denn, frage ich, die Vielen nicht auchgezählt und gegenüber gestellt werden, welche, ohne jenesDogma zu kennen, bis zur Verheiratung keusch blieben?Wären alle jene für nichts zu achten, welche nur ausAchtung vor sich und vor ihrem künftigen Weibe, aufdem nicht die levissima nota maculae haften soll, auchihrerseits keusch bleiben wollen, weil sie es anders nichtmit ihrem Charakter ertragen?"
Dem gegenüber steht aber auch heute noch eine rechtansehnliche Menge von Autoritäten, welche glauben, dassdnsdauernde Zurückdrängen einer mächtigen natürlichen Be-giei'de auf Körper und Geist verderblich wirken könne,dass die Erfüllung eines Naturtriebs eine Naturnotwendig-keit sei, einige verweisen dabei auf das in seiner Ernährungund Psyche oft so stark beeinträchtigte Wesen, welches mangemeiniglich als „alte Jungfer" hezeichnet. Ein englischerArzt zählt eine ganze Reihe von nervösen, psychischenund somatischen Störungen auf, welche bei Personen auf-traten, die ihre Geschlechtsorgane nicht ebensogut in